Der Wolf sorgt für viele Diskussionen, seitdem er in Baden-Württemberg wieder aufgetaucht ist. Über den Umgang mit dem Tier gibt es sogar einen „Handlungsleitfaden“. | Foto: dpa/Pleul

Handlungsleitfaden

Was tun bei der Begegnung mit einem Wolf?

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Wolferwartungsland! Wolfgefährdungsgebiet! Förderkulisse Wolfprävention! Der Wolf ist zurückgekehrt! All das sind Begrifflichkeiten, die sich in den vergangenen Jahren rund ums Thema Wolf etabliert haben. Dass der Wolf tatsächlich ins „Ländle“, und das noch sehr schlagzeilenträchtig, zurückgekehrt ist, dürfte außer Frage stehen. Erinnert sei an die „Wolfsattacke“ in der Bad Wildbader Gegend, die am Ende etlichen Schafen das Leben kostete. Als Übeltäter machte man einen Wolf aus.

  •  „Handlungsleitfaden“: So etwas gibt es tatsächlich in Sachen Wölfe. 2009 wurde erstmals so ein Leitfaden für Baden-Württemberg in Zusammenarbeit von Behörden und Umweltverbänden erstellt. Aktuell liegt eine überarbeitete Version vor. „Der Leitfaden“, heißt es in dem Papier, „beschreibt den rechtlichen und administrativen Handlungsrahmen und regelt Zuständigkeiten, Kommunikationswege, das Monitoring sowie die Abwicklung von Ausgleichszahlungen, wenn einzelne Wölfe nach Baden-Württemberg zuwandern.“

Wolfssichtungen im Landkreis eher unwahrscheinlich

  • Wolfssichtungen: Die Ereignisse von Bad Wildbad und andere Wolfssichtungen, zum Beispiel im Juni bei Forbach, „berühren“ inzwischen auch den Landkreis Karlsruhe. Um es vorwegzunehmen: Bisher gab es im Landkreis noch keine Wolfssichtungen. Gleichwohl gilt der Landkreis nach Auskunft von Joachim Schneider, Leiter des Amtes für Umwelt und Arbeitsschutz im Landratsamt, als mögliches Wolfgefährdungsgebiet. Die Erklärung dafür, ohne – abhängig vom jeweiligen Blickwinkel – in Panik oder Vorfreude zu verfallen, ist recht simpel. Jetzt kommt nämlich die „Förderkulisse Wolfprävention“ ins Spiel. Dabei wird ausgehend von der „Rissstelle“, also der Ort, an dem ein Wolf im Sinne des Wortes zubiss, ein Radius von bis zu 60 Kilometern gezogen. In dieses Gebiet fällt laut Umweltministerium (Baden-Württemberg) die „Förderkulisse“. Solch ein Radius tangiert auch den südlichen Landkreis, etwa bis zur Höhe von Marxzell.

Zuschüsse für Schutzzäune

  • Fördermittel: Professionelle Tierhalter, dabei dürfte es sich in erster Linie um Schafhalter handeln, könnten dann im Rahmen der Landschaftspflegemittel Zuschüsse für Schutzzäune beantragen, klärt Schneider auf. Entsprechende Anträge nimmt das Landratsamt als untere Naturschutzbehörde entgegen. Bislang, so Schneider weiter, sei aber erst ein einziger Antrag eingegangen.

Wölfe „grundsätzlich keine Gefahr für den Menschen“

  • Verhaltensregeln: Was aber tun, wenn einem tatsächlich mal ein Wolf über den Weg laufen sollte? Zunächst die Theorie: „Grundsätzlich“, lässt das Umweltministerium verlauten, „stellen Wölfe keine Gefahr für den Menschen dar. Wölfe kommen nur in sehr geringen Dichten vor und vermeiden als vorsichtige Tiere gewöhnlich eine direkte Begegnung mit Menschen. Da sie Menschen bereits über große Distanzen wahrnehmen, ist eine Begegnung zwischen Mensch und Wolf daher auch in Wolfsgebieten eine Seltenheit.“ Die Praxis: „Auf den vorgegebenen Waldwegen bleiben“, sagt Joachim Thierer, Leiter des Veterinäramtes im Landratsamt. Diese Wege werden normalerweise vom Wild gemieden; was beispielsweise auch für Wildschweine gilt, die richtig böse werden können, wenn sie ihre Jungen und sich gefährdet wähnen.

Verhalten bei einer Begegnung mit einem Wolf

  • Tipps: Was tun, wenn Mensch und Wolf doch zusammentreffen sollten (Quelle Umweltministerium): Wie bei anderen Wildtieren gilt: Begegnung mit Respekt, Abstand halten, die Tiere nicht bedrängen. Wer zu Fuß oder mit dem Fahrrad Wölfen begegnet, die sich nicht zurückziehen, sollte auf sich aufmerksam machen und sich langsam entfernen. Folgen der Wolf oder die Wölfe in gewissem Abstand, soll man sich nicht hastig entfernen, sondern langsam radeln oder gehen, betont uninteressiert, und dabei laut sprechen. Fühlt man sich unwohl, stehen bleiben, laut rufen und in die Hände klatschen, sich groß machen und – bei weiterer Annäherung des Tieres – mit Gegenständen werfen.

 

  • Meldung: Wer glaubt, einem Wolf begegnet zu sein, soll dies der Naturschutzbehörde oder dem Wolfsmonitoring melden: (07 61) 40 18 274.

Wölfe brauchen viel Platz

Allerdings dürfte es angesichts der Siedlungsdichte im Landkreis Karlsruhe so gut wie unwahrscheinlich sein, dass ein oder sogar mehrere Wölfe sich in der Region niederlassen. Ein Wolf braucht nämlich Platz. Laut Experten kann er bis zu 70 Kilometer pro Tag zurücklegen.
Und damit wäre er ruckzuck durch den Landkreis „spaziert“ – und wäre schon wieder weg.

 

Von unserem Mitarbeiter Klaus Müler