E-Scooter
Mühelos unterwegs ist der Stadtmensch auf einem Tretroller mit Elektroantrieb. Auf dem Splitt des Schlossvorplatzes empfiehlt es sich, nur sanft zu kurven, statt Haken zu schlagen. Irgendwo dreht immer jemand den Hals, um zu gucken: In Karlsruhe sind E-Scooter noch selten. | Foto: jodo

Testfahrt durch Karlsruhe

Mit dem E-Scooter kommt man weit – notfalls huckepack

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Elektro-Tretroller sind in Karlsruhe noch selten. Bei einer Probefahrt mit einem E-Scooter erntet der Stadtmensch neugierige Blicke und freundliche Reaktionen. Auch die Mitnahme in der Bahn klappt anstandslos und führt zu interessierten Nachfragen. Dennoch ist es gut zu wissen, wo Fallstricke lauern.

Kleine Sause auf Daumendruck

Ein Daumendruck auf den „Gashebel“ am Griff – und festhalten! Der Elektromotor unter dem Holzbrett des Tretrollers gibt ordentlich Schub. Bis Tempo 20 beschleunigt der E-Scooter. Sanfte Kurven gelingen im Splitt auf dem Schlossvorplatz besser als hektisches Hakenschlagen. Die Testpilotin wird beobachtet. Noch ist dieser sausende Untersatz ein seltener Anblick in Karlsruhe, anders als in Basel, Berlin, Paris, Brüssel, Kopenhagen, Madrid, Dubai, den USA und Asien.

E-Scooter ist ein Kleinstfahrzeug

Als Elektro-Kleinstfahrzeug gilt der E-Scooter „moover“ von Metz. Zur Probefahrt in der Karlsruher Innenstadt, Rintheim und der Oststadt gibt ihn Steffen Kloiber, Geschäftsführer des Anbieters Orange Bike Concept, aus der Hand. Das Modell ist Vorreiter: Es erhielt vom Kraftfahrtbundesamt schon vor der Elektro-Kleinstfahrzeuge-Verordnung die Allgemeine Betriebserlaubnis.

Gehwege sind tabu

Der sausende Untersatz darf wie ein Fahrrad auf Straßen und Radwegen gefahren werden. Gehwege sind tabu, Bahnhaltestellen auch. Dort heißt es komplett absteigen, also auch nicht rollern ohne Motor. Das Schieben ist mühelos, der Lenker höhenverstellbar, der 16-Kilo-Roller fügsam.

Freie Fahrt im kühlenden Wind

Auf schmalem Pfad am Stau vorbei, weder Parkplatzsuche noch Lärm, Abgase oder leerer Tank: Das besticht in der verkehrsgeplagten Fächerstadt. Im Hochsommer kühlt der Fahrtwind herrlich auch unterm Helm, schweißtreibendes Strampeln entfällt.

Motorkraft für die Brückenrampe

Die steile Fuß- und Radwegbrücke beim Rintheimer Feld über den Ostring fordert allein den Motor. Der hat aber genug Watt, um einen 100-Kilo-Mann hochzubefördern. Abwärts vom Display kurz das motorfreie Rolltempo (22+) abzulesen, erfordert Mut.

Wackliges Gefährt mit viel Schwung

Relativ wacklig ist das Gefährt auch für geübte Zweiradfahrer. Mit dem Handbremsen-Doppel kann man immerhin rasch stoppen. Das ist trotz vorsichtiger Fahrweise öfter nötig als gedacht. Ein Jack- Russell-Terrier flitzt mit um die Wette (und verliert), eine Radfahrerin verlangsamt irritiert, ein Radler lacht breit und hebt den Daumen. Bei Rechts-vor-Links im Tempo-30-Wohngebiet bremst ein Autofahrer abrupt bei der ungewohnten Begegnung. Das tut gut.

Huckepack mit der Bahn

Der Weg zu weit, ein Akku müde? Eine Huckepack-Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln hilft. Vor die Kleine Kirche rollt eine alte Stadtbahn mit Türstufen. Der Tretroller lässt sich fahrbereit einladen.

Bahnhalt
Einsteigen bitte: Dieser Elektro-Tretroller darf mit in die Bahn. An der Haltestelle muss man schieben. Auch Rollern ist dort tabu. | Foto: jodo

Innen lässt sich ein Ehepaar den Klappmechanismus zeigen, ein älterer Herr fragt: „Was kostet sowas?“

Klappbar
Klappt doch: Der Lenker des E-Scooters lässt sich zu Transportzwecken flachlegen und mit einem Handgriff in der Länge verstellen. | Foto: jodo

Bei der Polizei rechnet man mit Problemen, sobald die E-Tretroller häufiger werden. „Relevante Vorkommnisse“ gebe es aber bisher nicht. „Die große Elektroroller-Welle ist noch nicht über Karlsruhe hinweggebrochen“, erklärt auch ein Sprecher des Karlsruher Verkehrsverbunds (KVV).

E-Scooter: Wo lauern Fallstricke?

Das Verletzungsrisiko ist nicht zu leugnen. Es ist umso größer, je kleiner die Reifen des E-Scooters sind. Ein Fahrradhelm mindert Sturzfolgen, ist aber nach dem Absteigen etwas sperriges Gepäck. Die Elektro-Kleinstfahrzeuge-Verordnung gibt in Deutschland inzwischen Rechtssicherheit. Sie verlangt aber eine Haftpflichtversicherung für den E-Scooter.

E-Scooter als Wegwerf-Artikel

Je nach Qualität gibt es enorme Unterschiede bei Anschaffungskosten. Experten raten derzeit von Modellen ab, die unter 700 Euro kosten. Billig-E-Scooter fallen bereits als Wegwerf-Artikel negativ auf. Kritisch sind Materialverschwendung und Umweltgefährdung, besonders wenn die Akkus in der Landschaft landen.

Verleih gibt es in Karlsruhe noch nicht

E-Scooter gibt es wohl bald vielerorts in Deutschland auch im Verleih. Was das für die Akzeptanz, die Fahrzeugdichte und den Verkehrsmix auf Karlsruher Straßen und Radwegen bedeutet, ist derzeit nicht absehbar.

Mitnahme von E-Scootern im KVV
Klapp- und faltbare Elektroroller unter 15 Kilo fahren im Verbund schon umsonst mit, auch in Bussen. Größere Modelle kann man in Stadt- und Straßenbahnen sowie Nahverkehrszügen der Deutschen Bahn werktags von 6 bis 9 Uhr mit Fahrradkarte mitnehmen. Die Regelung ist angelehnt an die Fahrradmitnahme.