Gold bewegt die Massen in Pforzheim, nachdem vor 250 Jahren der Markgraf eine Produktionserlaubnis dafür gab. | Foto: Wacker

„Goldrausch“ in Pforzheim

Tausende bejubeln Theaterspektakel zum Schmuckjubiläum

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Ein Feuerwerk an Farben ergießt sich über dem Marktplatz in Pforzheim. Die Goldstadt funkelt hell am mitternächtlichen Himmel, erstrahlt facettenreicher denn je. Das Zeichen des Aufbruchs ist der Hingucker für den jubelnden Schlussapplaus, aber nicht der einzige in dieser Nacht. Beim Theaterspektakel „Goldrausch“ zum Jubiläumsjahr 250 Jahre Schmuck und Uhren aus Pforzheim, das zweimal zu erleben ist, gibt es vieles zu bewundern. Es erzählt in neun Stationen mit 250 Schauspielern, Sängern, Instrumentalisten und Technikern die einzigartige Geschichte von Gold und Silber, die die Menschen am Zusammenfluss von Enz, Nagold und Würm seit einem Vierteljahrhundert prägt – und begeistert die vielen Tausend Leute, die mitlaufen durch die Stadt.

Bürgermeisterin Sibylle Schüssler eröffnet das Theaterspektakel | Foto: Wacker
Waisenkinder betteln um Almosen von der Obrigkeit | Foto: Roth
Der Chor der Waisenhauskinder (ChorAkademie) am Beginn der Aufführung | Foto: Roth
Massen begleiten die Schmuckschatulle zur Gernikabrücke | Foto: Wacker
Die Trommler von Stahl Fatal sorgen für industriellen Sound. | Foto: Wacker
„Rassler“ kommen über die Gernikabrücke. | Foto: Wacker

Verlumpte Waisenkinder betteln

Der Ort, an dem einst alles beginnt, liegt hinter dem Theater. Eine riesige Schmuckschatulle steht dort. Verlumpte Waisenkinder betteln bei den Zuschauern, die dicht gedrängt das Geschehen verfolgen. Es herrscht „Hunger“. Aber dann, am 6. April 1767 wird alles anders. Badens Markgraf befindet, Arbeit ist besser als Almosen: Das Feuer beginnt zu brennen, in dem Pforzheims Geschichte fortan geschmiedet wird. Es lodert so hell wie die Fackeln der armen Leute vom Land, die über die Gernika-Brücke „rasseln“. Waren es am Beginn die Kinder der ChorAkademie, so sorgen jetzt Trommler von Stahl Fatal für den Klang der Zeit. Es geht um harte und monotone Arbeit.

Bruder Martin und seine Trommler tragen zum Geschehen bei. | Foto: Fix
Eine Kette aus Gold wird durch Pforzheim getragen. | Foto: Roth
Die Kulturen vermischen sich in der erfolgreichen Goldstadt | Foto: Fix
Ein Feuerwerk auf die neuen Paare, die gerade die Schlosskirche verlassen haben. | Foto: Enos
Der goldene Verkaufsbär steppt beim Bezirksamt bevor die Nacht des Nationalsozialismus beginnt. | Foto: Roth

Es steppt der Verkaufsbär

Das Produkt ist glanzvoll und vor allem begehrt. Afrika trommelt ebenso für die riesige Goldkette, die durch die Stadt getragen wird, wie andere Kulturen danach greifen. Das lässt sich auch menschlich nicht trennen, zeigt sich auf den Stufen der Schlosskirche. Ein großes romantisches Miteinander aus Kieselbronner Blasmusik, Samba-Klängen und manchem anderen Ton hebt an, während Paare durch ein Fackelspalier ziehen: Hochzeit – auch für Geschmeide aus Pforzheim. Im Hotel Ruf beim Bahnhof werden Geschäfte gemacht, vor dem Bezirksamtsturm steppt der Verkaufsbär – in Gold versteht sich – während von oben Uniformen des Faschismus in die Stadt drängen. Leben erlischt. Todesnacht, wie der Motettenchor singt. Morgenlicht folgt und eiserner Wille, die Geschäfte wieder flott zu machen. Es funktioniert, aber nicht ohne Brüche. Auch deshalb ist das Zeichen ganz zum Schluss so wichtig, mit dem die Goldstadt in die Zukunft schaut.