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Land hilft Unternehmen

Brexit stellt die Wirtschaft in Baden-Württemberg vor viele Probleme

Der nahende Brexit könnte für viele Unternehmen in Baden-Württemberg zum Problem werden. Doch die Landesregierung sieht auch großes Potenzial für die zukünftigen Wirtschaftsbeziehungen mit Großbritannien. Sie setzt auf Hochtechnologie.

Neue wirtschaftliche Brücken über den Ärmelkanal: Landeswirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU), auf dem Bild bei einem Besuch in Edinburgh im September, will nach dem Brexit die Beziehungen zu Großbritannien ausbauen und sich dabei auf die Hochtechnologien konzentrieren. Foto: Leif-Henrik Piechowski picture alliance/dpa/Wirtschaftsministerium

Auf der Webseite des Netzwerks der Deutschen Industrie- und Handelskammern zählt eine digitale Uhr die verbleibende Zeit bis zum britischen „Goodbye“ herunter. Kurz nach 16 Uhr am Dienstag zeigte sie etwa 23 Tage, 7 Stunden und 45 Minuten an, ehe das Vereinigte Königreich - nach jetzigem Stand - ohne ein Handelsabkommen die EU verlässt und im bislang geordneten Warenverkehr zwischen der Insel und Kontinentaleuropa womöglich ein Chaos ausbricht.

Warnung an die Unternehmen in Baden-Württemberg

Während die zähen Austrittsverhandlungen zwischen der EU und Großbritannien in die entscheidende Phase gegangen sind, fordert die baden-württembergische Landesregierung die Unternehmen im Südwesten dazu auf, sich auf eine schwierige Zeit vorzubereiten. Aber auch nach vorne zu schauen.

Uns verbindet eine starke Basis.
Nicole Hoffmeister-Kraut, Wirtschaftsministerin Baden-Württemberg

Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) mahnt insbesondere die Exporteure im Land, die Briten nicht aufzugeben. „Uns verbindet eine starke Basis. Die Zusammenarbeit mit den britischen Partnern wird auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen“, sagte die CDU-Politikerin am Dienstag auf dem Wirtschaftsforum „BW meets UK“. (übersetzt: „Baden-Württemberg trifft das Vereinigte Königreich“)

Mit dem Brexit steht für das Land viel auf dem Spiel. Im vergangenen Jahr hat der Südwesten Waren im Wert von mehr als zehn Milliarden Euro ins Königreich exportiert. Neben Autos werden bislang vor allem Maschinen und Pharmaproduktion über den Ärmelkanal geliefert. Umgekehrt geht jedes siebte Pfund an britischen Investitionen in Deutschland nach Baden-Württemberg.

Die Angst vor Handelsschranken

„Dass es noch immer keine Einigung zwischen Brüssel und London gibt, ist für unsere Unternehmen äußerst schmerzlich“, bedauerte Wirtschaftsministerin Hoffmeister-Kraut. Auf der halbvirtuellen Konferenz „BW meets UK“ sorgten sich die meisten Wirtschaftsvertreter über die mangelnde Rechtssicherheit, Unklarheiten im Zahlungsverkehr, Zunahme der Bürokratie und vor allem die aufwendige Zollabfertigung, die ab dem 1. Januar 2021 erwartet werden, sollte kein Abkommen in letzter Minute zustande kommen.

In diesem Fall würde das Königreich nach dem Ende der Übergangsphase von der EU wie ein gewöhnliches Drittland behandelt werden. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) erwartet negative Auswirkungen durch Zölle und Handelshemmnisse. Er sieht hierzulande zehntausende Jobs in Gefahr. Die Briten müssen ihrerseits einen Wirtschaftseinbruch und kurzfristig kilometerlange Staus von Lastwagen befürchten, die sich wegen der Grenzkontrollen im Raum Dover bilden könnten.

Es ist nicht in unserem Interesse, die EU zu schwächen.
Jill Gallard, Botschafterin Großbritanniens in Berlin

„Es ist nicht in unserem Interesse, die EU zu schwächen, denn unser wirtschaftlicher Erfolg hängt vom Handel mit der EU ab“, versicherte auf der Konferenz die per Video zugeschaltete britische Botschafterin in Berlin, Jill Gallard. „Ich habe keinen Zweifel daran, dass unsere Länder zu ihrer Stärke zurückfinden werden, nachdem wir das Schlimmste hinter uns gelassen haben“, versicherte per Video aus London der britische Staatssekretär für Handel, Greg Hands.

Tränen nach dem Brexit-Referendum

Der mit einer Deutschen verheiratete, konservative Politiker erzählte, wie sein achtjähriger Sohn nach dem britischen Nein zum Verbleib in Europa beim Referendum 2016 geweint hat. „Er dachte, dass sich sein Vater und seine Mutter jetzt vielleicht trennen müssten. Doch wir haben ihm versichert, dass Deutschland und Großbritannien auf jeden Fall gute Freunde bleiben“, sagte Hands.

Die Freunde wollen sich jetzt nicht nur auf die Brexit-Probleme konzentrieren, sondern die Grundlagen für eine enge und gewinnbringende Zusammenarbeit nach dem britischen Austritt legen. Baden-Württemberg sieht derzeit Anknüpfungspunkte etwa in der Pharma- und Gesundheitswirtschaft, der Digitalisierung und der Entwicklung der Künstlichen Intelligenz.

Zusammenarbeit bei der Elektromobilität

Wirtschaftsministerin Hoffmeister-Kraut sieht zudem in der angekündigten britischen Wende hin zur Elektromobilität ein großes Potenzial für eine Zusammenarbeit mit Zulieferern im Maschinenbau und dem Fahrzeugbau im Südwesten. Als Beispiel dafür, wie Baden-Württemberg und Großbritannien gemeinsam die Mobilität der Zukunft verändern könnten, wurde auf der Konferenz ein Projekt von Bosch und Jaguar/Land Rover zum integrierten Datenaustausch zwischen autonomen Fahrzeugen vorgestellt, das zurzeit in Zentralengland vorangetrieben wird.

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