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Gute Qualität trotz Frostschäden

Badischer Wein wird wegen geringer Erntemenge und hoher Kosten teurer

Die badischen Winzergenossenschaften rechnen mit einer geringeren Erntemenge als 2020 bei sehr guter Qualität. Grund dafür sind Wetterschäden an den Reben. Und auch die Ausgaben der Winzer sind gestiegen. Die Folge: Badischer Wein wird teurer.

Das Terrain der Oberkircher Winzer eG: Die Genossenschaft setzt im Vertrieb auf mehrere Standbeine. Genossenschaften, die fast nur auf die Gastronomie setzen, waren besonders von Corona betroffen. Foto: Oberkircher Winzer

Wein aus Baden wird teurer. Der Grund liegt auf der Hand: Die 70 badischen Winzergenossenschaften (WG) erwarten nur eine Lesemenge von 63 Millionen Liter. Im Vorjahr waren es noch 85 Millionen Liter. Die Qualität werde aber „sehr gut sein“, so der baden-württembergische Genossenschaftspräsident Roman Glaser am Montag bei der Oberkircher Winzer eG.

„Es wird Veränderungen geben an der Preisfront“, unterstreicht auch deren Geschäftsführender Vorstand, Markus Ell. Das liege nicht nur an der geringen Erntemenge, sondern auch an höheren Kosten für Personal, Energie, Logistik und Materialien wie Karton sowie Glas.

Dabei wissen die Winzer nach seinen Worten, dass sie vorsichtig bei Preiserhöhungen sein müssen. „Sensibel arbeiten“ sei dabei die Devise, sagt Ell. Die Oberkircher Winzer eG erlöst beispielsweise 42 Prozent ihres Gesamtumsatzes im Lebensmitteleinzel- und Lebensmittelgroßhandel.

Und dort konkurriert sie mit Weinproduzenten aus aller Welt. „Der deutsche Konsument ist weltoffen. Das hat auch etwas mit der Reisefreude zu tun. Die Markentreue wird allgemein geringer“, erläutert Ell.

Verbandspräsident Glaser hofft nun auf zumindest einen positiven Corona-Effekt: dem Bewusstsein des Verbrauchers für regional erzeugte Produkte. Schließlich sei Wein auch ein Kulturgut.

Von noch etwas könnten Winzer profitieren, ergänzt Ell: „Der Schwarzwald hat als Reiseziel eine Renaissance erlebt.“ Mit dem Trend zum Deutschland-Urlaub entdeckte so mancher Gast auch badischen Wein. Die Oberkircher Winzer eG setzt beispielsweise 20 Prozent ihrer Weine direkt bei den Endverbrauchern ab.

Massive Frostschäden an den Reben in der Ortenau

Die Winzergenossenschaften repräsentieren etwa drei Viertel der Weinerzeugung in Baden. Und die haben bislang ein heftiges Jahr hinter sich. Während es im Norden kaum Frostschäden gegeben habe, seien sie in der Mitte und im Süden umso heftiger gewesen, so der Wein-Experte beim Genossenschaftsverband, Ansgar Horsthemke.

So etwas habe ich noch nicht erlebt.
Franz Männle, Vorstandschef Oberkircher Winzer eG

Er verweist auf den Klimawandel mit immer früherem Austrieb. So war es im März in der Ortenau sehr warm. Sogenannte Windfröste ließen nach Ostern viele im Aufbruch befindliche Knospen erfrieren. Ausfälle sind die Folge. „So etwas habe ich noch nicht erlebt“, sagt Franz Männle, Vorstandschef der Oberkircher Winzer eG.

Die Wetter-Kapriolen gingen im Sommer mit Nebel und viel Regen weiter. „Man hat an einzelnen Tagen überlegen müssen: Ist es jetzt Sommer oder Herbst?“, erinnert Männle. Pilzkrankheiten hätten es so leichter gehabt.

Corona-Pandemie führte zu Umsatzeinbußen bei badischen Winzern

Doch es gibt auch Erfreuliches: den Trend zum Rosé beispielsweise. Ell spricht von „einem Zeitgeist-Thema“. Rosé passe zur angesagten „mediterranen leichten Küche“ und begeistere auch junge Menschen für den Wein. „Das ist in ganz Baden so“, bestätigt Horsthemke den allgemeinen Trend.

Im ersten Halbjahr dieses Jahres setzten die badischen Winzergenossenschaften 42,7 Millionen Liter Wein und Sekt ab – das ist ein Minus von 1,6 Prozent. Der Umsatz ging im selben Zeitraum sogar um minus 2,2 Prozent auf 121 Millionen Euro zurück.

Ein Grund dafür: Corona. Glaser sagt dazu: „Genossenschaften, die vor allem den Lebensmittel-Einzelhandel beliefern, hatten kaum oder gar nicht mit Rückgängen zu kämpfen. Betriebe, die auf die Gastronomie ausgerichtet sind, wurden dagegen teilweise hart getroffen.“

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