Baugrube in der Kriegsstraße
RÖHRCHEN IN DER GRUBE: Die Mitte der Kriegsstraße westlich der noch stehenden Fußgängerbrücke „Lammstraße“ gehört den Baumaschinen. Wenn die matschige Suspension erstarrt, stabilisiert sie die Füllrohre. Durch sie kommt das Dichtgel in die Tiefe. | Foto: jodo

Karlsruher Autotunnel in Bau

Viele, viele Röhrchen für die Röhre

Es wird wieder vertikal für einen Kombi-Tunnel gebohrt. Es gibt zwar kein Comeback für „Giulia“, den riesigen U-Strab-Horizontalbohrer. Aber etwas, das die Karlsruher schon vor rund vier Jahren beim Bau der U-Strab-Haltestellen in der Kaiserstraße und auf dem Marktplatz erlebten, ist erneut beim Autotunnelbau in der Kriegsstraße zu beobachten: In einer zuvor mit provisorischen Wänden gesicherten Grube steht in drei Meter Tiefe knöchelhoch der Schlamm.

Schmodder beim Nymphengarten

In diesem Schmodder beim Nymphengarten stecken Hunderte von Röhrchen in Bohrlöchern. Durch diese Einfüllrohre wird Weichgel als Dichtschicht unter der späteren Tunnelsohle in die Tiefe gespritzt.

Anders als „Giulia“

Sonst aber unterscheiden sich die beiden Karlsruher Kombi-Tunnelbauwerke: Bei der U-Strab wurde nach dem seitlichen Baugrubenverbau und dem Injizieren der Gelsohleneinlage gleich der Betondeckel der U-Station gegossen. Darunter bohrte sich dann „Giulia“ durch und baute automatisch gleich die Röhre aus Hunderten von Betonringen mit.

Deckelbauweise bei der U-Strab

Später erst wurde dann bei den U-Strab-Stationen unter dem Deckel die Erde ausgebaggert. Anschließend zog man nach und nach die Bodenplatte und die endgültigen Wände aus dickem Stahlbeton ein. Unter dem Europaplatz und im Nordkopf des Ettlinger Tors sind diese Arbeiten immer noch im Gange.

Dichtgel in der Tiefe

Mit der U-Strab-Bautechnik hat der Autotunnelbau in der Kriegsstraße außer der Gelsohleneinlage also nichts gemeinsam. Hier wächst der Tunnel in offener Grube: Ist das abdichtende Gel in der Tiefe, wird im Schutz der sichernden Spundwände, die dabei Lage für Lage verankert werden, die Grube komplett ausgehoben.

1,6 Kilometer lange Betonschachtel

Danach können die Bodenplatte, die eigentlichen Wände und abschließend der Deckel betoniert werden. Und fertig ist der erste Abschnitt der am Ende 1,6 Kilometer langen Betonschachtel. Durch den kompletten Autotunnel soll der Durchgangsverkehr laut Zeitplan des Kombi-Bauherrn Kasig in vier Jahren fließen – unter dem neuen Baum-Boulevard Kriegsstraße mit oberirdischer Doppelgleistrasse für die Straßenbahn in der Mitte.

Anker am Erhardboulevard

Im zweiten aktuellen Baufeld des Autotunnels, östlich des Mendelssohnplatzes am Erhardboulevard, werden nun ebenfalls schon die Schlitzwände mit Ankern stabilisiert. Auch zwischen diesen Tunnelbaustellen beim Nymphengarten und bei der Volksbank-Zentrale bekommen die Autofahrer die Vorbereitungen der nächsten Abschnitte mit Verengungen und Verschwenkungen zu spüren. „In den Baufeldern zwischen Fritz-Erler-Straße und Ettlinger Tor macht der Straßenbau Fortschritte“, erklärt der Kombi-Bauherr Kasig. Dort werde die Fahrbahn näher an die Häuserfronten gelegt, „um die Mitte der Kriegsstraße für den Einsatz der schweren Baumaschinen freizubekommen“.

Containerburg am Kreisel

Auch fern der Kriegsstraße macht sich der Autotunnelbau an zwei Stellen breit: Am „Karlsruher Kreisel“ steht die Containerburg für die Bauleitung und die Bauarbeiter. Dazu kommt eine Betonmischanlage südlich des Messplatzes. Die Kasig meint, dass die Nahversorgung mit dem Tunnelbaustoff gute Qualität verspreche. Auch entlaste diese Produktion vor Ort den Verkehr.

Luke dicht

Zudem verspricht die Kasig erneut den nahen Rückzug der U-Strab-Baustellen von der Bildfläche. „Oberirdisch schließt sich bis Ende November die Transportluke an der Straßenecke Lammstraße und Kaiserstraße“, sagt Kasig-Pressesprecher Achim Winkel. Überhaupt werde die Fußgängerzone zwischen Lammstraße und Karl-Friedrich-Straße noch in diesem Monat wieder komplett hergestellt.

Arbeiten am Rondellplatz

Gleiches wird für die Karl-Friedrich-Straße inklusive Rondellplatz in Aussicht gestellt. Dort hat indessen der Endspurt bei den Arbeiten an der Fahrbahn und dem Pflaster um die Verfassungssäule erst mal wieder die Barrikaden wachsen lassen. Für die Ettlinger Straße unterstreicht die Kasig ihren Willen: „Bis kurz vor Weihnachten sollen Straßen, Radwege und Gehwege zwischen der Baumeister- und der Augartenstraße fertig sein.“