Modell der versunkenen Dampflok bei der Veranstaltung in Phlippsburg.
Ein Modell der Dampflok "Rhein". | Foto: Kamleitner

Zuversichtliche Lok-Jäger

Versunkene Lok: Webcam zeigt Bilder von der Bergungsstelle im Rhein

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Die Spannung steigt: Liegt im Rhein bei Germersheim tatsächlich eine im Jahr 1852 versunkene Dampflok? Nicht nur Eisenbahnfreunde aus Deutschland blicken deshalb in die Region. Die „Jäger der versunkenen Lok“ sind zuversichtlich, dass die in Karlsruhe bei der der Maschinenfabrik Kessler gebaute und rund 20 Tonnen schwere Lok tatsächlich unter der Buhne 527 im Rhein liegt, wie der ehemalige Lokführer Horst Müller aus Cochem auf einer gemeinsamen Veranstaltung von SWR und  BNN  am Donnerstagabend (26. September) in Philippsburg bestätigte.

Gewissheit  über Lokfund wird in Kürze erwartet

Bereits in den nächsten Tagen soll Klarheit darüber herrschen, ob es sich bei dem metallischen Gegenstand auf dem Rheingrund bei Germersheim tatsächlich um die gesuchte versunkene Lok handelt, erklärte Wolfhard Neu von der Bergungsfirma OHF in Au am Rhein.

Mit dabei war auch Mario Schmiedicke vom SWR, der das Projekt „versunkene Lok“ ebenfalls schon seit Jahrzehnten beim Sender betreut. Müller ist seit seiner Kindheit von der Geschichte der versunkenen Lok fasziniert und er war es auch, der nach intensiven Recherchen den  vermuteten Fundort konkret ausfindig machen konnte. Moderiert wurde die spannende Runde vor rund 200 interessierten Eisenbahnfans von Winnie Bartsch (SWR) und BNN-Redaktionsleiter Klaus Gaßner.

Eisenbahnschatz im Rhein

Am 21. Oktober soll der Eisenbahnschatz endgültig geborgen werden. Wenn alles nach Plan läuft, wird ein einzigartiges Stück deutscher Industriegeschichte am Haken hängen: Die Dampflok mit dem Namen „Der Rhein“ wäre dann die älteste noch erhaltene Dampflok in Deutschland  – und eine der ältesten weltweit. Je nach Wetter werden bis zu 15.000 Besucher am badischen Rheinufer bei Philippsburg Rheinsheim erwartet.

Webcams zeigen Bilder von Bergungsstelle

Beobachten kann man das Bergungsspektakel  tatsächlich nur von der baden-württembergischen Rheinseite bei Philippsburg-Rheinsheim. Auf der rheinland-pfälzischen Uferseite liegt eine Insel  in einem  Naturschutzgebiet. Wer schon jetzt einen Blick auf die Vorbereitungen werfen möchte, kann dies beim Südwestrundfunk tun. Der Sender installiert Webcams an der Bergungsstelle, deren Bilder wochentags von 6.30 bis 21.30 Uhr  unter http://www.swr.de/jaeger-der-versunkenen-lok abrufbar sind. Am Montag  kämpften Techniker des SWR allerdings noch zeitweise gegen Störungen. Außerdem werden noch keine Unterwasseraufnahmen gezeigt. Die sollen aber bald folgen.

Wie berichtet,  hat die Firma OHF aus Au am Rhein bereits Ende August  begonnen, die Baustelle zur Bergung der versunkenen Lok einzurichten. Die Lok war bei der Überführung nach Köln bei Sturm von einem Segelfrachter in den Fluss gekracht. Spundwände wurden eingerammt, Pontons in Position gebracht, Bagger und Kräne aufgestellt.

Arbeiten liegen im Zeitplan

Die Arbeiten liegen im Plan, sagte OHF-Chef Wolfhard Neu bei der Veranstaltung in Philippsburg gegenüber den BNN. Bislang wurden bereits rund 5000 Kubikmeter Grund abgetragen. Daher stehe man kurz davor, den Lokfund auch als solchen bestätigen zu können. Bis zum Wochenende werde das wohl der Fall sein. Dann brauche man aber weiterhin Zeit für die Freilegung. Dabei werde das Material um die Lok abgesaugt, um sie nicht zu beschädigen.

Unterwasserkamera soll bald auch Bilder liefern

Eine  Webcam  wurde über Wasser befestigt, neben dem Bagger, der in der ersten Phase  tonnenweise  Kies ausheben muss. Die andere befindet sich unter Wasser an der Spundwand, die die Bergungsstelle vor der Strömung des Rheins schützt.

Am Rhein gibt es weder Steckdosen noch DSL-Anschluss

Die Unterwasserkamera  stellt das SWR-Team vor eine besondere Herausforderung. Man finde  nicht so schnell eine Kamera, die bis rund zehn Meter wasserdicht ist und die über eine Kabelverbindung verfügt, um sie mit Strom zu versorgen und die Video-Daten in Echtzeit zu übertragen, heißt es.  Hinzu komme die schwierige Lage des Grabungsortes, der im Rhein rund 50 Meter vom nächsten Ufer entfernt am Rand eines Naturschutzgebietes liegt. Dort gibt es weder Steckdosen noch DSL-Anschluss.

TV-Tipp: Am Samstag, 29. September 2018, 16 Uhr  zeigt das SWR Fernsehen „Eisenbahn-Romantik extra: Jäger der versunkenen Lok (Teil 4) – Jetzt oder nie!“ Der 90-minütige Film „Geschichte und Entdeckungen: Jäger der versunkenen Lok“ von Stefan Keber ist, ebenso wie die ersten drei Teile „Eisenbahn-Romantik extra: Jäger der versunkenen Lok“, abrufbar in der SWR Mediathek: https://swrmediathek.de