Natia scheidet aus

Kein Glück für Bruchsals Glückskind

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Wer die Youtuber für sich einnehmen kann, der kommt offenbar auch bei Jury und Publikum des ESC-Vorentscheids „Ein Lied für Lissabon“. Aus Buxtehude kommt Michael Schulte, der Deutschland mit seinem Lied „You let me walk alone“ vertreten. Für Natia Todua hat es nicht gereicht. Zu stark war der Auftritt des norddeutschen Wuschelkopfs, der im Internet schon jetzt ein kleiner Star ist.

„Sie haben mir gesagt, Mädchen, das schaffst Du nie“. So beginnt das Lied von Natia Todua. Und zumindest dieses Mal hat sie es tatsächlich nicht geschafft. Natia, das badische Mädchen aus Georgien darf nicht nach Lissabon, wo sie beim großen Eurovision Song Contest doch so gern die Farben ihres Gastlandes vertreten hätte.

Eine großartige Stimme, gefangen in einem viel zu braven Lied, so könnte man wohl zusammenfassen, warum es für das Gesangstalent nicht gereicht hat. Trotz einer im Vergleich zur Studioaufnahme deutlich fulminanter vorgetragenen Live-Version gelang es dem zur Sängerin gereiften Au-Pair-Mädchen aus Bruchsal nicht, die starke Konkurrenz hinter sich zu lassen und Publikum samt Jury für sich einzunehmen.

Elegant, wie es zu einem Wettbewerb gehört, den schon Stars wie Udo Jürgens und Katja Ebstein geprägt haben, tritt Natia in Crèpe-Bluse und cremefarbener Schlaghose auf die Bretter, die ihr die Welt bedeuten. „My own way“, ihre Geschichte ist stärker noch als dieses Lied.

In der Region hat der Europäische Gesangswettbewerb eine Tradition, an deren Beginn sich die wenigsten noch erinnern können. Mitte der Siebziger Jahre kam die Ulknudel Maggie Mae aus Karlsruhe über den deutschen Vorentscheid nicht hinaus. Anders als ihr Tophit „My Boy Lollipop“ konnten ihre Lieder beim ESC nicht zünden.

Deutlich besser lief es für Lou aus Waghäusel. Sie schaffte es 2003 mit dem Titel „Let’s get happy“ nach Riga und dort immerhin auf den 11. Platz.

Sie haben mitgefiebert und mitgezittert: Natias Gasteltern, Natia Mcheidze und Rainer Schmitt, waren selbstverständlich mit dabei, als ihre Ziehtochter auf der Berliner Bühne stand, um sich die Erfüllung ihres großen Traums zu ersingen. „Entdeckt“ hatten die Bruchsaler ihre spätere Gasttochter in Tiflis, wo Rainer Schmitt einst als Arzt die Opfer des Krieges versorgte wo er auch seine Frau Natia Mcheidze kennen lernte.

„17 Jahre nach dem Krieg waren wir zu Besuch und hörten in einer Kneipe Natias Stimme zum ersten Mal“, erzählt der Gastvater. Sie ermöglichten der jungen Frau, die interessanterweise denselben Vornamen trägt wie ihre Gastmutter, die Umsiedlung nach Bruchsal.

Für den Sieg in Berlin und die Fahrt nach Lissabon hat es nicht gereicht. Aber Natia hatte es längst vor ihrem Auftritt bei der ESC-Qualifikation geschafft. Ihr Aufenthaltsstatus in Deutschland lautet inzwischen auf „freischaffende Künstlerin“. Damit darf sie in ihrer Wahlheimat bleiben. Zumindest, solange sie singt. Und nichts anderes will sie tun.