Eine neue Halle entsteht: Die Firma Claus Reformwaren investiert am Standort Baden-Baden-Sandweier mehr als sechs Millionen Euro, um die Lagerkapazität um 3 000 auf 11 500 Quadratmeter zu erhöhen. | Foto: Rudolphi

Firmenstandort Baden-Baden

Unternehmen Claus Reformwaren expandiert

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Die Firma Claus Reformwaren setzt weiter auf Expansion und erweitert ihr Lager im Baden-Badener Stadtteil Sandweier. Seit einigen Wochen laufen auf dem Betriebsgelände die Bauarbeiten, um die Lagerkapazitäten von jetzt rund 8 500 auf 11500 Quadratmeter zu erhöhen. Mittlerweile sind die Fundamente für den Erweiterungsbau zu erkennen, der die bisher bestehenden drei Lagerhallen miteinander verbinden soll.

Der Betrieb investiert mehr als sechs Millionen Euro

Die Arbeiten erfolgen  in zwei Bauabschnitten, im Frühjahr 2018 soll alles fertig sein. Das Unternehmen investiert nach eigenen Angaben mehr als sechs Millionen Euro in seinen Stammsitz, hinzu kommen weitere Investitionen in Technik und EDV.
„Statt der drei einzelnen Hallen haben wir künftig einen einzigen großen Komplex“, erläutert Geschäftsführerin Ulrike Claus im BNN-Gespräch.

Die Firma vertreibt rund 20000 Produkte

Das Unternehmen möchte mit dem Neubau nicht nur seine Lagerkapazität für die rund 20 000 verschiedenen Produkte vergrößern. Ulrike Claus erwartet auch eine bessere innerbetriebliche Logistik. Bislang war es nicht möglich, den internen Warenfluss zwischen dem südlichen und nördlichen Betriebsgebäude durch die inzwischen abgerissene Halle zu führen.

Der Neubau vereinfacht die Logistik

Zudem entfällt mit dem Neubau der Ringverkehr mit Waren auf dem Betriebsgelände, was dazu beiträgt, den Lärm zu reduzieren. Ein weiterer Vorteil der Investition: Mit acht neuen Rampen lassen sich Anlieferung und Versand entkoppeln.
Ulrike Claus macht keinen Hehl daraus, dass es nicht ganz einfach gewesen sei, die Baugenehmigung zu erhalten. Die Stadt habe eine Reihe von Auflagen gemacht, die das Vorhaben erheblich verzögert hätten.

Ein Rechtsstreit belastet das Verhältnis zur Stadt

Ein Grund dafür ist der Brand einer Lagerhalle im Jahr 2009, bei dem die Feuerwehr PFC-haltigen Löschschaum eingesetzt hat, der Erdreich und Grundwasser belastet hat. Seit Jahren streiten die Firma Claus und die Stadt vor Gericht darüber, wer die Folgekosten für diesen Löschschaum-Einsatz tragen soll. Die Gerichte haben bereits in drei Instanzen entschieden, dass das Unternehmen Anspruch auf Schadensersatz habe. Dennoch möchte das Rathaus vor den Bundesgerichtshof (BGH) gehen.

PFC-belastetes Erdmaterial lagert auf dem Firmengelände

Ulrike Claus zufolge wird der BGH Ende Mai entscheiden, ob er das Verfahren zulässt.
„Diese juristische Auseinandersetzung hat uns bis jetzt rund 200 000 Euro gekostet“, betont die Geschäftsführerin. Unabhängig von diesem Rechtsstreit ist nach wie vor ungeklärt, was mit der kontaminierten Erde passiert, die mit Plastikfolien abgedeckt auf dem Firmen-Areal gelagert ist. Ein Teil dieses PFC-belasteten Materials kam auf eine Deponie bei Stuttgart.

Kontaminiert: Auf dem Betriebsgelände lagern riesige, mit Plastikfolien abgedeckte Haufen mit PFC-belastetem Erdmaterial. | Foto: Rudolphi

Der Betrieb hat zwei weitere Standorte

Der juristische Streit belastet das Verhältnis zwischen Unternehmen und Rathaus. Firmengründer Heinz Claus liebäugelte deshalb zwischenzeitlich damit, den Sitz in Sandweier aufzugeben und zu verlagern. Der Betrieb hat noch weitere Standorte in Fürstenfeldbruck und Dortmund. Er freut sich umso mehr, dass es trotz der Reibereien nun mit der Erweiterung am Stammsitz klappt. „Ich bin doch von ganzem Herzen Baden-Badener“, betont Heinz Claus immer wieder.

Der Bio-Markt ist hart umkämpft

„Wir brauchen den zusätzlichen Platz dringend“, bekräftigt Tochter Ulrike Claus. Der Markt mit Bio-Produkten sei inzwischen hart umkämpft. Die Firma, die etwa 5 000 Reformhaus- und Naturkostkunden in Deutschland, Frankreich, Österreich und der Schweiz beliefert, müsse deshalb nicht nur die Palette an Basis-Produkten bereithalten, sondern in der Lage sein, schnell auf neue Trends bei den Ernährungsgewohnheiten zu reagieren. „Unsere Zukunft wird die Vielfalt sein. Dafür haben wir einen enormen Platzbedarf“, sagt Ulrike Claus.

Unternehmen kooperiert mit Bergbauern in der Schweiz

Künftiges Potenzial für ihr Unternehmen sieht sie auch als Service-Partner für Web-Shops sowie im verstärkten Handel mit lokalen und regionalen Produkten. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung sei die Kooperation mit einer regionalen Vermarktungs- und Dienstleistungsplattform, die Produkte von rund 120 Bergbauern in der Zentralschweiz bezieht.

Weitere Informationen gibt es unter  www.claus-gmbh.de.

Firmendaten: Familiengeführtes Unternehmen seit 1964
Standorte in Sandweier, Fürstenfeldbruck (seit 2009) und Dortmund (seit 2012)
Tochterfirmen Pur Aliment (Frankreich), PHAG (Schweiz) und Pural (Deutschland)
rund 400 Mitarbeiter, davon 300 in Sandweier
Sortiment: etwa 20 000 Produkte (überwiegend in Bio-Qualität) im Reform-Großhandel mit den Schwerpunkten Lebensmittel, Nahrungsergänzung sowie Naturdrogerie und -kosmetik
etwa 5 000 Kunden vor allem in Deutschland, Frankreich, Österreich und der Schweiz
40 eigene Lastwagen
Jahresumsatz von etwa 175 Millionen Euro