Hans Schipper, Leiter des Süddeutschen Klimabüros am Karlsruher Institut für Technologie. Foto: KIT

KIT-Klimaforscher im Interview

„Wichtiges Signal an die Politik“

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Deutschland muss sich angesichts der Erderwärmung ehrgeizigere Klimaziele setzen. Das sagte Hans Schipper, Leiter des Süddeutschen Klimabüros am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) im Gespräch mit Alexei Makartsev.

Es gab unzählige Mahnungen an die Politik, zu handeln, ehe es für das Klima zu spät ist. Jetzt kommt eine neue hinzu, wird man zuhören?

Schipper: Das hoffe ich. Bislang war man sich einig, den Anstieg der Temperatur auf zwei Grad zu begrenzen. Im neuen Bericht zeigen die Forscher, dass man sich nicht zurücklehnen kann, bis dieses Ziel erreicht ist. Man muss früher ansetzen. Der Bericht zeigt, dass jetzt viele Veränderungen im Klima stattfinden, das ist ein wichtiges Signal an die Politik.

Die Begrenzung der Erwärmung auf 1,5 Grad soll noch möglich sein. Ein Grund zur Entwarnung?

Schipper: Nein. Zwar ist dieses Ziel aus physikalischer Sicht erreichbar, aber die notwendigen politischen und wirtschaftlichen Maßnahmen dazu sind nur schwer umsetzbar. Zudem kann es auch bei plus 1,5 Grad sein, dass manche Regionen viel stärker betroffen sein werden als andere.

Sind die erwarteten Veränderungen im globalen Klima unumkehrbar?

Schipper: Die Ozeane, die sich aufwärmen, werden sich schon irgendwann wieder abkühlen. Wir haben es aber mit einem trägen System zu tun, in dem solche Prozesse sehr lange dauern. Das warme Wasser, das in die Tiefen sinkt, wird vielleicht erst in einigen hundert Jahren wieder hochkommen.

Gäbe es einen Unterschied für unsere Region zwischen den 1,5- und Zwei-Grad-Szenarios?

Schipper: Ja, wenn die globale Durchschnittstemperatur „nur“ um 1,5 Grad stiege, dann würden auch die heißen Tage im Südwesten weniger stark zunehmen. Das wäre für die Bevölkerung, aber auch für die Land- und Forstwirtschaft eine große Entlastung.

Deutschland kommt beim Klimaschutz nur langsam voran. Was muss jetzt passieren?

Schipper: Die Bundesregierung sollte sich realistische, aber auch ehrgeizige Ziele setzen. Um den CO2-Austoß zu mindern, könnte man beispielsweise die Industrieprozesse effizienter machen und die erneuerbaren Energien weiter ausbauen, wobei man sich von den Kohlekraftwerken verabschiedet. Da es hier jedoch auch um Arbeitsplätze geht, muss es eine gesamtwirtschaftliche Lösung geben.

Das IPCC rät dazu, Wälder zu pflanzen statt das Klima durch Geoengineering künstlich zu beeinflussen. Ist das sinnvoll?

Schipper: Ja. In den Wäldern steckt noch sehr viel Potenzial, während wir heute beim „climate engineering“ noch nicht genau wissen, welche kurz- und langfristigen Folgen es auf der Welt haben könnte. Dennoch ist es sehr wichtig, danach weiter zu forschen, für den Fall, dass dies eines Tages die einzige verfügbare Option wäre.