Vorfreude auf Theatertreffen: Oberbürgermeisterin Margret Mergen, Intendantin Nicola May, Bühnenverein-Landesverbandsvorsitzender Ulrich von Kirchbach, Festivalleiterin Annelie Mattheis und Verwaltungsdirektor David Adler (von rechts) stehen gemäß des Festivalmottos „#draußen“ vor dem Theater Baden-Baden. | Foto: Jüttner

Vorschau auf Theatertage 2019

„Baden-Baden wird zur großen Bühne“

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Beim Stichwort „draußen“ denkt man, nach Monaten des Dauersommers, derzeit wohl vor allem an Annehmlichkeiten unter freiem Himmel. Geht es um Theater, dann könnte einem aber auch das Stück „Draußen vor der Tür“ einfallen – jenes wegweisende Kriegsheimkehrer-Drama von Wolfgang Borchert, das die Sinnlosigkeit des Krieges und die Ausgrenzung durch Egoismus auf den Punkt bringt.

Und in genau diesem Spannungsfeld sollen sich die 24. Baden-Württembergischen Theatertage bewegen, die vom 24. Mai bis zum 2. Juni 2019 in Baden-Baden angesetzt sind. Unter dem Motto „#draußen“ zeigen dort innerhalb zehn Tagen 20 Theater insgesamt 30 Aufführungen.

Plätze und Orte „inszenieren“

Das Motto erlaube es, sowohl Denk- und Debattenimpulse als auch ein Fest für die ganze Stadt zu bieten, erklärte Nicola May, Intendantin des gastgebenden Theaters Baden-Baden, bei einer ersten Pressekonferenz. „Baden-Baden wird zu einer großen Bühne“, versprach Oberbürgermeisterin Margret Mergen. Die Stadt biete zahlreiche Plätze und Orte, die man „inszenieren“ könne und die durch kurze Wege verbunden seien.

Rückkehr an die Oos

Hierfür sei man bereits in Gesprächen mit möglichen Partnern, erklärte Festivalleiterin Annelie Mattheis, die zwar in Berlin lebt, mit der Kurstadt an der Oos aber bestens vertraut ist: Von 2008 bis 2011 sammelte sie hier erste Berufserfahrungen als Dramaturgin und initiierte unter anderem das bis heute erfolgreich laufende Festival „Abi in 5 Tagen“, das im kommenden Februar seine zehnte Ausgabe feiern kann. Nach beruflichen Stationen in Marburg und Bochum kehrt sie nun nach Baden-Baden zurück. Sie kündigt ein Festival an, das „die Qualität und Vielfalt der Bühnen in Baden-Württemberg“ zeigen werde.

Inklusion und Ausgrenzung

Das Festivalmotto habe sich einerseits aus der Beobachtung ergeben, dass die Themen Inklusion und Ausgrenzung auf vielen Spielplänen sehr präsent seien, andererseits aus der Atmosphäre von Baden-Baden als „Sehnsuchtsort“, als Stadt, in die man reist, um mal „raus“ zu kommen.

Vernetzung auch ganz analog

Das Hashtag-Zeichen im Motto stehe für Vernetzung – nicht nur im Sinn einer geplanten starken Internetpräsenz des Festivals, sondern auch altmodisch analog: „Die Theatertage sollen auch ein Treffen der Theatermacher“, erklärt von Kirchbach. Das gelte besonders für die Kinder- und Jugendtheater des Landes, die sechs Tage lang komplett vor Ort und sich auch gegenseitig besuchen.

Programm erst im Frühjahr

Ein Ort der Begegnung steht schon fest: Das Museum LA8 in unmittelbarer Nähe des Theaters wird das Festivalzentrum beherbergen. Eine Rückkehr des großen Zeltes, das bei den Theatertagen 2005 auf der Fieserbrücke stand, wird es also nicht geben. Welche Stücke es zu sehen gibt, das wird das Festivalteam erst im Frühjahr 2019 ankündigen können. „Etliche Theater haben schon sehr spannende Vorschläge gemacht, was sie hier gerne zeigen würden, aber letztlich gilt es, die Premieren abzuwarten“, erklärt Festivalleiterin Mattheis, die in den nächsten Monaten viele Aufführungen besuchen und immer wieder in Baden-Baden Station machen will.

Konstanz hatte abgesagt

Ausgerichtet werden die Theatertage alle zwei Jahre vom Kunstministerium des Landes und vom Landesverband des Deutschen Bühnenvereins. Der Zuschuss kommt zur Hälfte vom Land (knapp 170.000 Euro) sowie vom Landesverband des Bühnenvereins (knapp 80.000) und von der Stadt Baden-Baden (knapp 90.000). Ursprünglich war die Ausgabe 2019 in Konstanz geplant, das dortige Theater hatte aber im Februar nach Streit mit dem Gemeinderat um eine Verlängerung des Intendantenvertrages von Christoph Nix abgesagt.