„Love trumps hate“ – zu Deutsch: „Liebe triumphiert über Hass“. Als Kompliment für den neuen US-Präsidenten ist der Spruch auf dem Plakat dieser Demonstrantin in Brüssel sicher nicht gedacht. Während und am Tag nach der Amtseinführung von Donald Trump kam es vielerorts zu Protesten. | Foto: Bruno Fahy/dpa

Donald Trump im Wörterbuch

Was für eine „Trumperei“

Anzeige

Trompeter im Weißen Haus

Es war ein netter Versuch, dem sprachlichen Bulldozer einen feinen Nadelstich entgegen zu setzen. Im Wahlkampf um die amerikanische Präsidentschaft wollte Hillary Clinton mit einer gefühlvollen Formel punkten. Sie brachte den vermeintlichen Gegensatz von Gut und Böse in der politischen Auseinandersetzung auf die englische Formel „Love trumps hate“. Zu Deutsch: „Liebe übertrumpft Hass“. Clinton spielte mit dem Namen ihres Konkurrenten Donald Trump. Der kleine Stich prallte natürlich am Panzer des Geschäftsmannes ab. Mit sprachlichen Feinheiten hielt sich der neue US-Präsident bislang nicht auf. Viel lieber erwies er sich als rücksichtsloser Redner oder Twitterer, der alles hinausposaunt, was ihm nützt, andere ägert, Anhänger aufhetzt und Gegner beleidigt. Er zeigte sich als echter „trumpeter“, was – man ahnt es – das englische Wort für „Trompeter“ ist. Und „to trumpet“ bedeutet außerdem noch „hinausposaunen“.

Er kann auch ein feiner Kerl sein…

Nun gilt ja die eiserne stilistische Regel, dass Scherze mit Namen zu unterlassen sind. Aber ernsthaft auf Namen und Bedeutung zu schauen, das kann einiges zu Tage fördern. Bleibt man auf den Spuren dieses Präsidenten, findet man im guten alten, gelben, großen Langenscheidt- Handwörterbuch Englisch, dass ein „trump“ nicht nur ein „Trumpf“ ist, sondern im übertragenen Sinne ein „feiner Kerl“. Das finden ja viele in den USA. Etliche Europäer werden sich wohl eher am Verb „to trump up“ erfreuen. Es bedeutet „zusammenschwindeln, sich aus den Fingern saugen“. Ist doch toll, oder? Auch wenn dieser Ausdruck kaum gebräuchlich ist, wie mir mein wunderbarer amerikanischer Nachbar, ein früherer Soldat, erklärt.

 Schund und Quatsch

Trotzdem finde ich erstaunlich, was als nächster Eintrag im Wörterbuch folgt: Das englische Hauptwort „trumpery“ hat die vielen schönen Bedeutungen: Plunder, Ramsch, Schund, Gewäsch, Quatsch. Wie wäre es, wenn man im Deutschen für das alles den Oberbegriff „Trumperei“ einbürgert?
Zu bedenken bleibt allerdings: Deutscher Hochmut gegenüber amerikanischen Verhältnissen heißt, einen ziemlich niederen Trumpf zu ziehen.

Sich übel benehmen und toll finden

Und warum sollte eine andere Politik, sofern sie nicht diktatorisch ist, drüben unmöglich sein? Doch Stil und Sprache dieses düsteren Typs im Weißen Haus lassen frösteln. Wie schrieb der Philosoph Dieter Thomä gerade über Trump: „Er ist ein Vorbild für alle, die sich übel daneben benehmen und dabei noch toll finden.“

Eine weitere Glosse zu Donald Trump finden Sie hier: