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Partner auch in der Region Karlsruhe

Aldi kooperiert neuerdings verstärkt mit regionalen Bäckereien: So reagieren Handwerks-Bäcker aus Baden

Die Aufregung um die Backstationen von Aldi hat sich in der Bäcker-Zunft gelegt. Nun schauen die Handwerksunternehmen neugierig, wie der Discount-Spezialist mit regionalen Bäckereien kooperiert.

Brötchen satt: Der Discounter Aldi Süd forciert sein „Meine Backwelt“-Konzept, bei dem er von regionalen Bäckereien beliefert wird. Das hat Auswirkungen auf die Backstationen. Foto: Jens Büttner/dpa

Vor gut zehn Jahren mischte Aldi-Süd die Backwaren-Welt auf: Seine Backstationen beunruhigten so manchen Bäcker auch im Badischen. Nun schwenkt der Discounter aus Mülheim an der Ruhr massiv um - und sorgt erneut für Furore: Aktuell arbeitet er mit 50 regionalen Bäckereien zusammen, die 1.200 Filialen mit ihren frischen Backwaren beliefern.

In der Region gehören die relativ großen Filialisten Armbruster (Schutterwald) und Giesinger (Eggenstein-Leopoldshafen) dazu. Beide Unternehmen haben bislang zu Fragen der BNN keine Stellung genommen.

Aldi Süd sucht nach weiteren regionalen Partnern

Das Konzept, Aldi nennt es „Meine Backwelt“, scheint anzukommen. Der Discounter forciert es. Man sei „stetig auf der Suche nach weiteren geeigneten und interessierten Partnern“, sagte ein Aldi-Sprecher auf BNN-Anfrage. Die Ansprüche der Kunden hätten sich geändert. „Sie legen nicht erst seit der Corona-Pandemie mehr Wert auf eine gesunde, hochwertige, möglichst frische Ernährung“, lautet die Begründung.

Das macht uns keinen Kummer.
Karl-Heinz Jooß, Obermeister Bäckerinnung Karlsruhe

Karl-Heinz Jooß, Obermeister der Bäckerinnung Karlsruhe, zeigt sich angesichts der Aldi-Offensive gelassen. „Nein, das macht uns keinen Kummer“, sagt Jooß „Wir sind regionaler“, meint er selbstbewusst. „Wir müssen unsere Regionalität herausstellen, individuell bleiben und persönliche Beratung bieten.“ Hintergrund: Anders als bei klassischen Bäckern gilt bei der Aldi-Backwelt Selbstbedienung.

Auch Jochen Knorpp bleibt als Chef der genossenschaftlichen Bäko Mittelbaden ruhig. Für seine Mitglieder – überwiegend kleine bis mittelgroße Betriebe – sei das ein „normales Wettbewerbsgeschehen“. Die Mehrzahl der Aldi-Partnerbäckereien seien große Bäckereien. „Der Verbraucher hat durchaus ein Bewusstsein, was ein regionaler Bäcker ist.“

„Discounter profilieren sich längst nicht mehr über den Preis“, sagt Reiner Mihr, Chefredakteur der „Lebensmittel Praxis“. Er verweist auf deren ebenfalls mit regionaler Ware bestückten Obst- und Gemüseabteilungen. Bio- und Vegan-Angebote spielten ebenso mehr denn je eine Rolle.

Mittlerweile biete man in den Filialen sogar Kräuter an, die vor Ort angebaut werden, so der Aldi-Sprecher. Auch die Regio-Offensive mit den Handwerksbäckern, Mitte 2019 gestartet, sei ein Erfolg.

Je nach Filialgröße und Kooperationsvertrag variiere das Angebot, so der Aldi-Sprecher. So werde man während der Grillsaison entsprechende Backwaren aus der Region anbieten. Aldi verweist zudem auf „badische Linzertörtchen“, die von Schneiders Backwaren aus Kappelrodeck geliefert werden.

Backstation-Absatz geht im Gegenzug zurück

Der Erfolg mit Regio-Backwaren hat für Aldi aber seinen Preis – das neue Angebot „ersetzt in der Regel jeweils die Backstation-Produkte“, räumt der Aldi-Sprecher ein.

Ohnehin ist die Backwaren-Welt seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie eine andere: Es gibt den Trend zum One-Stop-Shopping – an einem Ort wird möglichst alles eingekauft – und zur Vorratshaltung. Gewinner ist beispielsweise das Toastbrot. Laut den Marktforschern von Nielsen wurde damit im Lebensmitteleinzelhandel im vergangenen Jahr 936 Millionen Euro umgesetzt – ein Plus von 7,1 Prozent.

Auch Aufbackware für zu Hause stark im Trend

Rasant nach oben ging’s vor allem für Aufbackware mit einem Plus von 20,8 Prozent auf 624 Millionen Euro. Die Menschen mögen also warme Brötchen, Croissants oder Baguettes – aber eben aus dem heimischen Ofen.

Auch Aldi-Süd spürt diesen Trend: Neben frischen Backwaren aus der Region greifen die Kunden nach Angaben des Discounters verstärkt zu Aufbackware. Inwiefern sich das bei einer Entspannung der Corona-Lage wieder ändern wird, „können wir nicht abschätzen“, sagt der Aldi-Sprecher.

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