Partielle Mondfinsternis
Immer wieder spektakulär: Bei einer Mondfinsternis wird der Erdtrabant in einen roten Schimmer getaucht. | Foto: Frank Rumpenhorst

Mondfinsternis am 27. Juli

Vorhang auf für ein himmlisches Spektakel

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Es ist ein Ereignis, das man nur einmal im Leben sehen kann. Ein Schauspiel im Weltall, das seit Wochen die Astronomen in helle Aufregung versetzt, Gerüchte über einen nahenden Weltuntergang anheizt und bei manchen romantisch veranlagten Naturen für ein Kribbeln im Bauch sorgt.

Wer schon immer mal mit seiner Liebsten in einer lauen Sommernacht Hand in Hand unter dem fahlen Licht eines „Blutmondes“ spazieren gehen wollte, kriegt an diesem Freitag dazu die beste Gelegenheit, den wolkenfreien Himmel vorausgesetzt. Am Abend des 27. Juli erwartet die Europäer die längste Mondfinsternis des 21. Jahrhunderts, bei der sich der natürliche Satellit der Erde kupferrot verfärben wird. Zeitgleich kommt der sehr helle, rot funkelnde Mars der Erde so nahe wie seit 2003 nicht mehr.

Ein „Himmelswunder“

Ein „Himmelswunder“ nennt das extrem seltene Zusammenspiel der Gestirne Thomas Reddmann – und der Vorsitzende der Astronomischen Vereinigung Karlsruhe (AVKa) will dafür sorgen, dass seine Sternenfreunde im Observatorium auf dem Max-Planck-Gymnasium im Stadtteil Rüppurr am Freitagabend die Teleskope bereithalten und ab 20 Uhr allen Interessierten mit Erklärungen zur Seite stehen. Reddmann, der am KIT das Klima erforscht, erinnert sich gerne an seine ersten Schritte als Sterngucker, die ebenfalls mit dem strahlenden Mars in der sogenannten „Opposition“ begannen. „Das erwartete Spektakel am Himmel beeindruckt mich heute umso mehr, wenn ich daran denke, in welchen Entfernungen es stattfindet, und welche Kräfte dort zusammenwirken“, freut sich der Wissenschaftler.

Um den roten Mond im irdischen Schatten zu genießen, empfiehlt Reddmann einen freien Horizontblick: „Zwar geht er um 21.09 Uhr bereits teilweise verfinstert im Südosten auf, wir werden aber noch Dämmerung haben, zudem steht der sommerliche Vollmond generell nicht so hoch. Darum ist die gute Sicht auf den Horizont wichtig“. Um 21.30 Uhr beginnt die sogenannte „Totalität“ mit der intensiven Verfärbung. Sie kommt zustande, weil die Erdatmosphäre das kurzwellige blaue Sonnenlicht absorbiert, während das langwellige rote Licht der Sonnenstrahlen gebrochen und zum Mond weiter gelenkt wird.

Dunkler Himmel wichtig

In der ersten Hälfte der Mondfinsternis sei es nicht so wichtig, ob man sich in freier Natur befindet oder in der Stadt mit ihrem hellen Licht. Dagegen wären Beobachter im Nordschwarzwald etwa eine halbe Stunde vor dem Ende der „totalen“ Phase um 23.14 Uhr im Vorteil, erklärt Reddmann weiter: „Die Dämmerung wird dann vorbei sein. Und um die intensive Mondfinsternis zusammen mit der Milchstraße zu sehen, braucht man einen möglichst dunklen Himmel“.

Mit dem Austritt aus dem Halbschatten der Erde um 1.30 Uhr wird der Mond schließlich die Sterne überstrahlen. Ganze 103 Minuten wird das Jahrhundert-Schauspiel des an seinem erdfernsten Bahnpunkt stehenden Mondes dauern. Erst am 9. Juni 2123 werden die Menschen eine drei Minuten längere Finsternis erleben können. Diese dann aber ohne eine extreme Annäherung des zweiten himmlischen Hauptdarstellers, der sich Ende Juli in seiner vollen Pracht präsentiert: des Mars.

