Friedrich Georg Hoepfner bringt nicht nur eine Technik-Affinität mit, er ist auch der Gründer des Cyberforums | Foto: Cath_H

Neue IT-Serie „Digitale Köpfe“

Friedrich Georg Hoepfner hilft als Business Angel

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Die Digitalwirtschaft hat sich zum Jobmotor und wirtschaftlichen Zugpferd der gesamten Region entwickelt. Mit rund 4 400 IT-Unternehmen und 30 000 Arbeitsplätze ist die Technologieregion Karlsruhe eine der größten IT-Regionen Europas. Und die Experten sagen für die Zukunft ein weiteres Wachstum mit Tausenden neuen Arbeitsplätzen voraus. Die BNN nehmen dies zum Anlass, die Macher hinter dieser Entwicklung in der neuen Serie „Digitale Köpfe in der Region“ vorzustellen – von den Vorreitern bis zu den aufstrebenden Jungunternehmern. Den Anfang macht Cyberforum-Gründer Friedrich Georg Hoepfner.

Business-Angel mit Weitblick

Ausgerechnet einen 70-Jährigen als digitalen Vorreiter zu bezeichnen, scheint zunächst mutig. Wer das Büro von Friedrich Georg Hoepfner betritt, fühlt sich ebenfalls nicht direkt im digitalen Zeitalter angekommen. Der Raum in der Villa Hoepfner ist mit viel dunklem Holz verkleidet. Und der Hausherr zeigt dem Gast zunächst ein Buch mit historischen Fotos – auch die sind nicht digital. Das soll also einer der Männer sein, die großen Anteil daran haben, dass Karlsruhe und die nähere Umgebung zu den führenden IT-Regionen in Europa zählen?
Hoepfner schmunzelt ein wenig, als er die Frage hört, ob er sich denn selbst als „digitalen Kopf“ sieht. „Es kommt auf den Vergleich an“, antwortet der ehemalige geschäftsführende Gesellschafter der Privatbrauerei Hoepfner. Verglichen mit den so genannten Nerds, die von morgens bis abends vor dem Rechner sitzen und programmieren, sei er sicher kein digitaler Kopf. Messe man ihn jedoch an anderen Unternehmern, „dann ja“.

„Kein reiner Bierbrauer“

Hoepfner hat sich selbst nie als reinen Bierbrauer gesehen. „Ich habe es zwar im Blut“, sagt der Leiter der Hoepfner-Stiftung. Er habe jedoch die Rolle als „Uomo universale der Renaissance“ angestrebt – „das ist so etwas wie das Gegenteil von einem Fachidiot“, sagt Hoepfner: „Also jemand, der sich mit vielen Dingen beschäftigt und ein bisschen in alles hineinriecht.“

Digitale_Koepfe

Es ist eine recht treffende Beschreibung für Hoepfner selbst. Der Diplom-Kaufmann und Diplom-Braumeister, der bei einem Psychologen promoviert hat, „roch“ schon sehr früh in die digitale Welt hinein. Er war einer der ersten Karlsruher, die sich einen Computer angeschafft haben. Hoepfner war zudem die erste Brauerei, die über eine eigene Webseite verfügte. „Ich habe mich sehr früh mit diesen Dingen beschäftigt“, macht der 70-Jährige deutlich. Als er in den 80ern sogenannte Schreibautomaten in seinem Betrieb einführte, überzeugte er ältere Mitarbeiter, „das moderne Zeugs mitzumachen“, erzählt er.

Frühe Begeisterung für Technik

Die Lust am Neuen hat Hoepfner schon stets in Verbindung mit moderner Technik gebracht. Schon in seiner Studienzeit beteiligte er sich an Start-ups. Er sah sich jedoch weniger als Investor, sondern sieht sich bis heute eher als Business-Angel. „Und Engel haben zwei Flügel. Der eine ist der finanzielle, der andere die fachliche und menschliche Unterstützung.“

 

Hoepfner wollte mitmischen – und musste es manchmal mehr als ihm lieb war. Als er sich an einer Computerleasing-Firma beteiligte, war großer Aufwand für die Anlagebuchhaltung nötig. „Das wollten wir nicht von Hand machen. Da wir schon PCs hatten, haben wir einen Programmierer dafür gesucht.“ Der sei jedoch überraschend vor der Fertigstellung des Programms abgesprungen. Hoepfner brachte sich kurzerhand selbst das Programmieren mit Basic bei – und stellte das Programm fertig. Als IBM sich anschickte mit dem PC den Massenmarkt zu erobern, witterte der Karlsruher sogar ein Geschäft mit dem selbst geschriebenen Programm. „Wir wollten das dann verkaufen, hatten aber damals keine Ahnung, was das bedeutet“, sagt er rückblickend. Die Betreuung der Kunden und die Fehlerbehebung wären viel zu aufwendig gewesen. Nach kurzer Zeit legte man die Verkaufspläne auf Eis.

„Friedrich, du machscht des“

Solche Episoden aus Hoepfners Leben zeigen jedoch, warum auch ein 70-Jähriger heute als digitaler Vorreiter gelten darf. Seine bisher größte Leistung auf diesem Gebiet war die Gründung des High-Tech-Unternehmernetzwerks Cyberforum. Im Urlaub feilte er mit seinem Freund Jakob Karszt an einem Konzept für einen Cyberpark. Der sollte eigentlich „nur im Virtuellen stattfinden“ und junge Gründer mit erfahrenen Unternehmern zusammenführen. Das Konzept wurde kurz nach Ostern 1997 an den damaligen Karlsruher Oberbürgermeister Gerhard Seiler geschickt. Der lud Hoepfner kurze Zeit später zu sich ein. „Er hatte in der linken Hand mein Konzept und schüttelte mir die rechte. Dabei sagte er zu mir: ,Friedrich, du machscht des’.“ Heute hat das Cyberforum mehr als 10 000 Mitglieder. Hoepfner ist Ehrenvorsitzender – und der Beweis dafür, dass digitale Pioniere auch in einer alten Villa, in einem holzvertäfelten Büro sitzen können.

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