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Studie des Karlsruher Fraunhofer-Instituts

Warum Hybridfahrzeuge real mehr Kraftstoff brauchen als im Test

Plug-in-Hybridfahrzeuge gelten als umweltfreundliche Übergangstechnologie. Kritiker sehen in den Autos, die neben einem herkömmlichen Verbrennungs- auch einen Elektromotor haben, jedoch eine Mogelpackung. Nun liefert ihnen eine umfangreiche Studie aus Karlsruhe neue Nahrung.

Der Akku eines Plug-in-Hybriden lässt sich oft auch an einer Haushaltssteckdose laden. Doch viele Nutzer tun das offenbar nicht regelmäßig. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Plug-in-Hybridfahrzeuge gelten als umweltfreundliche Übergangstechnologie. Kritiker sehen in den Autos, die neben einem herkömmlichen Verbrennungs- auch einen Elektromotor an Bord haben, jedoch eine Mogelpackung. Nun liefert ihnen eine groß angelegte Studie aus Karlsruhe neue Nahrung.

Hauptautor Patrick Plötz, Leiter des Geschäftsfelds Energiewirtschaft am Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI), fasst die Ergebnisse zusammen: „Im Mittel fallen der reale Kraftstoffverbrauch und die CO 2 -Emissionen von Plug-in-Hybridfahrzeugen bei privaten Haltern in Deutschland mehr als doppelt so hoch aus wie im offiziellem Testzyklus, während die Werte bei Dienstwagen sogar viermal so hoch sind.“ Damit sei die Abweichung zwischen offiziellen Angaben und realen Erfahrungswerten bei Plug-in-Hybridfahrzeugen sehr viel größer als bei Fahrzeugen mit konventionellem Verbrennungsmotor.

Anonymisierte Daten von Autofahrern ausgewertet

Für ihre statistischen Analysen nutzten die Forscher unter anderem anonymisierte Daten, die Fahrzeughalter freiwillig an Online-Portale wie Spritmonitor.de oder im Rahmen früherer Befragungen übermittelt hatten. Einbezogen wurden auch Auswertungen zu Firmenfahrzeugen, die Flottenkunden zur Verfügung stellten.

Grund für die im Realbetrieb deutlich schlechteren Verbrauchswerte sei die Tatsache, dass Plug-in-Hybridfahrzeuge oft nicht regelmäßig nachgeladen werden, heißt es in einer Pressemitteilung des International Council on Clean Transportation (ICCT). Die gemeinnützige Forschungsorganisation hat in Zusammenarbeit mit US-Umweltbehörden bereits den Diesel-Skandal aufgedeckt und arbeitete nun bei der Hybrid-Studie mit den Karlsruher Wissenschaftlern um Plötz zusammen.

Dienstwagen nur an jedem zweiten Fahrtag geladen

Private Nutzer in Deutschland laden ihren Plug-in-Hybrid statistisch gesehen lediglich an drei von vier Tagen, so die Forscher. „Bei Dienstwagen wird im Mittel sogar nur ungefähr an jedem zweiten Fahrtag geladen.“ Die geringe Ladehäufigkeit reduziere den elektrischen Fahranteil und erhöhe damit den Kraftstoffverbrauch und die CO 2 -Emissionen im Alltagsbetrieb. „In Deutschland erbringen rein privat genutzte Plug-in-Hybridfahrzeuge im Durchschnitt etwa 43 Prozent ihrer Fahrleistung im elektrischen Modus, bei Dienstwagen sind es lediglich 18 Prozent.“

ICCT-Direktor Peter Mock empfiehlt der Bundesregierung daher, Förderinstrumente wie Kaufprämien und reduzierte Dienstwagenbesteuerung „an den Nachweis von überwiegend elektrischer Nutzung im realen Betrieb“ zu knüpfen. Auch sollten rechtliche und finanzielle Hürden zur Einrichtung von Heimladestationen abgebaut werden.



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