Heller als der Jupiter

Etwa alle 17 Jahre rückt der Rote Planet auf seiner stark elliptischen Umlaufbahn in die extreme Erdnähe und wirkt dadurch auf uns besonders groß. Da er zurzeit der Sonne direkt gegenübersteht, leuchtet der Mars am dunklen Himmel noch heller als der Riese Jupiter. In diesen Tagen wird der astronomische Star der Julinächte von der Erde „nur“ knapp 58 Millionen Kilometer entfernt sein – das ist etwa ein Drittel der irdischen Distanz zur Sonne.

Am Freitag wird der Rote Planet ab 21.45 Uhr im Süden auch für Stadtbeobachter bestens sichtbar sein. Allerdings stehe der Mars etwas tiefer als der Mond, am höchsten Punkt gegen 1.40 Uhr werde sein Abstand zum Horizont lediglich 16 Grad betragen, erklärt AVKa-Vorsitzender Reddmann. Wenn das Wetter mitspiele, werde man auch mit kleinen Teleskopen Details auf seiner Oberfläche erkennen können, so der Karlsruher Astronom. Das nächste Mal wird man den Mars erst im Jahr 2035 so gut beobachten können.

Angst vor dem Weltuntergang

Der rote Mond sorgt bei manchen für großes Unbehagen, die in der kommenden Finsternis den Weltuntergang befürchten und sich dabei auf die bliblischen Zeilen berufen: „Die Sonne soll sich verkehren in Finsternis und der Mond in Blut, ehe denn der große und offenbare Tag des Herrn kommt“. Auch die Annäherungen des rot funkelnden Mars an die Erde haben in der Vergangenheit die Menschen oft in Furcht versetzt. Sie sahen darin ein unheilvolles Zeichen der Götter im Himmel, die in irdische Angelegenheiten eingriffen.

Besonders der Mars wurde als Verkörperung des Kriegsgottes angebetet und gefürchtet. Der rötliche Widerschein des Planeten, dessen astronomisches Symbol ein Schild und ein Speer darstellt, erinnerte die Menschen an Feuer und Blut. Seine beiden natürlichen Satelliten nannten sie Phobos und Deimos, was aus dem Griechischen übersetzt soviel heißt wie „Angst“ und „Schrecken“.

Thomas Reddmann sieht einen Grund für die unheimliche Wirkung des Mars in der eigentümlichen Orbitaldynamik des Planeten. „Er scheint sich manchmal schneller zu bewegen als sonst. Mal ist der Mars kaum zu sehen, dann ist er wieder sehr auffällig – das hat die Menschen geängstigt, die nicht verstanden haben, warum die Helligkeit variiert.“ Reddmann hat Verständnis für diese Gefühle – und einen Tipp für alle, die sich bei kosmischen Großereignissen unwohl fühlen: „Die Menschen sollten sich diese Himmelsphänomene mit eigenen Augen anschauen. Dann gehen ihre Ängste weg.“

Foto-Tipps:

Nach jedem astronomischen Großereignis findet man mittlerweile schnell atemberaubende Fotos im Netz. Auch ein Hobby-Beobachter kann mit ein wenig Glück und Geschick das seltene Himmelsereignis am 27. Juli in einem Bild festhalten.

Der Mars ist ein sogenanntes „Teleskopobjekt“. Das bedeutet: Wenn man etwas auf der Oberfläche des roten Planeten aufnehmen will, braucht man ein Teleskop, am besten mit einer Öffnung ab 100 mm, und dazu noch eine Spezialkamera.

Deutlich einfacher ist es mit dem Mond. Der Karlsruher Astronom Thomas Reddmann empfiehlt, in der Bedienungsanleitung der Kamera nachzuschauen, wie man damit manuell arbeiten kann. „Probieren Sie dann ruhig verschiedene Scharfeinstellungen aus, auch manuell“, sagt er. Es kann auch hilfreich sein, den Weißabgleich manuell einzustellen. Den Blitz sollte man abschalten. Manche Kameras und Handys böten zudem die Möglichkeit, Bilder kurz zu belichten und aufeinander zu addieren, so Reddmann, der unbedingt zur Verwendung eines Stativs rät.