Torsten Kröger hat mehr Ideen als Zeit ... | Foto: PR

Digitaler Kopf Torsten Kröger

Künstliche Intelligenz: Alles nur Hype?

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1985 sorgte der Terminator für volle Kinosäle. Roboter als Hauptdarsteller gibt es auch in anderen Hollywood-Exportschlagern. Star Wars zum Beispiel. In den Filmen sind die Maschinen den Menschen nicht immer wohlgesonnen.

Roboter und Menschen eine friedliche Ko-Existenz?

Damit das in der wirklichen Zukunft anders ausgeht, setzt sich Torsten Kröger – als Institutsleiter am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) für intelligente Prozessautomation und Robotik verantwortlich – neben den klassischen Lehraufgaben als Professor dafür ein, dass Roboter nicht böse werden.

„Wir wollen erreichen, dass Roboter und Maschinen dem Menschen per Definition nichts tun. Um auch dort das Vertrauen in die Systeme zu erhöhen“, erklärt Kröger. Warum das nötig sei? In Zukunft gäbe es immer mehr Technologien, bei denen Mensch und Roboter Hand in Hand miteinander arbeiten würden, daher sei das Thema Sicherheit enorm wichtig.

Von Hollywood zur künstlichen Intelligenz

Von der Gefahr aus Hollywood sei die Forschung noch weit weg. Dennoch räumt der 41-Jährige mit dem vermittelten Mensch-Maschinen-Bild auf: „Was man in Film und Fernsehen sieht, hat oft nichts mit der Realität zu tun. Aber es ist die aktuelle Vorstellung in der Bevölkerung, was Robotik ist und bald können wird.“ Kröger beschäftigt sich intensiv mit dem maschinellen Lernen, bei dem, statt auf das Programmieren durch den Menschen, auf Algorithmen gesetzt wird, die Daten haben und davon lernen. All das sei ein Teil des aktuellen Trendthemas künstliche Intelligenz. Doch während in den Bereichen Bilder und Sprache – Stichwort Alexa – enorme Sprünge zu sehen seien, stecke die Robotik beim maschinellen Lernen quasi noch in den Kinderschuhen. Schuld sei der Mangel an Daten, da es keine Internetseiten mit Motorströmen, Motorgeschwindigkeiten oder Gelenkbeschleunigung von mechanischen Systemen gebe. Doch die Daten braucht der Roboter, um greifen wie ein kleines Kind zu lernen.

Am Institut von Torsten Kröger stehen auch seine Werke im gläsernen Bücherkasten. | Foto: Starck

Zur Veranschaulichung des Themas spricht Kröger gerne auf seinen Vorträgen, die er regelmäßig im In- und Ausland hält, über das Schachspiel. Schon 1997 habe der Schachcomputer den Schachweltmeister besiegt, das sei jetzt über 20 Jahre her, es gebe aber immer noch keinen Roboter, der physisch mit Menschen Schach spielen könnte. Programmierbar sei das schon, mit der Technologie von heute könnte man in drei bis fünf Monaten einen Roboter bauen, der mit einem bestimmten Schachspiel spielen könnte. Doch würden die angelernten Holzfiguren getauscht, in Exemplare anderer Größen oder gar aus anderem Material – etwa Glas statt Holz –, würde der Roboter scheitern. Warum er das gerne erzählt? „Es ist wichtig diesen Hype um künstliche Intelligenz, den wir gerade erleben, auch ein bisschen zu enthypen, und gerade in meinem Bereich, der Robotik, zu vielleicht ein bisschen mehr Realismus zu raten“, erläutert Kröger seine Motivation.

Vom Start-up zu Google

Dabei ist der ehemalige Stanford-Dozent jemand, der gerne und optimistisch in die Zukunft blickt. In Schleswig-Holstein geboren, entscheidet er sich für ein Studium in Braunschweig und steigt nicht im landwirtschaftlichen Betrieb der Eltern ein. Als Doktorand gründet er aus seinem Promotionsthema heraus seine erste eigene Firma „Reflexxes“, mit deren Unterstützung es möglich ist, Bewegungen für Roboter extrem schnell zu berechnen. Die Logik sei ähnlich der Reaktion von Menschen, die sich die Finger verbrennen und die Hand zurückziehen, noch ehe das Gehirn die Verbrennung realisiert.

Schnell findet die Software vielfältigen Einsatz, unter anderem beim Robonauten der Nasa, in Weltraum-Teleskopen und bei deutschen Werkzeugherstellern. Auch Google wird auf die Firma aufmerksam, kauft sie schließlich 2014 und überzeugt Kröger, der sowieso schon ein paar Jahre in Kalifornien lebt, als Leiter Roboter-Software einzusteigen. Nach drei Jahren ist damit Schluss.

Im April 2017 fängt er als Robotik-Experte am KIT an und stillt damit seinen Wunsch, eines Tages nach Deutschland zurückzukehren. Der Weg von der Wirtschaft in die Lehre klingt dabei nach einem ungewöhnlichen Schritt. Doch Kröger glaubt an den positiven Beitrag, den er dadurch für die Gesellschaft leisten kann: „Es ist für mich wichtig zu wissen, dass ich Menschen habe helfen können: sei es jungen Leuten bei der Ausbildung, sei es Doktoranden bei der wissenschaftlichen Arbeit, sei es die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen durch unsere Forschungsergebnisse.“ So habe er für Innovationen besonders die Altenpflege im Kopf, bei der es sehr wertvoll wäre, Robotersysteme zu kreieren, die zumindest kleine Aufgaben übernehmen würden.

Von Kalifornien nach Baden

Und warum Karlsruhe? Neben dem guten Ruf des KIT habe Kröger vor allem die Region überzeugt: „Im Bereich Software, Robotik, künstliche Intelligenz haben wir hier weltweit eine der höchsten Dichten an Start-up-Unternehmen, und viele innovative Ansätze werden hier verfolgt.“ Wer aus dem Silicon Valley komme, bemerke noch einen anderen wichtigen Unterschied: Im Tech-Zentrum in Kalifornien sei eine Wahnsinnshektik und eine hohe Lebensgeschwindigkeit an der Tagesordnung. „In Baden ist das Leben sehr viel ausgeglichener, es gibt andere Werte, wofür die Menschen leben. Sei es Familie, Kultur, Musik, Natur oder Sport. Und die Leute sind viel entspannter“, erläutert Kröger, was er im vergangenen Jahr in seiner neuen Heimat erlebt habe.

Torsten Kröger will ab 2019 Tausende Studenten online Industrieroboter programmieren lassen, mit dem Ziel besonders innovative Lösungen zu finden. | Foto: PR

Entspannung und für sich zu sorgen, sei auch ein kleiner, aber wichtiger Bestandteil seines Lebens. Zumindest eine halbe Stunde Sport sowie zehn Minuten Meditation stünden jeden Tag auf dem Plan. Beides sei für das seelische Gleichgewicht gesund.

Auch im Büro gebe es solche Ruhemomente: „Ich mache mir meinen Kaffee immer selbst, um auch den Geruch der frisch gemahlenen Bohnen mitzubekommen. Das hat etwas von Entspannung“, erläutert der Professor, dessen Kaffeemaschine USB-Schnittstelle zur Programmierung hat.