Neue Attraktion im Nordschwarzwald: Die Fußgänger-Hängebrücke am Sommerberg in Bad Wildbad.
Neue Attraktion im Nordschwarzwald: Die Fußgänger-Hängebrücke am Sommerberg in Bad Wildbad. | Foto: Bernd Kamleitner

Hängeseilbrücke für Fußgänger

Wildline in Bad Wildbad: Nervenkitzel am Sommerberg

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Die Brücke der Mutigen – so nennt Barbara Sand die neue Attraktion in Bad Wildbad. Aber wie mutig muss man sein, um sich auf die insgesamt rund 140 Tonnen schwere Stahlkonstruktion mit einer Spannweite von 380 Metern zu wagen?

Die Brücke der Mutigen

Die Vertriebsleiterin der rund vier Millionen Euro teuren Fußgänger-Hängeseilbrücke am Bad Wildbader Sommerberg hat es schon erlebt, dass Menschen zunächst zielstrebig auf der Brücke marschieren, dann aber plötzlich wie versteinert stehen bleiben. Höhenangst – das soll vorkommen.

Umkehren? Für Sand wäre das auf der Wild Line keine Alternative. Ihr Rat: Statt durch den Gitterrost bis zu 60 Meter in die Tiefe zu blicken, lieber in die Ferne schauen und erst einmal die wunderbare Aussicht genießen. Und: „In die Knie gehen, damit der Körper das sanfte Wippen der Brücke ausgleichen kann.“ Je mehr man sich der Mitte der Bücke nähere, umso weniger bewege sie sich.

Im Stil der Golden Gate Bridge gebaut

Das liegt an der Konstruktion des eindrucksvollen Bauwerks, das in neun Monaten aus insgesamt rund 70 000 Stahlbauteilen realisiert wurde. Die an zwei 75 Millimeter dicken und insgesamt 13 Tonnen schweren Stahlseilen befestigte Brücke hängt nicht durch, sie ist nach oben verspannt – wie ihr weltberühmtes Vorbild, die Golden Gate Bridge im kalifornischen San Francisco.

75 Millimeter dicke Stahlseile

Bei Bergbahnen seien dagegen maximal 42 Millimeter dicke Stahlseile im Einsatz. Durch die höhere Spannung müssten die Seile der Hängebrücke eine wesentlich größere Belastung aushalten. Wegen des Anstiegs von etwa zehn Meter zur Mitte hin sieht man beim Betreten der Brücke das Ende auf der anderen Seite übrigens nicht. „Das ist das Spannende an dieser Architektur“, meint Projektleiter Roland Haag.

Sanftes Schaukeln in der Natur

Zum Nervenkitzel über Tannenspitzen wird der Gang über die Hängeseilbrücke, wenn diese wackelt. Wackelt? Barbara Sand empfindet das eher als ein Schwanken, und auch das nur „ein kleines bisschen“. Für sie ist der Gang über die neue Attraktion vielmehr „ein sanftes Schaukeln in der Natur“, wie sie bei einer exklusiven Vorbesichtigung im BNN-Gespräch erläutert.

  • Wird am Wochenende (21. bis 22. Juli 2018) mit einem großen Fest eröffnet: Die Wildline in Bad Wildbad.
  • Mitten in die Stadt bis zum Kurpark und zur Talstation der Sommerbergbahn fährt die S-Bahn in Bad Wildbad. Von Karlsruhe oder Pforzheim kann man so bequem mit dem öffentlichen Nahverkehr in die Kurstadt im Nordschwarzwald anreisen.
  • Imposant: Der Brückenkopf-Nord und dahinter das Besucherzentrum der Wildline.
  • Seile so dick wie ein Arm: Die Hängebrücke hängt an zwei jeweils 75 Millimeter dicken Stahlseilen.
  • Vom höchsten Punkt der Hängebrücke sind es 60 Meter bis zum Grund im Tal.
  • Die Fußgänger-Hängebrücke in Bad Wildbad hat eine Spannweite von 380 Meter.
  • Um eine Attraktion reicher ist Bad Wildbad. Neben dem Palais Thermal (Foto) gibt es jetzt auch eine Fußgänger-Hängebrücke. Ferner locken der Baumwipfelpfad und die Mountain-Bike-Arena.
  • Wer nicht genug Mut für die "Brücke der Mutigen" aufbringt, kann sie vom Märchenweg aus bewundern.
  • Neun Monate wurde an der Fertigstellung der Wildline in Bad Wildbad gebaut.
  • Ein Hefeseil aus Hefezöpfen gibt es zur Eröffnung der Hängebrücke. Es soll rund 40 Meter lang sein - die Stücke werden für einen guten Zweck verkauft. Barbara Sand, Vertriebsleiterin der Wildline, und Lothar Volz von der Bäckerei Haag in Bad Wildbad bilden das Seil mit zwei Hefeteigteilen schon einmal symbolisch.
  • Der Hängebrückensteg ist 1,20 Meter breit. Bis zu 600 Menschen dürfen gleichzeitig auf die Brücke. Der Betreiber will die Zahl aber auf 300 Personen beschränken - damit die Besucher Zeit haben, die Aussicht zu genießen.
  • Aus insgesamt rund 70000 Stahlbauteilen besteht die Hängebrücke. Sie hat ein Gesamtgewicht von über 140 Tonnen.
  • Mit der Bergbahn zur Hängebrücke: Die Betreiber empfehlen insbesondere am Wochenende der Eröffnung der Hängebrücke (21./22.Juli 2018) die Fahrt mit der Bergbahn auf den Sommerberg. Es gibt auch geführte Wanderungen von Bad Wildbad zur Wildline.

