Privatschule
Zahlreiche Leser haben den BNN geschrieben, wie sie die Schule besser machen würden. | Foto: Uwe Anspach

Viele Zuschriften

Zahlreiche Reformvorschläge: So würden BNN-Leser die Schule verbessern

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Über Lehrermangel und Schieflagen an den Schulen streiten und jammern die Menschen hierzulande laut und oft. Die BNN haben die Leser aufgefordert, ihre Reform-Ideen einzuschicken: Mit welchen einfachen Mitteln und guten Ideen könnte man den Schulalltag erleichtern und den Lernerfolg der Kinder erhöhen? Zahlreiche Leser haben ihre Vorschläge eingereicht. Wir stellen eine Auswahl daraus vor.

Kindergarten-Pflicht für korrektes Deutsch

„Alle Kinder sollen mindestens zwei Jahre den Kindergarten besuchen, im Jahr vor der Schule ist dann das Angebot Vorschule verpflichtend“ – so würde die Systemreform aussehen, wenn es nach Johanna Schneider aus Karlsruhe ginge. „Wir brauchen endlich die Kindergarten-Pflicht“, betont sie, die Kinder müssen Deutsch lernen, damit sie in der Schule erfolgreich sein können – aber nicht Schulhof-Deutsch, sondern korrektes Deutsch.“

Bereits in Kindergärten und Vorschulen solle sichergestellt werden, dass Kinder nicht abgehängt werden.  Foto: Arne Dedert/dpa

Auf die Sprachkompetenz müsse besonderer Wert in Kindergarten und Vorschule gelegt werden, damit Kinder nicht „abgehängt“ werden. Auch die Leseförderung kommt aus Schneiders Sicht in der Schule zu kurz: „Es ist erschreckend, dass ältere Schüler erhebliche Schwierigkeiten haben, verstehend zu lesen“, schreibt sie: „Ohne Verstehen löse ich aber keine Mathe-Aufgaben, verstehe nichts von Globalisierung, Fotosynthese.“ Und das Lesen sei „wesentlich, um sich voll Freude neue Welten zu erschließen.“

Eignungstest und Kündigung für Lehrer

„Jede anspruchsvolle Arbeit (und Lehrperson sein ist es) kann nur gelingen, kann man nur bis zur Rente durchhalten, wenn man für die Anforderungen geeignet ist“, schreibt Marianne Barczewski. „Also wäre meines Erachtens zwingend ein persönlicher/psychologischer Eignungstest wichtig, dann noch im Rahmen des Studiums eine sehr frühe „Konfrontation“ mit dem Arbeitsalltag, damit die Studierenden für sich prüfen können, ob das machbar ist.“

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Im Interesse der Kinder wäre es nach Ansicht der Leserin aus Maximiliansau „unbedingt notwendig, dass Lehrer gekündigt werden können“. Ihre Begründung: „Eine fürs Lehramt ungeeignete Persönlichkeit wird doch heute von Schule zu Schule verschoben, und jedes Mal haben zwei oder drei Jahrgänge den Rest ihres Lebens mit diesem Manko zu leben.“

Gegen „Spiel-Französisch“

Eine Mutter dreier Kinder, die anfangs große Anhängerin des Französisch-Unterrichts in den Grundschulen war, fände es nach ernüchternden Erfahrungen „sinnvoller, in der Grundschule statt diesem ,Spiel-Französisch‘ die Fächer Deutsch, Mathe und Heimatkunde zu vertiefen“.

Der langjährige Karlsruher Lehrer Roland Pohl fordert ebenfalls: Keine Fremdsprache in der Grundschule. Stattdessen sollten „die Grundlagen der deutschen Grammatik gelegt werden.“ Außerdem plädiert er dafür, die verbindliche Grundschulempfehlung „schnellstmöglich“ wieder einzuführen. Und: In einer Klasse sollten maximal 20 Kinder sitzen.

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„Pfingstferien abschaffen!“

Manche Schüler, Eltern und Lehrer werden eine weitere Leserinnen-Forderung ungern hören: „Abgeschafft gehören die Pfingstferien!“, heißt es da. „Dass vier Wochen vor den Sommerferien noch zwei Wochen Pfingstferien sind, ist nur dem Lobbyismus des Tourismusgewerbes geschuldet.

