In traumhafter Lage befindet sich das Hotel Schliffkopf. Dort erwartet das Gewinner-Duo ein umfängliches Verwöhn-Programm.
In traumhafter Lage befindet sich das Hotel Schliffkopf. Dort erwartet das Gewinner-Duo ein umfängliches Verwöhn-Programm. | Foto: pr

Tourismus nimmt Fahrt auf

Willkommen im Hotel Corona: Diese Einschränkungen gibt es für Übernachtungsgäste

Anzeige

Dornröschenschlaf sagen die einen, künstliches Koma nennen es die anderen. Nach zehn Wochen Stillstand dürfen die Hotels im Land ab heute wieder öffnen. Aber bleiben Gastlichkeit und Gemütlichkeit auf der Strecke? Hotelchefin Doreen Fahrner spricht über die Einschränkungen, die Hotelgäste jetzt erwarten.

Der Schliffkopf ist einer dieser Orte, die man gern einmal für sich allein hätte. Aber mit wunderbarer Isolation ist es auf der 1.055 Meter hohen Bergkuppe im Herzen des Nordschwarzwald normalerweise nicht weit her. Der spektakuläre 360-Grad-Blick auf die Schwarzwaldberge und das Rheintal zieht die Massen an. Für einen exklusiven Blick aufs Postkarten-Panorama braucht es schon eine Pandemie. „Bei allen Sorgen habe ich diesen außergewöhnlichen Luxus manchmal auch einfach nur genossen“, sagt Doreen Fahrner.

Dornröschenschlaf oder künstliches Koma?

Die Chefin des ersten und einzigen Hauses am Platz lässt den Blick aus den großen Fenstern des Restaurantbereichs über die atemberaubend weite Landschaft schweifen. Zehn Wochen lang ruhte das Schliffkopf-Hotel im Dornröschenschlaf. Oder war’s ein künstliches Koma, wie realistisch veranlagtere Naturen und Geschäftsmenschen wie Doreen Fahrner das empfunden haben dürften?

Dass heute endlich wieder die ersten Gäste anreisen dürfen, erfüllt sie mit gemischten Gefühlen. Denn um Sicherheitsbestimmungen und Hygienevorschriften korrekt umzusetzen, hat es in den vergangenen Tagen viel Geduld, Kreativität und nicht zuletzt auch viel Geld gebraucht.

Hin und her trübt die Vorfreude

„Das Hin und her im Vorfeld hat uns den Spaß sehr getrübt“, sagt die Hotelchefin bei einem ihrer letzten Kontrollgänge durchs Haus. Sie wirft einen prüfenden Blick ins große Badezimmer der Wellness-Suite. Wo sonst ein Körbchen mit Shampoo, Bodylotion und anderen Annehmlichkeiten zu finden ist, glänzt nackter Marmor.

Auch interessant: Die Lage der Hotels in Baden-Baden ist dramatisch

Aus den Zimmern ist alles entfernt, was nicht unbedingt nötig ist. Auf dem Sofa liegen keine Zierkissen, die Bettauflieger sind weg und die Minibar ist leer ebenso wie die hübschen Badetaschen, die sonst, mit Bademantel und Saunatüchern gefüllt, für die Gäste bereitstehen. Doreen Fahrner zieht eine Schublade auf. Sogar die Bibel ist weg. Die Chefin zuckt mit den Schultern.

Mit dem Charme eines Krankenzimmers

Ein bisschen absurd ist das schon. Ein Wellness-Hotel mit dem Charme eines (teuren) Krankenhauszimmers? Eigentlich wollen die Fahrners ihren Gästen den Aufenthalt so angenehm und gemütlich wie möglich machen. Aber ein hygienisch in Folie verschweißter Bademantel auf einer sterilen Oberfläche hat die Ausstrahlung eines OP-Kittels im Kreißsaal.

Auch deshalb ist Doreen Fahrner zwiegespalten. Als Gastgeberin mit Leib und Seele fällt es ihr schwer die Gäste, die sie zum Teil seit Jahrzehnten kennt, mit Mundschutz und ohne herzliche Begrüßung zu empfangen.

Teure Maßnahmen

Dennoch hat ihr Team in den vergangenen Tagen hart daran gearbeitet, die Maßnahmen zum Infektionsschutz umzusetzen. Keine der vier Abteilungen im Hotel blieb verschont. Die Küche musste sich überlegen, wie ein regelkonformes Frühstücksbuffet zu organisieren sei. Eine große Schale Obstsalat, aus der sich alle bedienen, ist tabu. Auch eine gemeinsame Käse- oder Schinkenplatte darf es nicht geben. Stattdessen müssen die Gäste ihre Wünsche dem Personal melden, das alles an die Tische bringt.

Mehr zum Thema: Hotelbranche trotz Öffnung der Häuser voller Sorgen

Apropos Tische: Tischdecken sind auch verboten. Damit es nicht allzu karg und ungemütlich wirkt, hat Doreen Fahrner kleine Platzdeckchen auflegen lassen. Waschbar nach jedem Gebrauch bei mindestens 60 Grad. Auch Weinkarten und Menüs dürfen nicht von einer Hand zur anderen wandern. Für jede Gästegruppe wird das Speisenangebot nun auf einem Papier ausgedruckt, der QR-Code für die Getränkebestellung per Handy ist in eine Folie verschweißt.

Literweise Desinfektionsmittel

Getrennte Laufwege für Personal und Gäste, Plexiglasscheiben überall, vorportionierte Salz und Pfeffer-Tütchen, weil die Menagerien auf Tischen nicht mehr erlaubt sind, Einweghandschuhe und literweise Desinfektionsmittel – der Mehraufwand für das Hotel und sein Personal ist enorm. Am leichtesten sind die Vorgaben noch im Bereich des Hotel-Spas umzusetzen. „Wir hatten da ja schon vor Corona strenge Hygieneregeln“, gibt Spa-Chefin Monika Luikenga zu bedenken.

30 Prozent Gäste und 50 Prozent Personal

Vorerst haben die Fahrners entschieden nur 30 Prozent ihrer 70 Zimmer zu belegen. Aber für weniger als ein Drittel der Gäste brauchen sie die Hälfte des Personals. Lohnt sich da eine Öffnung überhaupt? „Das haben wir uns natürlich lange überlegt“, gibt Dorothee Fahrner zu. „Aber Hoteliers sind Idealisten. Wir wollten ein Zeichen setzen, dass es wieder weitergeht.“ Auch wenn das Erwachen aus dem künstlichen Koma mühsam ist.