Der Europa-Park in Rust wächst - und bringt das Dorf an seine Grenzen. | Foto: Europa Park

Wachstum beunruhigt Bürger

Der „Vollgas“-Ausbau des Europa-Parks und seine Schattenseiten

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Ist der Europa-Park inzwischen zu erfolgreich? So mancher Bürger in der kleinen Standortgemeinde Rust stellt diese Frage neuerdings laut. „Wir finden selbst kaum noch eine Wohnung hier“, klagen sie und stöhnen über „den vielen Verkehr“.

Und selbst die Eigentümerfamilie Mack ist offensichtlich nicht ganz glücklich über eine neue Kehrseite ihrer Attraktivität: Konkurrenz möchte sich direkt vor Deutschlands größtem Freizeitpark festsetzen. Der holländische Investor Guido van Hoogdalem hat sich das Vorkaufsrecht für ein 27 Hektar großes Gelände zwischen Europa-Park und Autobahn 5 gesichert – für ein Feriendorf.

Rege Bautätigkeit

Fragen dazu lösen bei Michael Mack nicht gerade Begeisterung aus. „Wir machen unsere Sachen – und die anderen sollen machen, was sie wollen“, mit diesen Worten wischt der Geschäftsführer des Europa-Parks die Fragen zur Konkurrenz aus Holland hinweg, als er zum Saisonstart darauf angesprochen wird. Die Familie Mack hat selbst gerade den gigantischen neuen Wasserpark und den Hotelkomplex „Kronasar“ hochgezogen. Im Mai eröffnet die Touristen-Herberge, ab November können Besucher durch die gigantische Wassererlebniswelt „Rulantica“ rutschen. Größe des neuen Areals: 45 Hektar.

Der Europa-Park selbst hatte bisher 95 Hektar überbaut. „Der neue Wasserpark ist ein Riesenprojekt – das muss man erst einmal verarbeiten“, meint Kai-Achim Klare, Bürgermeister der rund 4 500 Einwohner von Rust. „Wir müssen jetzt alle aufpassen, damit wir uns nicht selbst überholen.“ Für den holländischen Investor will Klare keineswegs rasch die Bahn frei machen. „Laut Flächennutzungsplan ist die Freifläche zurzeit nur Ackerland“, betont der Rathauschef. „Sie ist aktuell schlicht und einfach nicht bebaubar.“

Investor könnte „auf Jahre“ nur Landwirtschaft betreiben

Der Investor, der sich das Vorkaufsrecht bei einer reichen chinesischen Grundstücksbesitzerin gesichert hat, könnte laut Klare auf Jahre „höchstens Landwirtschaft betreiben“. Mit der Nachbargemeinde Ringsheim habe Rust schon länger beschlossen, dass in den nächsten fünf Jahren keinesfalls der Flächennutzungsplan geändert wird.

Nur weil jemand sagt: ,Ich will!‘, müssen wir nichts machen.

Auch danach sei keine hektische Aktivität geplant. „Das sind unsere letzten Entwicklungsflächen“, sagt der Bürgermeister über insgesamt 90 Hektar, die für „Tourismus, Freizeit, Dienstleistung“ vorgesehen sind und von denen ein knappes Drittel in Händen der ausländischen Grundbesitzerin ist: „Nur weil jemand sagt: ,Ich will!‘, müssen wir nichts machen.“ Schon das „Vollgas“-Wachstum des Europa-Parks bringe die Kommune an ihre Grenzen.

Angebot an Ferienwohnung quotiert

Mehr als 500 neue Mitarbeiter will die Familie Mack für den Wasserpark nebst Hotel einstellen. 3 800 Kräfte beschäftigte der Besuchermagnet bisher schon während der Saison. Wohnraum ist rar – deshalb bremst Rust neuerdings auch private Zimmervermieter ein: In Neubaugebieten sind Ferienwohnungen verboten, für alte Wohngrundstücke ist eine 60:40-Quote beschlossen worden. „60 Prozent müssen für Wohnnutzung zur Verfügung gestellt werden, 40 Prozent dürfen für Ferienwohnungen genutzt werden“, erläutert Klare.

Immerhin 5,6 Millionen Besucher zog der Europa-Park 2018 an. Da verdient mancher Ruster ein üppiges Zubrot als Vermieter. Auch deshalb versteht Roland Mack, Gründer des Europa-Parks, die aktuellen Diskussionen im Ort nicht so ganz. Von „Neid“ und „Kritik“ spricht er dieser Tage – und verweist darauf, dass die Besucher nun einmal immer neue Attraktionen erwarteten und allein 600 Ruster einen Job im Vergnügungspark gefunden hätten: „Es ist schade, dass das von dem einen oder anderen nicht mehr geschätzt wird.“

Ort leidet unter Verkehrsaufkommen

Stattdessen gab es in jüngerer Zeit lebhafte Diskussionen über den starken Verkehr und die 880 elsässischen Pendler, die im Park arbeiten. Bei einer Bürgerversammlung ging es auch um die Frage, ob der Freizeitpark zusätzliche Parkdecks bauen kann. Die Anwohner wollten eben nicht, dass Besucher „das ganze Dorf zuparken“, sagt Rathauschef Klare. Er und die Familie Mack betonen jedoch ihre enge Kooperation. Angesichts des leer gefegten Arbeitsmarktes heuern die Herren der Achterbahnen nun verstärkt Kräfte aus Osteuropa an.

500 Appartements hält der Park bereits für Beschäftigte vor. Die meisten Wohnungen sind Eigentum der Macks. Aktuell bauen sie auch ein neues Mitarbeiterwohnheim – und einen Kindergarten für die ganze Gemeinde. Er könne ja sogar verstehen, dass Roland Mack ein bisschen verärgert sei, meint Bürgermeister Klare, der übrigens aus beträchtlichen Gewerbesteuern von jährlich insgesamt zehn bis elf Millionen Euro schöpfen kann: „Ein einmal erreichter Standard wird oft als selbstverständlich betrachtet“, meint er – und erwähnt nebenbei: „Kindergartenplätze sind bei uns gebührenfrei.“

Elsass rückt ins Visier der Park-Betreiber

Die rührigen Chefs des umsatzstarken Europa-Parks hatten sich auch mit ihren Plänen für eine Seilbahn ins Elsass viel Kritik eingehandelt. Denn: Die Gondeln sollten über das Naturschutzgebiet „Taubergießen“ schweben. Die Pläne für die Bahn plus Feriendorf im Elsass sind zwar gestoppt, aber: „Dass wir an Investitionen im Elsass interessiert sind, ist bekannt“, meint Michael Mack. „Bewegung ist da immer drin.“