Viele Leser finden, dass grundlegende Inhalte in der Schule wieder stärker vermittelt werden sollten. | Foto: Bernd Wüstneck/dpa

Nach den Pfingstferien sind die Kinder – durch diese ,Delle‘ im Unterricht – sehr schlecht wieder zu motivieren und es ist einfach ein ineffizientes Lernen, dieses Start- und Stopp-System! Ich bin stark dafür, die Pfingstferien abzuschaffen, und echten Unterricht bis zum Schuljahresende zu fahren. Ich erlebe aber, dass ab der zweiten Juliwoche in der Schule sowieso nichts mehr läuft, sobald die Konferenzen waren, liegen alle in der Hängematte. Das ist ineffizient und echte Zeitverschwendung.“

„Setzt Lehrer nicht herab“

Mehrere Leser würden den Lehrkräften gerne den Rücken stärken. „Stellt die Lehrerinnen und Lehrer und den Lehrerberuf positiv in den Medien und in Filmen dar“, fordert eine Frau. „Macht sie nicht schlecht, zweifelt nicht, macht euch nicht lustig, sondern lobt sie, beschreibt ihre Erfolge. Für die deutsche Bevölkerung muss es selbstverständlich sein, vor Lehrerinnen und Lehrern Respekt zu haben. Gebt ihnen mehr Möglichkeiten an die Hand, gegen falsches Verhalten von Schülern vorzugehen. Unterstützt sie dabei.“

„Es wäre wünschenswert wenn in der Öffentlichkeit das Lehrer-Bashing (Beschimpfen, Herabsetzen) aufhörte“, meint eine BNN-Leserin aus Karlsruhe. „Die allermeisten Lehrer aller Schularten sind motiviert, ihre Schüler zu fördern, die allermeisten sind kompetent, aber erfahren wenig Respekt, seitens der Eltern und der Schüler.“

Grüne statt Rote Karten

„Mein Traum und meine Vision von einer staatlichen Schule verursacht so gut wie keine Kosten“, schreibt Martina Kurz, die als Lernbegleiterin für eine Gemeinschaftsschule tätig war und Zwillingsmama von Viertklässlern ist: „Wertschätzung und Ermutigung“ sind für sie der Schlüssel zum schulischen Erfolg.

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„Wollen wir den Blick auf die Defizite und die Schwächen (zwei Prozent) unserer Kinder ausrichten?“, fragt sie. „Oder wollen wir gemeinsam mit den uns anvertrauten Kindern deren einzigartige Talente und Gaben (98 Prozent) entdecken und entfalten, die Möglichkeiten sehen und uns daran erfreuen, wie die Kinder aufblühen?“ Ihr Vorschlag für den Schulalltag: „Wie wäre es, wenn wir statt Gelber und Roter Karten für schlechtes Verhalten viel mehr Grüne Karten für vorbildhaftes, richtiges und gutes Verhalten sammeln? („Mama, heute habe ich drei Kindern aus meiner Klasse beim Fahrradtraining meinen Helm ausgeliehen“, „Seit der ersten Klasse teile ich mein Vesper mit den Kindern, die nachmittags keines mehr haben“).

Schulbeginn Baden-Württemberg
Kündigungsrecht und bessere Perspektiven: Auch um die Rolle des Lehrers machten sich viele Leser Gedanken. | Foto: Marijan Murat

Jedes einzelne Kind sei „ein ganz besonderer Schatz, unendlich wertvoll, geliebt und wunderbar“, schreibt die Leserin aus Graben-Neudorf. Leider würden Lehrer, Eltern und Gesellschaft diese wichtige Botschaft oft vergessen. „Schule ist soviel mehr als Wissensvermittlung und Schulnoten“, mahnt sie. „Machen wir sie zu einem wunderbaren Ort des gegenseitigen Lernens, der Ermutigung und der Wertschätzung.“

Falsche Fixierung aufs Abitur

Die überzogenen Anforderungen der Arbeitgeber haben aus Sicht einer 67-jährigen BNN-Leserin zur Schieflage im Schulsystem beigetragen: „Ich habe die ,Volksschule‘ wie es damals hieß, erfolgreich abgeschlossen, danach eine Lehre als Industriekaufmann abgeschlossen – sehr viel Kopfarbeit war da noch notwendig“, schreibt sie. „Mit 17 Jahren war ich dann mit der Ausbildung fertig und habe in einem großen Unternehmen die Lohnabrechnung für circa 500 Mitarbeiter gemacht, alles ohne Abitur. Heute können Sie diese Ausbildung nur mit Abi machen! Also, ein Umdenken wäre sinnvoll: Nicht solange in die Schule gehen – es geht auch anders.“

