Briefwahl
Zahl der Briefwähler im Südwesten steigt. | Foto: Ralf Hirschberger/Archivbild

Vor Großwahltag

Zahl der Briefwähler im Südwesten steigt

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Wenige Tage vor dem Großwahltag in Baden-Württemberg zeichnet sich ein deutlicher Anstieg bei den Briefwählern ab. Das legen Zählungen der Städte Stuttgart, Karlsruhe und Freiburg nahe.

In Karlsruhe war am Dienstag die Gesamtzahl von der Wahl im Jahr 2014 deutlich übertroffen. Fünf Tage vor dem Wahltag seien mehr als 45.000 Briefe eingegangen, teilte ein Sprecher der Stadt mit. In der Fächerstadt leben 235.000 wahlberechtigte Karlsruhe. Anfang Mai hatte Wahlamtsleiterin Edith Wiegelmann-Uhlig noch mit 35 000 Briefwählern insgesamt gerechnet, beim Urnengang 2014 kam man am Ende auf rund 30.000.

Und noch ist Zeit, sich zum Endspurt für diese Form der Stimmabgabe bei der Kommunal- und Europawahl zu entscheiden.  „Wir rechnen damit, dass bis Sonntag täglich weitere 800 bis 1000 Briefe eintrudeln“, so der Sprecher.

Bruchsal: Zahl der Wahlbezirke erhöht

In Bruchsal wurde die Zahl der Briefwahlbezirke erstmals auf acht erhöht, um der steigenden Zahl an Briefwählerinnen und Briefwählern gerecht werden zu können. Schon jetzt sind gut 5.000 Briefwahlanträge bei der Stadt eingegangen (Stand Ende letzter Woche) – jeweils für Europa-, Kreistag- und Gemeinderatswahl. Wahlberechtigt sind bei der Kommunalwahl – Wahlalter ab 16 – 34.500 Bruchsaler, bei den Europawahlen – Wahlalter ab 18 – sind es 30.800 Bürger.

Steigende Zahlen auch in Freiburg und Stuttgart

Auch in Freiburg ist die Zahl der Briefwähler deutlich gestiegen. Am Montagabend hatten mit fast 40.000 Menschen 25 Prozent aller Wahlberechtigten ihren Brief für die Europawahl abgeschickt, sagte ein Sprecher der Stadt. Zum gleichen Zeitpunkt bei der Wahl vor fünf Jahren lag die Wahlbeteiligung per Brief den Angaben zufolge noch bei 16,6 Prozent.

In Stuttgart beantragten 21 Prozent der Wahlberechtigten der Gemeinderatswahl die Briefwahl. 2014 lag die Beteiligung laut einer Sprecherin der Stadt noch bei 15,9 Prozent.

Briefwahl rechtzeitig abgeben

Damit die Stimmzettel rechtzeitig für die Auszählung am Sonntag beim Wahlamt eingehen, sollten die Wahlberechtigten spätestens am Donnerstag, 23. Mai, ihre Unterlagen zur Post geben. Danach empfiehlt es sich, die Wahlbriefe direkt einzuwerfen. Dies kann am Wahlsonntag bis 18 Uhr geschehen – also bis zu dem Zeitpunkt, an dem die klassischen Wahllokale ebenfalls schließen.

Deutschlandweiter Trend

Deutschlandweit geben immer mehr Wähler ihre Stimme per Brief ab. Bei den Bundestagswahlen 2013 und 2017 stieg die Quote der Briefwähler von 24,3 auf 28,6 Prozent, in Baden-Württemberg von 22,3 auf 27,2 Prozent.

Bundeswahlleiter Georg Thiel sieht diese Entwicklung kritisch. Die Verfassung und die darauf beruhenden Gesetze sähen die Stimmabgabe an der Urne, also am Wahlsonntag, als Grundsatz vor, sagte Thiel den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Dienstag). Die Briefwahl beeinflusse die Prinzipien der gleichen und geheimen Wahl und strecke den Wahlzeitraum auf mehrere Wochen.

dpa/lsw/BNN