Christian Lindner
FDP-Parteichef Christian Lindner bei den Jamaika-Gesprächen. | Foto: Kay Nietfeld

Twitter-Frust

„Wir sind hellwach“: Jamaika-Verhandler lassen im Netz Dampf ab

Wenn nächtliche Verhandlungen stocken, die Köpfe rauchen, die Energiereserven schwinden und der Kaffee nicht mehr munter macht, halten sich die Politiker – wie am Freitagmorgen in der Jamaika-Runde geschehen – gerne mit dem Skatspiel wach.

Sie machen Selfies. Sie gehen eine rauchen. Oder sie senden im sozialen Netzwerk Twitter frustrierte, genervte, amüsante und auch sinnfreie Nachrichten auf die Reise um die Welt. Sei es auch nur, um allen zu zeigen, dass sie zur fortgeschrittenen Stunde nicht eingeschlafen sind. An den Tweets der Verhandler der vier Parteien aus der Parlamentarischen Gesellschaft lässt sich gut ablesen, wie sich der Frust im Laufe der Nacht aufgebaut hat.

Kurz vor Mitternacht schickt die FDP-Generalsekretärin Nicola Beer an die Adresse ihrer Partner eine Warnung via Twitter: „Verlange nichts von Deinem Gegenüber, was es Dir nicht geben kann. Sonst bekommst Du am Ende gar nichts.“ Zu dem Zeitpunkt stecken die Gespräche schon in einer Sackgasse.
Zwei Stunden später lässt der Grüne Jürgen Trittin auf Twitter den Dampf ab. Sein Kommentar zu den Gesprächen ist ein YouTube-Video mit einem Song des jamaikanischen Reggae-Stars Jimmy Cliff. Der Refrain lässt sich übersetzen mit: „Je härter sie auftreten, desto härter fallen sie.“

Andere nehmen es mit Humor. Um drei Uhr posten die Ministerpräsidenten Reiner Haseloff (CDU) und Winfried Kretschmann  ein Selfie mit den Worten „Die Stimmung ist gut!“. Eine Stunde später folgt der Fotobeweis des CDU-Teams in Gestalt von Peter Tauber und Peter Altmaier: „Wir sind hellwach“.

Am frühen Freitagmorgen gehen die Gesprächspartner müde und unzufrieden auseinander. Der frühere Grünen-Chef Reiner Bütikofer bilanziert verärgert auf Twitter: „Konfuzius zur Europapolitik von Jamaika (passt auch für andere Texteteile!): ,Das Rechte erkennen und nicht tun ist Mangel an Mut.‘“ Seine Parteikollegin Kathrin Göring-Eckardt twittert der Stimmung entsprechend ein verwackeltes Bild. Ihre Botschaft lautet: „Guten Morgen #Berlin. Das letzte Mal, als ich um diese Zeit nach Hause kam, war es eine Party, es war Sommer, es war sehr schön und ich zu Fuß. … heute war es #Jamaika“.