In der WM-Kolumne "Privet Rossija!" (Hallo Russland!) stellt der gebürtige Russe Alexei Makartsev sein früheres Heimatland, dessen Kultur, Bräuche und Menschen aus verschiedenen Blickwinkeln vor – mal ernst, mal augenzwinkernd.
In der WM-Kolumne "Privet Rossija!" (Hallo Russland!) stellt der gebürtige Russe Alexei Makartsev sein früheres Heimatland, dessen Kultur, Bräuche und Menschen aus verschiedenen Blickwinkeln vor – mal ernst, mal augenzwinkernd. | Foto: Bodamer/Zemlianichenko/dpa/Montage: BNN

Privet Rossija!

Unterirdisch: Rock ’n’ Roll im Sarg

„Wenn schon sterben, dann mit Musik“, sagen die Russen, wenn sie sich mal für einen riskanten Schritt entscheiden. Und manche nehmen es wörtlich. Einmal sah ich in Moskau Werbung für den „unvergleichlichen Musikgenuss in höchster Qualität“ – und zwar im eigenen Grab.

Das Sargmodell mit einer HiFi-Anlage, die den Verstorbenen mit Romanzen und Rock ‘n’ Roll unterhalten konnte, war für ein paar Tausend Euro zu haben.

Als Elvis im Sarg

Sie kommen neuerdings auf makabre Ideen. Manche russischen Männer bitten ihre Angehörigen, sich nach dem Ableben wie Elvis oder James Bond schminken zu lassen. Und manche Frauen stehen auf morbiden Marilyn-Look. Eigentlich sind jedoch russische Todesrituale sehr streng.

Strenge Rituale

Sie gründen auf alten Kirchenvorschriften, die Jahrzehnte des kommunistischen Atheismus überdauert haben. Nach dem orthodoxen Glauben wird der Leichnam nach drei Tagen der Erde übergeben. Die Verwandten versammeln sich zum Totenmahl, bei dem ein Reisbrei mit Rosinen gereicht wird. Die Russen glauben, dass die Seele am neunten Tag nach dem Tod den Leichnam verlässt, um am 40. Tag zum Himmel zu fliegen.

Mobiltelefone unter der Erde

Auf den Friedhöfen sitzen die Hinterbliebenen dann auf kleinen Holzbänken und bereiten ein schlichtes Mahl zu: Tomaten, Eier, Brot. Und Wodka. Trinksprüche sind erlaubt, mit vollen Gläsern anstoßen dagegen nicht. Es war mal „in“ bei den Neureichen in den 90ern, ihren erschossenen Mafia-Freunden eingeschaltete Mobiltelefone in den Sarg zu legen. So konnten sie die Toten jederzeit anrufen, um ihnen den aktuellen Stand deren Aktiendepots mitzuteilen.