Assistenzlösungen entlasten Pflegende und helfen Unterstützungsbedürftigen. | Foto: Foto: Lindera GmbH/Karlsruher Messe- und Kongress-GmbH/obs 

Wissenschaft

Wie Technik die Pflege erleichtert

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Smarte Rollatoren, die Hindernisse erkennen, Apps, die die Bewegung fördern, oder Matten, die beim Sturz aus dem Bett einen Alarm bei Angehörigen oder Pflegern auslösen – technische und digitale Hilfsmittel halten Einzug in die Pflege. Bei einem Kongress in der Messe Karlsruhe am 11. und 12. Oktober werden sie vorgestellt. Fachleute sehen in den intelligenten technischen Systemen zwar noch keine Lösung für den Pflegenotstand, aber zumindest eine Entlastung für Pflegende.

„Das Smart-Home wird kommen“, ist sich Hans-Werner Wahl von der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie (DGGG) sicher. Kluge Systeme in der Wohnung von Pflegebedürftigen, wie Beleuchtung mit Bewegungssensor auf dem Weg zur Toilette oder Lichtschranken, die einen Alarm auslösen, wenn ein Demenzkranker nachts das Haus verlassen will, stellten eine Erleichterung für pflegende Angehörige und Betroffene dar.

Darüber hinaus könnten Apps wie das Chat-Programm WhatsApp das Leben von Senioren angenehmer machen, indem sie ihnen die Teilhabe am sozialen Leben ermöglichen – sei es nur durch den Chat mit dem Enkel. Mit einer Schritte zählenden App könnten Senioren außerdem etwas für ihre Gesundheit tun – und damit körperlichen Problemen vorbeugen.

Wir haben noch viel zu tun.

„Wir haben noch viel zu tun, die ältere Generation auf den Weg der Digitalisierung zu bringen“, ist sich Wahl bewusst. Ältere Menschen und Digitales seien allerdings kein Widerspruch per se. Sie müssten lediglich an die für sie noch neue Technik herangeführt werden. In Stuttgart gebe es etwa ein Pilotprojekt, in dem Senioren zu sogenannten Technikbotschaftern ausgebildet werden. Ihre erworbenen Kenntnisse sollen sie Altersgenossen vermitteln.

Hans-Werner Wahl ist einer der Experten, die beim AAL-Kongress in Karlsruhe sprechen wird. AAL, das steht für Active Assisted Living und umfasst sämtliche technischen Hilfsmittel, die Menschen mit Unterstützungsbedarf und ihren Angehörigen das Leben erleichtern. In dem Bereich werde aktuell viel geforscht, Firmen und Forschungszentren wie das FZI Karlsruhe beteiligten sich an Pilotprojekten, die vom Staat finanziell unterstützt werden, so Wahl.

Tablets können auch für Senioren eine Bereicherung sein. | Foto: Jens Wolf/dpa

In näherer Zukunft keine Lösung für den Pflegenotstand

Tatsächlich genutzt würden die neuen Möglichkeiten allerdings kaum. Der Grund: Für viele Firmen stelle die Produktion der intelligenten Systeme noch ein zu hohes Risiko dar. Eine größere Förderung durch den Staat sei nötig, um die Produkte „zur Marktreife zu führen“. Wahl schätzt das Potenzial der technischen Hilfsmittel, in der näheren Zukunft den Pflegenotstand zu beheben, als sehr gering ein. Allerdings, so der Professor, könnte die Technik „eine Komponente für die Lösung sein“.

Wie intelligente technische Systeme in der Praxis angewandt werden können, hat André Kendel von der Evangelischen Landeskirche in Baden in einem Pilotprojekt erprobt. Das „Walzbachtaler Modell“ ist eine ambulante 24-Stunden-Betreuung in Kooperation mit Diakonie-Sozialstationen in Walzbachtal, Stutensee und Weingarten. Im Rahmen des Projektes wurden intelligente Sturzmatten, Lichtschranken, die Alarm auslösen, sowie Supervisionsysteme, die die Wege von älteren Menschen mit kognitiven Einschränkungen nachzeichnen, in der ambulanten Pflege eingesetzt.

Fehlende gesetzliche Vorgaben sind ein Hindernis

Inzwischen ist das Pilotprojekt abgeschlossen. Bestandteile davon wurden in bestimmten Regionen übernommen, sagt Kendel. Hindernisse für die Integration der klugen Technik in die Rund-um-Betreuung von Pflegebedürftigen seien vor allem juristischer Art. Zum einen gebe es keine gesetzlichen Vorgaben zur Vergütung von Nachtarbeit im ambulanten Dienst. Für den Fall, dass ein alleinlebender älterer Mensch nachts stürzt und ein automatischer Alarm Pfleger herbeiruft, wäre dies aber erforderlich. Zum anderen müsse die Finanzierung der technischen Hilfsmittel durch die Krankenkassen geklärt werden.