Für den Traum seines Sohnes schließt der Schuhladen von Senad Latifovic in Pforzheim. | Foto: Sebastian Kapp

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Vater schließt Pforzheimer Schuhgeschäft für Fußball-Traum

Seit ein paar Tagen hängt in den Schaufenstern des Pforzheimer Geschäfts „Elena Shoes“ gegenüber vom Rathaus ein Zettel: Der Laden wird aufgelöst, weil die Familie nach Stuttgart zieht – dem Sohn hinterher, der Fußballprofi werden möchte. Ein ungewöhnlicher Schritt, doch für Ladeninhaber und Ex-A-Jugendmeister Senad Latifovic (ehemals VfB Stuttgart) nur konsequent – schließlich geht es um den Traum seines Sohnes Amin bei den Stuttgarter Kickers.

Sohn gibt den Ausschlag für Geschäftsschließung

„Ich möchte alles dafür geben, dass er das packt“, sagt der stolze Vater. „Die Eltern müssen voll dahinter sein, damit der Junge erfolgreich ist.“ Und das bedeute für den Magstädter (Kreis Böblingen), die Zelte in Pforzheim nach fünf Jahren abzubrechen und sie in Stuttgart oder Sindelfingen neu aufzuschlagen, um näher bei seinem Sohn und dessen Training zu sein. Andere Faktoren hätten bei der Entscheidung keine Rolle gespielt. „Der Grund ist mein Sohn. Sonst wären wir hier in Pforzheim geblieben.“

Gegen Bayern München in der Bundesliga

Der 15-jährige Amin Latifovic hat seine Ziele hochgesteckt. „Ich will Profi werden, das ist klar. Mein Traum ist es, eines Tages entweder bei Bayern München oder Real Madrid zu spielen“, erklärt der Filius. Ob der Sohn damit auch ein wenig den Traum des Vaters auslebt? „Vielleicht ein bisschen“, gibt Senad Latifovic zu: „Er spielt jetzt gegen Bayern München und Mainz 05.“ Doch das sei zu simpel: „Die Kinder wollen doch alle Fußball spielen. Wenn man sieht, was er für ein Strahlen im Gesicht hatte, als das Angebot kam, dann zweifelt man nicht mehr dran.“

B-Jugend ist entscheidende Phase

Dieses Angebot kam von den Stuttgarter Kickers, mit der ersten Mannschaft nur in der Regionalliga, in der B-Jugend aber Bundesligist. „Das ist das wichtigste Jahr, da macht man den größten Sprung“, weiß der Papa, der sich so viele Trainings und Spiele des Sohns wie möglich anschauen möchte. „Ich sehe ein paar Dinge, wenn er mal nicht alles gibt und sag’ ihm das dann. Wenn man nur Bezirksliga spielen möchte, kann man auch mal locker machen – aber das ist nicht sein Ziel.“

Amin Latifovic: Vom Ersatzspieler in die Bundesliga

Was Amin dazu sagt? „Es ist schon wichtig, dass mein Vater dabei ist, zumindest bei den Spielen. Das gibt dann noch einmal einen Ruck, zu beweisen, dass man es kann.“ Diesen Ruck hat er bereits in der zurückliegenden Saison beim SGV Freiberg in der Verbandsliga gespürt. Anfangs noch Ersatz, wurde der Linksaußen zum Stammspieler, traf sechsmal und bereitete zahlreiche Treffer vor. „Er hat einen guten linken Fuß, seine Stärke ist ganz klar das Tempo, er hat sehr viel Potenzial“, sagt Latifovics künftiger Trainer Mustafa Ünal, ebenfalls neu bei den Degerlochern.

Eltern wollen nichts dem Zufall überlassen

Angebote habe es noch von zwei anderen Clubs gegeben, wegen der Nähe habe sich die Familie dann aber für die Schwaben entschieden. „Bei den anderen Vereinen wäre er im Internat, das ist immer ein Risiko“, sagt Senad Latifovic. Und man wolle nichts dem Zufall überlassen. Den Trainingsauftakt bei den Kickers wird Amin Latifovic allerdings verpassen. Mit dem SGV Freiberg will er noch die Aufstiegsrunde spielen.