Frauen sind mutiger als Männer

Eine Hängebrücke, klärt sie auf, müsse ausschwingen. „Wenn sie starr wäre, bestünde die Gefahr, dass sie bricht. So kann sie aber die Bewegung ausgleichen.“ Frauen, so die bisherige Erfahrung der Betriebsleiterin mit Besuchern, seien beim Gang über die Brücke viel mutiger als Männer: „Das hätte ich nicht gedacht!“

Betreiber erwartet bis zu 100000 Besucher im Jahr

Auf der Hängeseilbrücke hüpfen oder diese in Schwingungen zu versetzen, ist aber nicht erlaubt. „Hier soll man in Ruhe die Natur genießen können“, gibt Sand die Devise vor. Sicherheit wird groß geschrieben. Zweimal täglich gibt es Kontrollgänge auf der Wild Line. Der Investor, die Firma Eberhardt Bewehrungsbau in Hohentengen, erwartet jährlich bis 100 000 Besucher.

Brückensteg ist 1,20 Meter breit

Bis zu 600 Personen gleichzeitig kann die Brücke „spielerisch aushalten“, erläutert Sand. Mehr als 300 Menschen sollen jedoch nicht auf einmal auf das Bauwerk gelassen werden. Dann könne man auf dem 1,2 Meter breiten Steg noch gut aneinander vorbeikommen und auch mal stehen bleiben, um die Aussicht zu genießen.

Was von der Brücke fällt, ist weg

Apropos genießen: Persönliche Gegenstände wie Schlüsselbund oder Ähnliches sollte man möglichst in der Tasche lassen oder anleinen. „Was von der Brücke fällt, ist weg“, gibt Sand zu bedenken. Der Brücken-Genuss könnte dann in Verdruss münden. Gefahr droht demnach vor allem Handys, mit denen der Brückengang gefilmt oder fotografiert wird. Wer nicht aufpasst und das Smartphone fallen lässt, muss es wohl abschreiben.

Sommerbergbahn ist die höchste Standseilbahn im Südwesten

In der Bad Wildbader Gastronomie freut man sich derweil über die neue Attraktion. Neben der Sommerbergbahn, der höchsten Standseilbahn im Südwesten, die das Zentrum mit dem 726 Meter hohen Sommerberg verbindet, der Mountainbike-Arena, dem Palais Thermal und dem nahe der Hängeseilbrücke liegenden Baumwipfelpfad verfügt die rund 10 000 Einwohner zählende Kurstadt bereits über mehrere attraktive Einrichtungen, mit denen sie um die Besuchergunst im Nordschwarzwald wirbt.

Aufschwung für Gastronomie

„Durch die Initiativen auf dem Sommerberg haben wir einen Aufschwung erlebt“, bestätigt Lothar Volz, Geschäftsführender Gesellschafter einer Café-Kette mit sechs Filialen und einem Eiscafé. Vor allem an Wochenenden sei das spürbar.

Hefezopfseil zur Brücken-Einweihung

Nachdem er sieben Jahre für eine große Bäckerei in Karlsruhe gearbeitet hatte, kaufte Volz vor fünf Jahren die damals insolvente Bäckerei Haag und hauchte dem Unternehmen neues Leben ein. Zur Eröffnung der Hängeseilbrücke backen seine Mitarbeiter aus etwa 80 Zentimeter langen Einzelteilen zwei jeweils 40 Meter lange und zu einem Seil geformte Hefezöpfe, deren Stücke für einen sozialen Zweck verkauft werden.

Eröffnung mit Tourismusminister Guido Wolf

Kurz vor dem eigentlichen Start ist die Fußgänger-Hängeseilbrücke in Bad Wildbad für mutige Besucher schon geöffnet. Die offizielle Eröffnung ist an diesem Freitag, 20. Juli 2018,  mit geladenen Gästen. Unter anderem wird der für den Tourismus zuständige baden-württembergische Justizminister Guido Wolf (CDU) erwartet.

Brückenweihe am Sonntag

Eröffnungswochenende ist  am 21. und 22. Juli 2018. Am Samstag steht von 10 bis 18 Uhr ein großer Familientag auf dem Programm. Am Sonntag wird von 10 bis 17 Uhr gefeiert. Bereits um 10 Uhr beginnt am Brückenkopf Nord ein ökumenischer Gottesdienst im Grünen, bei dem die neue Brücke auch gesegnet wird.

Anreise und Parken: Der Betreiber empfiehlt, am Eröffnungswochenende mit der Bergbahn auf den Sommerberg zu fahren und das Auto auf den Parkplätzen in der Stadt abzustellen. Von Karlsruhe und Pforzheim kann die Anfahrt in die Kurstadt mit der S-Bahn erfolgen. Ferner werden am Samstag und Sonntag geführte Wanderung ab Bad Wildbad (Treffpunkt: Parkplatz Marienruhe am Portal „Aufstiegswege Sommerberg“) bis zur Hängeseilbrücke angeboten. Jeweils um 10.30 und 12 Uhr. Gehzeit: rund eine Stunde.
Eintritt: Erwachsene neun Euro, Kinder sieben Euro. Kombitickets für Brücke und Bergbahn gibt es an der Talstation der Sommerbergbahn. Karten können an den Zugängen zur Brücke am Automaten und am Brückenkopf Nord zudem im Besucherzentrum gelöst werden. Der Zugang ist bis 30 Minuten vor Schließung möglich.
Öffnungszeiten: Ganzjährig von 9 bis 19 Uhr, von Juli bis September bis zum Einbruch der Dunkelheit. Das Besucherzentrum ist bis Oktober täglich von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Im November und Dezember von Mittwoch bis Sonntag von 10 bis 15 Uhr.