Atommüllfässer
Kommunalvertreter sollen heute in Ulm über die Suche nach einem Atommüllendlager informiert werden. | Foto: Sebastian Kahnert/Archiv

Radioaktiver Müll

Ulm: Bundesamt informiert Kommunen über Atomlagersuche

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Kommunalvertreter aus Süddeutschland sollen am Mittwoch in Ulm über die Suche nach einem Atommüllendlager informiert werden.

Die Konferenz in der Donaustadt an der Grenze von Baden-Württemberg und Bayern ist die letzte von vier sogenannten Dialogveranstaltungen, die das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) organisiert hat. Seit der vergangenen Woche gab es bereits Informationsveranstaltungen in Leipzig, Hamburg und Frankfurt am Main.

BUND demonstriert vor Ulmer Messe

In Ulm will BfE-Präsident Wolfram König zunächst bei einem Pressegespräch über die Endlagersuche informieren (9.00 Uhr), anschließend ist die nicht öffentliche Veranstaltung für Vertreter von Gemeinden, Städten und Landkreisen geplant. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) will vor der Ulmer Messe dagegen demonstrieren.

Bürger unerwünscht?

Der Umweltverband kritisiert, dass Bürger und Organisationen nicht teilnehmen dürfen. Sie seien „unerwünscht und müssen draußen bleiben“. Die Bundesbehörde begründet die zunächst nur auf die Kommunen ausgerichtete Information damit, dass den Gemeinden und Kreisen eine wichtige Rolle bei der Akzeptanz eines späteren Atomlagers zukomme.

Suche seit Jahrzehnten

Seit Jahrzehnten sucht die Bundesrepublik ein Endlager. Ursprünglich war es im niedersächsischen Salzstock Gorleben geplant. Wegen der Proteste dagegen soll nun noch einmal ergebnisoffen und bundesweit neu geprüft werden, bis zum Jahr 2031 soll ein Standort gefunden sein.

Bayern will kein Atomendlager

Die bayerische Staatsregierung hatte bereits vor zwei Jahren klargemacht, dass sie Süddeutschland weiterhin nicht als Standort für ein Atomendlager sieht. Gorleben sei nach wie vor der Favorit, hieß es damals in München.

In Deutschland wird seit dem 4. September 2017 offiziell ein Endlager für hoch radioaktiven Atommüll gesucht. Dafür wurden die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) und das Nationale Begleitgremium (NBG) gegründet. Letzteres soll bei der sensiblen Standortsuche für den strahlenden Abfall zwischen Öffentlichkeit und Politik vermitteln. Außerdem soll es versuchen, §durch Fachwissen und Neutralität Vertrauen zu vermitteln, den Prozess der Standortauswahl zu erklären und schlichtend zwischen verschiedenen Akteuren aktiv zu werden§, wie das NBG seine Aufgabe selbst beschreibt.
Das Nationale Begleitgremium nahm seine Arbeit bereits 2016 auf. Unter anderem sitzt der frühere Bundesumweltminister Klaus Töpfer (CDU) in dem Gremium, der auch den Vorsitz führt. Außerdem dabei sind sogenannte Zufallsbürger, die in einem komplizierten Verfahren ausgewählt wurden.
Mindestens eine Million Jahre lang soll der strahlende Abfall unter der Erde so sicher wie möglich lagern. Bei der Suche spielen geologische Kriterien wie der Untergrund oder Erdbebengefahr eine Rolle, aber auch die Nähe zu Städten. Die Neuaufstellung der Suche sollte den jahrzehntelangen Streit um den Salzstock Gorleben beenden, der lange als Standort für ein Endlager galt. Im Jahr 2031 soll die Suche beendet sein.

(dpa/ lsw)