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BNN-Interview mit Technologieregion-Geschäftsführer Ehlgötz

„Beim ÖPNV auf Augenhöhe mit Welt-Metropolen“

Mit dem Slogan „Mit Laptop und Lederhose“ werben die Bayern für ihr Bundesland. Jochen Ehlgötz findet „Hightech trifft Lebensart“ für die Technologieregion Karlsruhe (TRK) viel passender. Eine „Bambi“-Preisverleihung in der Region wäre schön, sagt der TRK-Geschäftsführer im BNN-Interview, aber man habe ja auch jetzt schon den „Neo“.

Will die Technologieregion bekannter machen: Jochen Ehlgötz ist Geschäftsführer des Bündnisses von Kommunen, Wirtschaft und Wissenschaft. Foto: Rake Hora

Was hinter dem Begriff Technologieregion Karlsruhe (TRK) steckt, ist auch Jahrzehnte nach deren Gründung für viele Menschen nicht greifbar. Dabei läuft einiges bei den 29 Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Kommunen zu Themen rund um Energie, Mobilität und Digitalisierung, wie Geschäftsführer Jochen Ehlgötz sagt.

Im Gespräch mit BNN-Redakteur Dirk Neubauer erklärt er auch, warum der Bayern-Slogan „Mit Laptop und Lederhose“ viel bekannter ist als das Motto der Region.

Die Technologieregion Karlsruhe ist mittlerweile 33 Jahre alt. Wenn jemand von hier im europäischen Ausland sagt, er komme aus der Technologieregion Karlsruhe, schaut er immer noch in erstaunte Gesichter…
Ehlgötz

In erster Linie ging es bei der Gründung der interkommunalen BGB-Gesellschaft darum, zwischen den kommunalen Partnern das nötige Vertrauen zu schaffen, um gemeinsam regional bedeutsame Vorhaben angehen zu können. Die Priorität lag und liegt bis heute nicht darauf, den allgemeinen Bekanntheitsgrad in Europa zu erhöhen.

Es sind ja aber auch Kleinigkeiten: Der Bayern-Slogan „Mit Laptop und Lederhose“ bleibt halt eher in den Köpfen hängen als Ihr Slogan „Hightech trifft Lebensart“, der nicht so prickelnd ist.
Ehlgötz

Da widerspreche ich, weil er hervorragend zu uns passt. Wir hatten damals aber nicht die nötigen Ressourcen, um die Bekanntheit zu erhöhen. Auch deshalb haben wir die TRK weiterentwickelt. Mit der Einbindung von Wirtschaft und Wissenschaft haben wir jetzt deutlich mehr Möglichkeiten.

Hilfreich könnte es doch schon sein, wenn es aus der Region wieder Preisverleihungen wie „Bambi“ oder „Radio Regenbogen Award“ gäbe – mit der Technologieregion als Partner.
Ehlgötz

Das wäre natürlich wünschenswert. Wir haben aber unseren Innovationspreis „Neo“…

… bei allem Respekt, Herr Ehlgötz. Der sagt allenfalls einem Fachpublikum in Hamburg oder München etwas.
Ehlgötz

Genau. Wir konzentrieren uns auf unsere Stärke, die herausragende Wirtschaft und Wissenschaft, die wir in der Region haben, weltweit beim Fachpublikum noch bekannter zu machen und Partner für Projekte zu gewinnen. Unser Auftrag ist es, die Region bei Multiplikatoren in Wirtschaft, Wissenschaft und öffentlicher Hand in den Köpfen zu verankern.

Viele sehen in der Technologieregion vor allem ein Konstrukt, damit Unternehmen und Forschungsstätten bestmöglich an staatliches Forschungsgeld kommen. Ist das etwa falsch?
Ehlgötz

Wir sind Plattform, führen Partner zusammen, um Pilotprojekte zu initiieren und Innovationen auf den Weg zu bringen. Selbstverständlich gehört es daher zu unseren Aufträgen, die Gelder, die wir von unseren Gesellschaftern zur Verfügung gestellt bekommen, zu hebeln. Ein Hebel sind Fördermittel.

Das bringt die Region voran, etwa beim sehr spannenden Projekt „TeTTRIS“, für das uns die EU in drei Jahren mit 200.000 Euro unterstützt. Dabei geht es um Folgendes: Wie können wissenschaftliche Ergebnisse – etwa zu Klimaschutz, Digitalisierung, neuen Mobilitätsformen – so vermittelt werden, dass die Menschen davon begeistert sind? Unsere Arbeit wird hier beispielsweise in Finnland registriert. Oder nehmen Sie unsere Kooperation mit dem ÖPNV-Weltverband UITP. Wir bekommen dadurch Besuch aus Brasilien oder Australien.

