Wolfhard Neu (links) von der OHF Hafen- und Flussbau GmbH und SWR-Redakteur Schmiedicke mit einem Modell der Lok "Rhein". Die Firma aus Au am Rhein ist für die Bergung der versunkenen Lok aus dem Rhein zuständig.
Wolfhard Neu (links) von der OHF Hafen- und Flussbau GmbH und SWR-Redakteur Schmiedicke mit einem Modell der Lok "Rhein". Die Firma aus Au am Rhein ist für die Bergung der versunkenen Lok aus dem Rhein zuständig. | Foto: Bernd Kamleitner

Spektakuläre Schatzsuche

„Wenn die Lok ‚Rhein‘ da liegt, dann kriegen wir sie raus“

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Einen passenderen Rahmen hätte es kaum geben können: Auf dem ehemaligen Lastschiff Cassian Carl, das zum Eventboot umgebaut wurde, präsentiert das Projektbüro „Jäger der versunkenen Lok“ auf dem Rhein an der Theodor-Heuss-Brücke in Mainz das Konzept für eine spektakuläre Schatzsuche: Nach 166 Jahren soll die in der Karlsruher Maschinenfabrik Kessler gebaute Lok „Rhein“ Ende Oktober geborgen werden.

Unter der Buhne 527 bei Germersheim wird das Stahlross vermutet. Es war bei der Überführung für die Bahnstrecke Düsseldorf-Elberfeld am 14. Februar 1852 bei Sturm von einem Segelfrachter in die Fluten gekracht – und gehört rein rechtlich nun dem Land Rheinland-Pfalz.

Der Schatz: Deutschlands älteste Dampflok

Gelingt das ehrgeizige Vorhaben, dann wird Deutschlands älteste Dampflok zum Vorschein kommen. Davon träumt der inzwischen pensionierte ehemalige Lokführer Horst Müller aus Cochem seit Jahrzehnten. Schon als Schüler war er Anfang der 60er Jahre in dem Buch „Zauber der Schiene“ auf die versunkenen Lok aufmerksam geworden. Das Thema ließ ihn nicht mehr los.

Volker Jenderny (links) vom Eisenbahnmuseum Darmstadt-Kranichstein und der pensionierte Lokführer Horst Müller in historischen Eisenbahnernuniformen. | Foto: Bernd Kamleitner

Doch die Suche nach der Fundstelle, an der das Stahlross liegt, sollte sich über Jahrzehnte hinziehen. Mit zahlreichen Verbündeten kam Müller trotz einiger missglückter Ortungsversuche und mit ein wenig Glück der „Rhein“ letztendlich doch noch auf die Spur.

Magnetischer Fußabdruck passt zu schwerem Eisenkörper

Dass es sich bei dem „magnetischen Fußabdruck“, den Bernhard Forkmann mit seinen empfindlichen Messgeräten im Rhein bei Philippsburg-Rheinsheim lokalisiert hat, um die versunkene Lok handelt, da ist sich der Geophysiker aufgrund zahlreicher Indizien nach rund 20-jähriger Suche sicher. „Der Fußabdruck hat die Dimension, die zu einem 20 Tonnen schweren Eisenkörper passt“, sagt der Wissenschaftler.

Professor Bernhard Forkmann hat die Messungen bei der Suche nach der Lok durchgeführt. Hier ist der Geophysiker mit einem Modell der im Rhein versunkenen Lok „Rhein“ zu sehen. | Foto: Bernd Kamleitner

Jetzt ist das Projekt, das Eisenbahnfreunde in großer Zahl bewegt, auf der Zielgeraden: Am 21. Oktober soll die Lok aus dem Rhein geborgen werden. Das SWR Fernsehen will am dritten Oktobersonntag ab 14 Uhr drei Stunden live übertragen, wenn ein wertvolles Gut der Industriekultur wieder ans Tageslicht gehievt wird.

Bergung wird nicht nur Eisenbahnfreunde begeistern

„Das wird nicht nur Eisenbahnfreunde begeistern“, prognostiziert Intendant Peter Boudgoust vom Südwestrundfunk (SWR). Vor Ort ist das Bergungsmanöver von Schaulustigen nur von der Philippsburger Rheinseite aus zu sehen. Auf Germersheimer Seite grenzt ein Naturschutzgebiet auf einer Insel an. Somit ist der Fundort rund 50 Meter vom Ufer von der rheinland-pfälzischen Seite nur vom Wasser aus zu erreichen.

Firma aus Au am Rhein ist für die spektakuläre Bergung zuständig

Das schwere Gerät für die Bergung kommt von der Firma OHF Hafen- und Flussbau in Au am Rhein. „Es hat mich gereizt, mal was Altes aus dem Rhein zu holen“, erklärt Wolfhard Neu schmunzelnd. Der Geschäftsführende Gesellschafter ist zuversichtlich, den „Schatz“ bergen zu können.

Er hat bei der Suche nach der versunkenen Lok nie aufgegeben: Der pensionierte Lokführer Horst Müller. | Foto: Bernd Kamleitner

Er geht davon aus, dass die in einem Kiesbett in rund fünf Meter Tiefe liegende vermutete Lok auch noch in einem guten Zustand sein müsste. „Wenn sie an der Stelle liegt, dann kriegen wir sie raus“, betont der Unternehmer. Neben schwerem Gerät werden dann auch Taucher im Einsatz sein. Der Schiffsverkehr auf dem Rhein soll durch die Arbeiten übrigens in keinster Weise beeinträchtigt werden.

TV-Tipp: Das SWR Fernsehen widmet vier Folgen der Kultsendung „Eisenbahnromantik“ der im Rhein versunkenen Lok. Teil 1 wird bereits am Samstag, 14. April, ausgestrahlt, weiter geht es am 26. Mai sowie am 22. und 29. September – jeweils um 15.45 Uhr.

Gesamtkosten werden auf rund 500000 Euro geschätzt

Eine Schatzsuche kann übrigens  ganz schön teuer werden: Die ersten 100 000 Euro für die mit Kosten von rund 500000 Euro veranschlagte Bergung und Restaurierung der vor 166 Jahren im Rhein versunkenen Dampflok aus Karlsruher Produktion haben die Organisatoren der spektakulären Aktion bereits auf dem Konto. Jetzt geht es darum, weitere Unterstützer für das ehrgeizige Vorhaben zu gewinnen: Um die erforderlichen Finanzmittel für die „Schatzsuche im Rhein“ wird auf Deutschlands größter Crowdfunding-Plattform Startnext geworben. Dahinter steht das Modell einer Gruppenfinanzierung.

Alte Liebe rostet nicht: Für die Bergung der versunkenen Lok werden Unterstützer gebraucht. Spenden sind schon ab fünf Euro willkommen. | Foto: Bernd Kamleitner

Interessenten können sich bereits mit einem Betrag von fünf Euro beteiligen. Für 1 000 Euro kann zum Beispiel in VIP-Ticket erworben werden, um bei der Bergung der Lok auf einem Schiff auf dem Rhein live dabei zu sein. Die Lok soll nach der Bergung und Restaurierung für 20 Jahre als Leihgabe an das Eisenbahnmuseum Darmstadt-Kranichstein gehen. 

http://www.startnext.de/jaeger-der- versunkenen-lok