Padel-Nationalspieler: Marvin Eckert aus Karlsruhe (links) und der in Karlsdorf-Neuthard wohnhafte Oliver Schwörer bilden seit diesem Jahr ein schlagkräftiges Duo. | Foto: TC Grötzingen/Paul Needham

Padel-Ass aus Karlsruhe

Vollgas im Glaskasten

Es war zur Abizeit, als Marvin Eckert seiner großen Liebe begegnete. Er hatte sich einen Computer gekauft und Mutter Eckert ein Keyboard. Es folgten erste Aufnahmen, die ersten eigenen Tapes. „Und dann blieb mein Herz an der Musik hängen.“ Für sie verzichtete das große Talent Eckert sogar auf eine Karriere als Tennisprofi. Doch seit vier Jahren hat die Musik harte Konkurrenz. Padel heißt Eckerts zweite Leidenschaft. 2011 auf Gran Canaria hatte es gefunkt. „Da hatte ich ein paar Anlagen gesehen und es ausprobiert. Das war so geil“, sagt Eckert über den Urlaubsflirt, der inzwischen viel mehr für ihn ist.

Mix aus Tennis und Squash

In Spanien ist Padel, das seine Ursprünge in den 60er Jahren in Mexiko hat, bereits seit Jahrzehnten weit verbereitet und zählt dort zu den größten Sportarten. In Deutschland steckt der Mix aus Tennis und Squash noch in den Anfängen. Rund 1 000 aktive Spieler gibt es. Der Trend zeigt jedoch klar nach oben, vor allem in der Region. Anlagen gibt es bereits beim Karlsruher ETV, Eckerts Club TC Grötzingen, der Spvgg Durlach-Aue, dem Skiclub Ettlingen und in Baden-Baden. In Grötzingen wurden bereits drei Ranglistenturniere ausgetragen.

Viel Kondition und „bierdeckelmäßig“ genaue Präzision

Gespielt wird Padel nur im Doppel. Das 20×10 Meter große Feld ist in der Mitte durch ein Netz getrennt und von Glaswänden umgeben, von denen der Ball zurückprallen kann – Zeit zum Durchschnaufen gibt es bei dem tempogeladenen Spiel kaum. „Du brauchst unglaublich viel Kondition. Die Präzision ist auch unglaublich wichtig, da musst du bierdeckelmäßig genau spielen“, erklärt Eckert, der noch scherzhaft anfügt: „Deine Knie und deine Hinternmuskeln danken es dir.“ Mit dem kurzen, kellenartigen Kunststoffschläger darf nur von unten aufgeschlagen werden. Gespielt wird mit einem normalen Tennisball, der Luftdruck ist jedoch geringer. Gezählt wird wie beim Tennis.
Kann Padel etwa der Musik den Rang ablaufen? Eckert: „Nein, der gehört das Herz. Aber Padel ist ein toller Ausgleich.“ Was Eckert am Trendsport so begeistert, ist die Einfachheit. „Es ist schnell zu lernen. In zehn Minuten bist du drin. Und es ist generationenübergreifend. Mein erstes Turnier habe ich mit meinem Vater gespielt.“ Tennis sei technisch deutlich anspruchsvoller.

Eckert weiß, wovon er redet. Mit drei Jahren hatte er erstmals einen Schläger in der Hand. Der kleine Eckert entpuppte sich als große Hoffnung und machte beim TC Rüppurr auf sich aufmerksam. Später ging er ins Leistungszentrum in Leimen und war in der Altersklasse U 18 die Nummer drei in Deutschland. Die heutigen Profis Philipp Kohlschreiber und Florian Mayer zählen zum gleichen Jahrgang. „Für alle war klar, dass ich es als Profi probieren werde, aber dann kam die Musik“, erzählt der 34-Jährige: „Sie hat mich mehr erfüllt als das Tennis.“ Eckert merkte, dass die harte Disziplin, die der Profisport fordert, nichts für ihn ist. Der eigene Körper sei „eine Maschine“, die stets gepflegt werden müsse. „Man muss so viel außerhalb des reinen Tennisspiels machen, das war auf Dauer nichts für mich. Ich habe nie gesagt: Geil, noch zwei Stunden Physio, geil, noch ein paar Medizinbälle schmeißen“, erzählt Eckert. Also studierte er an der Popakademie Mannheim und machte seinen Bachelor. Heute arbeitet er als Musikproduzent, Songschreiber und Sänger – mit einem eigenem Studio in Grünwinkel und einem eigenem Label.

Achter EM-Platz mit dem Nationalteam

Dem Padel räumt Eckert aber genug Zeit ein. Seit 2016 betreibt Eckert Padel als Leistungssport, zunächst mit dem Baden-Badener Tim Zeitvogel, seit diesem Jahr an der Seite von Oliver Schwörer aus Karlsdorf-Neuthard, mit dem Eckert bereits seit längerem im Grötzinger Tennisteam aufschlägt. „Die Abstimmung ist unglaublich wichtig. Olli ist sehr gut im Angriff, ich in der Verteidigung. Das passt“, findet Eckert. Das Duo hat sich in der Rangliste des Deutschen Padelverbands bereits auf die Plätze drei (Eckert) und vier (Schwörer) hochgearbeitet und ist auch Teil des deutschen Nationalteams.
Bei der Europameisterschaft im November hatten Eckert/Schwörer mit der Mannschaft den achten Platz belegt. „Das war vorher auch unser Ziel. Eine Punktlandung also. Leider haben wir in den Platzierungsspielen mehrmals knapp verloren und wurden so durchgereicht. Es war mehr drin“, sagt Eckert. Als Einzel-Team war im Achtelfinale Schluss.

Seine EM-Premiere bezeichnet der Karlsruher als „megacooles Ding“. In Estoril war in die Tennishalle ein kleines Stadion gebaut worden. Jeden Tag waren mehrere Hundert Zuschauer da, „beim Finale, glaube ich, 1 000“. Die Atmosphäre unterscheide sich vom gediegenen Tennissport. „Überall war Geschrei, der Umgang der Spieler untereinander ist sehr locker und familiär, auch mit den Top-Spielern aus Spanien“, berichtet Eckert, der mit Schwörer im kommenden Jahr auch an Weltranglistenturnieren teilnehmen will.
Auch in der Breite hoffen sie auf eine Zunahme an aktiven Spielern in Deutschland. „Die Sportart hat Riesenpotenzial“ glaubt der 34-Jährige, der sich wünscht, dass auch die Tennisprominenz auf den Padel-Zug aufspringt und den Sport noch mehr ins Blickfeld der Öffentlichkeit rückt.