Auf den Spuren der Dichter: Sigrid Münch, Leiterin der Stadtbibliothek Baden-Baden, ist auch verantwortlich für das Literaturmuseum im Gartenhaus. Das Museum ist Teil eines Sonderforschungsprojekts an der Universität Freiburg. | Foto: Rudolphi

Literaturmuseum Baden-Baden

Die Muße erhält ihr eigenes „Mußeum“

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Im Literaturmuseum der Stadtbibliothek Baden-Baden geht es vergleichsweise betulich zu. Die Ausstellungsräume im Dachgeschoss des Gartenhauses an der Luisenstraße strahlen das Flair der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts aus.

Mehrere Räume sind Schriftstellern gewidmet

Im Zimmer zu Werner Bergengruen stehen der wuchtige Schreibtisch und einige Möbelstücke aus dem Nachlass des Schriftstellers. Nebenan ist ein Zimmer Reinhold Schneider gewidmet. Prunkstück dort: ein weiß-blauer hoher Kachelofen, an dem der Autor gerne stehend gearbeitet hat. Zudem sind Georg Groddeck und Franz Büchler im Literaturmuseum vertreten.

Das Literaturmuseum ist Teil eines Uni-Forschungsprojekts

Mit der Beschaulichkeit könnte es möglicherweise bald vorbei sein. Denn die Stadtbibliothek, speziell das Literaturmuseum, ist Teil eines großen Sonderforschungsprojekts an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Professoren und Studenten aus sechs Fakultäten befassen sich dort mit dem Thema „Muße. Grenzen. Raumzeitlichkeit, Praktiken“, das die Deutsche Forschungsgemeinschaft zunächst bis 2020 fördert.

Die Stadtbibliothek kooperiert mit Wissenschaftlern

„Die Idee zur Kooperation entstand bei der Arbeitsgemeinschaft Literarischer Gesellschaften und Gedenkstätten in Marbach“, berichtet Sigrid Münch, Leiterin der Stadtbibliothek, im BNN-Gespräch. „Von dort kam auch der Kontakt zur Uni Freiburg zustande.“

Die Forscher arbeiten zum Thema Muße

In dieser Zusammenarbeit ist der Gedanke entstanden, die Kur- und Bäderstadt im Zuge eines sogenannten Transferprojekts einzubinden. Unter dem Titel „Mußeum – Museum der Muße und Literatur Baden-Baden“ geht es darum, die Erkenntnisse und Diskussionen des Sonderforschungsprojekts in praktisch nachvollziehbarer Form einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln. Münch zufolge ist es eine Aufgabe, Muße und Literatur aus vergangenen Epochen in vielen Facetten in die Gegenwart zu bringen. Ziel ist es, das Literaturmuseum bis 2020 zu einem Museum der Muße und Literatur umzugestalten.

Das Pilotprojekt rückt Ivan Turgenjew in den Fokus

Das Ganze startet mit einem Pilotprojekt zu Ivan Turgenjew. „Er bot sich an, weil im nächsten Jahr das Jubiläum zu dessen 200. Geburtstag ansteht“, erläutert Münch. Der russische Schriftsteller verbrachte fast die Hälfte seines Lebens in Westeuropa, davon sieben Jahre in Baden-Baden.

Eine Ausstellung befasst sich mit dem russischen Autor

Ein thematischer Schwerpunkt ist die Aktualität Turgenjews und dessen Bedeutung als Kulturvermittler zwischen Russland und Westeuropa. Zunächst wird es eine Ausstellung im Stadtmuseum geben. Parallel dazu sollen die ersten Umgestaltungsarbeiten im Literaturmuseum laufen. Anschließend wandern die Ausstellungsstücke dann in das Museum der Muße.

Im Fokus: Das neue „Mußeum“ widmet sich zunächst Ivan Turgenjew, dessen Büste in der Lichtentaler Allee steht. | Foto: Deck

Das „Mußeum“ soll ein Ort der interkulturellen Begegnung werden

Die Konzeption des neuen Museums übernehmen die Wissenschaftler aus Freiburg. Regelmäßig trifft sich eine Gruppe im Literaturmuseum, um den Austausch zu pflegen und Anregungen für ihre Arbeit zu erhalten.
Das von ihnen zu entwerfende „Mußeum“ soll veranschaulichen, wie Schriftsteller und andere Kultur Schaffende des 19. und 20. Jahrhunderts die Atmosphäre Baden-Badens und die zwanglose interkulturelle Begegnung als Muße erlebt und künstlerisch gestaltet haben.

Die Initiatoren wollen weitere Orte in Baden-Baden einbeziehen

Neben Turgenjew geht es um Autoren wie Fedor Dostojewski, Nikolaj Gogol, Mark Twain, Henry James oder Alfred Döblin und Otto Flake. Wie das „Mußeum“ einmal aussehen wird, steht noch nicht fest. Münch zufolge ist vorstellbar, den Museumsraum auch in die Welt der Bücher der Stadtbibliothek auszudehnen. In einem weiteren Schritt ist geplant, es in die Stadt und ihre Umgebung etwa in Form kultureller Spaziergänge zu den Aufenthaltsorten der Autoren und den Schauplätzen literarischer Werke zu erweitern. „Das ist eine spannende Aufgabe und ein Glücksfall für uns“, bekräftigt Sigrid Münch.

Weitere Infos zum Literaturmuseum gibt es unter:  www.baden-baden.de 

 

Zum Literaturmuseum: Das von ihnen zu entwerfende „Mußeum“ soll veranschaulichen, wie Schriftsteller und andere Kultur Schaffende des 19. und 20. Jahrhunderts die Atmosphäre Baden-Badens und die zwanglose interkulturelle Begegnung als Muße erlebt und künstlerisch gestaltet haben. Neben Turgenjew geht es um Autoren wie Fedor Dostojewski, Nikolaj Gogol, Mark Twain, Henry James oder Alfred Döblin und Otto Flake. Wie das „Mußeum“ einmal aussehen wird, steht noch nicht fest. Münch zufolge ist vorstellbar, den Museumsraum auch in die Welt der Bücher der Stadtbibliothek auszudehnen. In einem weiteren Schritt ist geplant, es in die Stadt und ihre Umgebung etwa in Form kultureller Spaziergänge zu den Aufenthaltsorten der Autoren und den Schauplätzen literarischer Werke zu erweitern. „Das ist eine spannende Aufgabe und ein Glücksfall für uns“, bekräftigt Sigrid Münch.