Den hatte schon der einstige KVV-Chef Dieter Ludwig in den 1990er-Jahren, als die Fachwelt auf das Karlsruher Modell – Straßenbahnen auch auf ICE-Gleisen – aufmerksam wurde.
Ehlgötz

Das ist richtig, jetzt geht es aber um mehr: Steuerungstechnologie für ÖPNV, die in der Region entwickelt wird, Signaltechnik, Ticketing, Verknüpfung mit anderen Mobilitätsformen. Hier hat sich die Region zu einem weltweiten Hotspot entwickelt.

Dank der Kooperation gibt es auch eine Fort- und Weiterbildungsakademie der UITP in der Region, die vom Straßenbahnführer bis zum ÖPNV-Chef alle anspricht. Ist sie ein Erfolg?
Ehlgötz

Absolut, wir hatten schon Vertreter aus Norwegen, Griechenland und dem Oman hier. UITP-Akademien gibt es beispielsweise auch in Madrid, Singapur, Sydney, Sao Paulo. Wir sind auf Augenhöhe mit solchen Metropolen!

Seit zweieinhalb Jahren existiert ein „Welcome Center für Fachkräfte“ in Karlsruhe. Die Zwischenbilanz?
Ehlgötz

Allein im Jahr 2019 haben wir über 200 Kontakte auf den Weg gebracht. Wir haben Fachkräfte an Unternehmen vermittelt, die dafür keine spezialisierte Personalabteilung haben. Wir haben gesellige Treffen und Austausch für internationale Fachkräfte organisiert. Sie sollen sich hier schließlich wohlfühlen. Ein weiterer Schritt ist, dass wir zu zehn Auslandshandelskammern Kontakt aufgenommen haben – es soll weltweit bekannt werden, welches Potenzial die Technologieregion Fachkräften bietet.

Signalwirkung hat es, wenn sich Konzerne mit ihrem Firmensitz oder deren Management aus der Region verabschieden. L’Oréal, Pfizer, IWKA, zuletzt Michelin sind Beispiele. Kümmern Sie sich auch um deren Chefs, deren Meinung ja bei Standortfragen maßgebend ist?
Ehlgötz

Deshalb sind wir froh, in der Technologieregion Karlsruhe Gesellschafter wie die EnBW zu haben…

…deren Chef Frank Mastiaux in Stuttgart lebt. Wann waren Sie zuletzt mit ihm in Karlsruhe joggen, bei einem Tennismatch oder im Badischen Staatstheater?
Ehlgötz

Ich weiß, auf was Sie hinauswollen. Ja, es stimmt: Wir brauchen eine Struktur, damit es einfacher wird, wichtige Kontakte zu pflegen. Da sind wir dran. Solche Wirtschaftslenker sollen sich nicht nur in der Region wohlfühlen, sondern in aller Welt auch Botschafter der Technologieregion Karlsruhe sein.

Und was ist mit neuen internationalen Investoren?
Ehlgötz

Wenn ich von einem potenziellen Investor erfahre, kann ich innerhalb von 72 Stunden die für ihn wichtigen Akteure zusammenbringen. Wir wollen aber auch hier mit spezialisierten Mitarbeitern die Strukturen schaffen, damit auch aktiv mögliche Investoren auf uns aufmerksam werden. „Invest in Technologieregion Karlsruhe“, so heißt das Stichwort.

Greta Thunberg soll die Technologieregion künftig auch kennen?
Ehlgötz (lacht)

Zumindest haben wir mit 70 Experten eine eigene Klimastrategie entwickelt. „rE-action 1.5“ heißt sie. Es geht darum, das Pariser Klima-Ziel von maximal zwei Grad Celsius hier um 0,5 Grad zu unterbieten. Daran arbeiten wir konkret. In Graben-Neudorf entsteht das Wohnquartier „Neue Mitte“, das in Sachen Energieeffizienz und CO 2 -Freiheit beispielgebend sein wird. Das werden wir internationalen Delegationen zeigen. Wir haben das nötige Know-how in der Region. Und die Region leistet damit ihren Beitrag zur Umsetzung des „Pariser Übereinkommens zur Klimapolitik“ bei.

Seit gut 1.000 Tagen gibt es die Technologieregion in der Rechtsform der GmbH. Neben Kommunen sind nun auch Unternehmen und Wissenschaftsstätten als Gesellschafter mit an Bord. Ihr Vertrag wurde um fünf Jahre verlängert. Ganz kurz: Was haben Sie vor?
Ehlgötz

Viele wissen nicht: Zur Technologieregion gehören auch das Département Bas-Rhin und weite Teile der Pfalz. Wir haben bereits Innovationszentren in Karlsruhe und Bruchsal. In Bühl wird ein weiteres hinzukommen. Dort geht es um Digitalisierung für kleine Unternehmen, aber auch um die Transformation von Automobilzulieferern wie Bosch und Schaeffler.

Ich könnte mir zudem weitere Innovationszentren vorstellen: in der Pfalz und im Elsass. Das ist mir besonders wichtig, ein Innovationsnetzwerk über Rhein und Lauter hinweg zu etablieren.

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