Kinderkram
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Neues aus dem Elternleben

Warum explodiert nur keiner?

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Es gibt da diese Spaßrechnung: Wenn der Weihnachtsmann echt ist, muss er in nur einer Nacht 91,8 Millionen Haushalte mit mindestens einem braven Kind darin mit Geschenken beliefern. Bei einem (durch die verschiedenen Zeitzonen bedingten) 31-Stunden-Weihnachtstag ergeben sich 822,5 Besuche pro Sekunde. Somit hat der Weihnachtsmann für jeden Haushalt mit braven Kindern 1/1 000 Sekunde Zeit für seine Arbeit: unauffällig und leise das Haus oder die Wohnung betreten, Geschenke verteilen und je nachdem die bereitgelegten Plätzchen verdrücken. Praktisch bedeutet das, er müsste mit der 3 000-fachen Schallgeschwindigkeit unterwegs sein. Geht man davon aus, dass jedes Kind nicht mehr als ein mittelgroßes Lego-Set bekommt (haha), dann hat sein Schlitten samt Rentieren etwa ein Gewicht von 410 400 Tonnen, was bei dieser Geschwindigkeit einen ungeheuren Luftwiderstand bedeuten würde, durch den die Rentiere, der Schlitten und der Weihnachtsmann selbst augenblicklich und mit einem ohrenbetäubenden Knall in Flammen aufgehen würden. Warum er es trotzdem nicht tut? Das muss wohl an dieser Weihnachtsmagie liegen.
So etwa wie dem Weihnachtsmann geht es auch Müttern und Vätern während der Adventszeit. Innerhalb von einem Monat müssen sie Geschenke für die sich jedes Jahr gefühlt aufs Doppelte vergrößernde Familie kaufen. Sie müssen die Weihnachtsdeko im Keller oder auf dem Speicher erst finden und dann das Zuhause damit schmücken, sie besorgen Adventskalender, entziffern Wunschzettel, wohnen mehreren Kita- und Schul-Advents- und Weihnachtsfeiern bei, managen schwierige Verwandtenbesuche, kaufen feine Kleider für die Festtage, backen Plätzchen, treiben immer irgendwo doch noch einen Nikolaus auf, lesen Weihnachtsgeschichten vor, singen Weihnachtslieder, schlagen oder kaufen einen Christbaum, halten Kleinkinder vom geschmückten Baum fern und diskutieren mit denselben Kindern täglich aufs Neue darüber, dass immer nur ein Türchen des Adventskalenders geöffnet werden darf. Rein rechnerisch müssten Eltern spätestens an Heiligabend eigentlich auch lautstark explodieren. Warum sie es dennoch nicht tun? Das liegt wohl an ihrer eigenen Art von Weihnachtsmagie – einer Mischung aus Stolz, Glühwein und glücklichen Kindergesichtern.