Schreibschrift zuerst

„Als Kalligraphin mit langjähriger Erfahrung in Schönschrift-Kursen für Schulkinder kann ich folgende Reform anmahnen: Lassen Sie die Grundschulkinder bitte zuerst die Lateinische Schreibschrift lesen und schreiben lernen“, schreibt Astrid Wagner, „denn so fließend, wie wir sprechen, sollten wir auch schreiben.“ Für die Leserin aus Bretten ist klar: „Die Verbindung macht’s! Das Lesen und auch Schreiben der Druckschrift ist dann erst der zweite Schritt.“ Eltern könnten auch helfen, meint die Leserin – „indem sie bei ihren Kindern die Fähigkeit zuzuhören fördern. Rechtschreibschwächen gäbe es dann nicht mehr.“

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Andere Leserbriefschreiber sprechen sich für die Wiedereinführung des Faches Schönschreiben aus.

Kein Handy für Grundschüler

Eine weitere Forderung der Schreibschriftexpertin lautet: „Die Digitalisierung sollte den Grundschulen fernbleiben. Smartphones und Co haben nichts in den Händen von Grundschulkindern verloren“.

Tablets im Schulunterricht
Die Digitalisierung wird von Lehrern und Eltern nicht nur positiv bewertet. | Foto: Uli Deck/Archivbild

Zur Skepsis gegenüber Computern im Unterricht rufen mehrere Leser auf: „Nicht alles, was Wikipedia liefert, ist lückenlos zu übernehmen“, meint eine Karlsruherin. „Die Digitalisierung der Schulen, so notwendig sie auch ist, kann nicht alle Lernschritte ersetzen.“

Heimatkunde statt MeNuK

Die Qualität des Grundschulfachs „MeNuK“ (Mensch, Natur und Kultur) findet eine Leserin „qualitätsmäßig sehr schwankend“. Ihre Forderung: „Heimatkunde, Ortsgeschichte und Straßennamen gehören wieder in den Grundschulunterricht.“

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Lehrer von VHS holen

„Trotz des Lehrermangels an Schulen werden immer noch viele Lehrkräfte in anderen Weiterbildungseinrichtungen, zum Beispiel in den Volkshochschulen, im Rahmen des sogenannten ,Lehrerprogramms‘ des Kultusministeriums Baden-Württemberg eingesetzt“ – darüber ärgert sich ein Leser. „Beamte und Beamtinnen haben durch dieses Programm die Möglichkeit, sich für bis zu acht Jahre ,abordnen‘ zu lassen. Diese Lehrerinnen und Lehrer sollten doch eigentlich wieder an die Schulen zurück!“

Fortbildung in bezahlten Ferien

„Lehrer werden vor den Ferien aus dem Schuldienst entlassen, warum?“, fragt BNN-Leserin Mechthilde Armbruster aus Ettlingen. Ihr Vorschlag: „Die Ferien könnte man durch Fortbildungsmaßnahmen nutzen (einen Teil davon). Dadurch ist Unterricht-Ausfall nicht mehr erforderlich. Die Lehrer brauchen Sicherheit, um ihr Einkommen und Leben planen zu können – nicht Hartz IV.“ Wenn er nach den Ferien immer neue Lehrer suche, müsse der Staat „nehmen, was noch so übrig bleibt“, mahnt die Leserin. Sie verteidigt zugleich den oft kritisierten Lehrerstand: „Es gibt sehr motivierte Lehrer – die brauchen wir dringend. Ich kann die Nörgelei nicht mehr hören!“

Eine andere Leserin fordert auch für die fest besoldeten Lehrer: „Sämtliche Lehrerfortbildungen, Pädagogischen Tage, Lehrerausflüge verpflichtend auf die Ferien legen.“ Denn: „Rein rechtlich gelten Ferien für Lehrer nicht als Freizeit, sondern als ,unterrichtsfreie Zeit‘. Viele vergessen das aber und haben keine Lust, Klassenarbeiten zu korrigieren oder ähnliches.“

Pädagogen entlasten

Kurz und knackig formuliert ein anderer Leser seine Idee: „Mein Reformvorschlag: mehr qualifiziertes Nicht-Lehrpersonal einsetzen, sodass sich die Lehrer wieder aufs Unterrichten konzentrieren können. Beispiele: Erzieherinnen, Verwaltungskräfte, IT-Verantwortliche, Haustechnik, Krankenschwester, Therapeuten.“