Blumen und Kerzen haben Nachbarn vor dem Haus der getöteten 66-Jährigen beim Kolpingplatz aufgestellt | Foto: Jock

Feuer sollte Tötung vertuschen

Weitere Spurensuche am Tatort beim Karlsruher Kolpingplatz

Nach dem gewaltsamen Tod einer 66-jährigen Frau in ihrer Wohnung in der Albtalstraße beim Kolpingplatz ist das Entsetzen im Stadtteil groß. Kerzen brennen, und in einer Vase stehen drei gelbe Rosen vor dem Haus. Die Scheiben an der Wohnung im ersten Obergeschoss sind dunkel und schlierig.  Sonst gibt es von außen keine sichtbaren Spuren des Feuers, mit dem vermutlich die Tat vertuscht werden sollte. Wie berichtet, barg die Feuerwehr am Donnerstagvormittag die leblose Frau aus dem Schlafzimmer der brennenden Wohnung. Was wie ein tragisches Unglück aussah, entpuppte sich erst im Laufe der Untersuchung als vorsätzliche Gewalttat. Die Spezialisten der Spurensicherung ermittelten auch gestern noch in der Wohnung des Opfers.  Und sie werden ihre akribische Arbeit übers Wochenende fortsetzen, erklärt Dieter Werner, Pressesprecher beim Polizeipräsidium Karlsruhe, auf BNN-Anfrage.

Brand verkompliziert Untersuchung des Tatorts

Der Brand verkompliziert die Untersuchungen, Kriminaltechniker des Landeskriminalamtes unterstützen die Karlsruher Ermittler, so Werner. Dass durch die Löscharbeiten nicht unnötig Spuren zerstört werden, darauf sind die Brandbekämpfer geschult, erläutert Moritz Wolter. Er ist für die Einsatzleitung der Feuerwehr verantwortlich. Die Kombination von Brandstiftung und Gewaltdelikt sei in Karlsruhe aber sehr selten. Der letzte Fall sei wohl die Familientragödie in Wolfartsweier im November 2015 gewesen. Dennoch komme die Polizei aber bei fast jedem Feuer mit zur Brandstelle, so das auch nun in der Albtalstraße die Ermittlungen schnell aufgenommen werden konnten.

Tatwaffe gefunden?

Abgeschlossen ist offensichtlich die Spurensuche im Umfeld des Tatorts: „Die haben hier am Donnerstag alles abgesucht“, schildert eine Geschäftsfrau und deutet auf die Karlstraße. Spätestens, als sie eine Polizistin beobachtete, die sich blaue Einweghandschuhe übergezogen hatte und den Inhalt des Mülleimers sondierte, sei ihr klar gewesen, dass etwas Schlimmes passiert war, sagt sie. Auch der Sperrmüll in den Straßen rund um den Kolpingplatz durfte zunächst nicht abgefahren werden. Nun ist er weg, gestern in aller Frühe kam hierzu das Okay von der Kriminalpolizei ans Amt für Abfallwirtschaft. Ob bei der Suche die mögliche Tatwaffe zutage gefördert werden konnte? Auch dazu gibt es von der Polizei, ebenso wie auf die Frage, ob die Obduktion noch andauere, aus ermittlungstaktischen Gründen keine Auskunft.

Entsetzen rund um den Kolpingplatz

Rund um den Kolpingplatz ist das Entsetzen groß. Die Frau wohnte schon lange im Stadtteil, erst in der Welfenstraße und dann um die Ecke in der Albtalstraße. In vielen der Geschäfte und sonstigen Versorgungseinrichtungen beiderseits der Karlstraße war sie Kundin. Eine nette, freundliche Frau war sie, viele kannten sie beim Namen, wussten, dass sie alleine lebte und einen erwachsenen Sohn hat. „Wir waren total geschockt, als wir erkannt haben, um wen es sich handelt“, sagt ein Angestellter. Dieser Moment war, als die Ermittler mit einem Foto der Frau ins Geschäft kamen. Andere haben erst durch die Nachbarschaftsbefragungen der Polizisten von dem Tötungsdelikt erfahren.

Die Südweststadt ist in der Kriminalstatistik unauffällig

„Dass so was hier um die Ecke passiert, ist entsetzlich“, findet eine Verkäuferin. Ähnlich reagiert der Bürgervereinsvorsitzende Jürgen Sickinger. „Ich kann mich nicht erinnern, dass in den vergangenen Jahren in unserem friedlichen Stadtteil so etwas Schlimmes geschehen ist“, sagt er. Was Polizeisprecher Werner bestätigt. „Die Südweststadt ist in der Kriminalstatistik unauffällig“, sagt er.