Schneefall in Niedersachsen
Motor warmlaufen lassen oder nur ein Guckloch freikratzen? Das kann im Winter schnell teuer werden. | Foto: Philipp Schulze

Bußgeld im Winter

„Winterknöllchen“: So teuer können Verkehrsverstöße im Winter werden

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Wenn es draußen kälter wird, bricht auch die Zeit der Winterreifen, der vereisten Windschutzscheiben und der winterlichen Verkehrsverstöße an. Dabei können vermeintlich harmlose Vergehen schnell teuer werden. Ein Überblick über die „Winterknöllchen“, die Autofahrern in der kalten Jahreszeit drohen.

Wer mit seinem Fahrzeug Schnee und Kälte trotzen muss, der greift im Winter gerne einmal auf verschiedene Tricks zurück. Einige dieser heißen Tipps für kalte Tage wie das Warmlaufenlassen des Autos sind jedoch in Wahrheit Verkehrsverstöße und mit teils satten Strafen im Bußgeldkatalog belegt.

Beleuchtung im Winter

Das Anschalten des Abblendlichts ist besonders in den trüben und schneereichen Wintertagen wichtig. Da Fahrzeuge ohne Beleuchtung hier ein besonderes Sicherheitsrisiko darstellen, werden Verstöße wegen fehlender Beleuchtung schnell teuer. Wer beispielsweise innerorts ohne eingeschaltetes Abblendlicht unterwegs ist, muss 25 Euro zahlen. Außerorts erhöht sich die Strafe für den gleichen Verstoß auf 60 Euro und einen Punkt in Flensburg. Noch teurer wird es, wenn es ohne Abblendlicht zum Unfall kommt. Eine Sachbeschädigung ohne angeschaltete Beleuchtung schlägt innerorts mit 35 Euro zu Buche. Außerhalb geschlossener Ortschaften werden hier bereits 90 Euro fällig und es gibt einen Punkt. Stellen die Polizeibeamten eine Gefährdung fest, kostet es 75 Euro. Den Punkt in Flensburg gibt es auch in diesem Fall obendrauf.

Geschwindigkeitsüberschreitungen im Winter

Wenn die Sicht durch Schneefall eingeschränkt ist, reißen auch Geschwindigkeitsüberschreitungen schnell ein größeres Loch in den Geldbeutel. Wer innerorts bis zu 25 Kilometer pro Stunde zu schnell fährt, wenn die Sicht durch Schnee auf unter 50 Meter eingeschränkt ist, kassiert einen Punkt und muss 80 Euro Strafe zahlen. Ab einer Geschwindigkeitsüberschreitung von 31 Kilometern pro Stunde gibt es bereits einen Monat Fahrverbot, außerdem zwei Punkte und eine Geldstrafe von 160 Euro. Ab 51 km/h zu schnell gibt es zwei Monate Fahrverbot, zwei Punkte und 280 Euro Strafe. Wer über 70 km/h zu schnell fährt, muss den Führerschein für drei Monate abgeben, kassiert zwei Punkte und muss 680 Euro zahlen.

Außerhalb geschlossener Ortschaften werden Geschwindigkeitsüberschreitungen bei eingeschränkter Sicht minimal günstiger, wenn auch nicht ungefährlicher. Wer über 70 km/h zu schnell fährt, wird 600 Euro los, bekommt zwei Punkte in Flensburg und muss drei Monate den Führerschein abgeben. Wer unter 30 Kilometer pro Stunde zu schnell fährt, muss 80 Euro Strafe zahlen und bekommt einen Punkt.

Keine Winterreifen bei Glatteis oder Schnee

Wer glaubt, sich Zeit, Geld und Nerven sparen zu können, wenn er auf Winterreifen verzichtet, könnte zumindest in Sachen Geld feststellen, dass er sich geirrt hat. Passiert ein Unfall bei Glatteis oder Schnee und ein beteiligtes Auto ist ohne Winterreifen unterwegs, muss der Fahrer mit einer Strafe von 120 Euro und einem Punkt in Flensburg rechnen. Auch wenn die Fahrt ohne Winterreifen glimpflich ausgeht, kostet das im Falle einer Polizeikontrolle immer noch 60 Euro Strafe und es gibt einen Punkt. Stellt die Polizei eine Gefährdung oder Behinderung anderer Verkehrsteilnehmer fest, werden 100 Euro im Falle der Gefährdung und 80 Euro für eine Verkehrsbehinderung fällig – plus jeweils ein Punkt.

Sorgfalt beim Enteisen zahlt sich aus

Eines der größten Ärgernisse im Winter ist das morgendliche Enteisen des Autos und insbesondere der Windschutzscheibe. Doch wer hier Zeit sparen möchte, tut sich damit unter Umständen keinen Gefallen. Schon einmal den Motor anschalten, um das Auto warmlaufen zu lassen ist beispielsweise ein Verstoß, der mit einer Strafe von zehn Euro zu Buche schlägt. In der gleichen Bußgeld-Preisklasse bewegt sich, wer nur ein kleines „Guckloch“ in der Frontscheibe freikratzt. Auch das Autodach muss von Schnee befreit werden – andernfalls werden 25 Euro Strafe fällig. Zum Schluss lohnt es sich auch, nochmal einen Blick auf das Kennzeichen zu werfen. Ist dieses nämlich zugeschneit und dadurch nicht lesbar, kostet es immerhin noch fünf Euro Strafe.

Wer im Winter zu schnell fährt oder ohne Licht unterwegs ist, begibt sich nicht nur finanziell aufs Glatteis, sondern stellt auch eine ernst zu nehmende Gefahr für sich und andere Verkehrsteilnehmer dar. Im Zweifelsfall ist eine saftige Geldstrafe dann sogar das kleinere Übel. Und wer sich das ein oder andere „Winterknöllchen“ spart, der kann möglicherweise auch ein Päckchen mehr unter den Weihnachtsbaum legen.