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Stimmung im Keller

Corona-Lockdown: Einzelhändler in Baden warnen vor Pleitewelle

Dürfen Weihnachtsgeschenke wenigstens abgeholt werden? Ab Mittwoch müssen die meisten Läden schließen. Doch manches ist noch unklar. Bei Einzelhändlern in der Region ist die Stimmung im Keller.

Eine junge Frau sitzt mit ihren Einkäufen auf einer Bank in der Innenstadt. Zum Eindämmen der sich weiter stark ausbreitenden Corona-Pandemie wird das öffentliche und private Leben in Deutschland ab dem 16.12.2020 drastisch heruntergefahren. Foto: Ole Spata/dpa

Die Einzelhändler in der Region stellt der erneute Corona-Lockdown in große Schwierigkeiten „Das ist für uns besonders bitter“, sagt Philipp Schäfer, Chef der Werbegemeinschaft „Achern aktiv“. Seit Sonntag ist klar, dass die meisten Geschäfte ab Mittwoch schließen müssen. Es ist eigentlich die umsatzstärkste Zeit. „Uns fehlen die letzten Tage vor Weihnachten. Und es fehlen die Tage zwischen den Jahren“, klagt Schäfer.

Auch im Einkaufszentrum Ettlinger Tor in Karlsruhe ist die Stimmung am Boden. Die Entscheidung sei sicherlich richtig, um die Pandemie zu bekämpfen, sagt Centermanagerin Anne Klausmann. Aber sie führe natürlich zu Umsatzverlusten bei den Händlern. „Das ist eine Herausforderung für sie, gut durch den Winter zu kommen.“ Nur einzelne Läden im Ettlinger-Tor-Center bleiben geöffnet: Drogerien, Apotheken und der Supermarkt.

„Das Schlimmste ist eingetroffen“, kommentiert der Vorsitzende der Einzelhändler-Initiative Baden-Baden Innenstadt (BBI), Matthias Vickermann, die Beschlüsse zum harten Lockdown. Er habe gehofft, dass die Händler wenigstens noch das für sie äußerst wichtige Weihnachtsgeschäft mitnehmen könnten.

Kundenandrang am Montag

Dass die Kunden ihre Weihnachtseinkäufe nun vorziehen, war am Montag zwar teilweise zu beobachten. In der Ettlinger Innenstadt etwa herrschte ein für den Wochenanfang ungewöhnlicher Andrang. Vor kleineren Geschäften bildeten sich dort Warteschlangen. Doch kein Einzelhändler geht davon aus, am Montag und Dienstag so viel verkaufen zu können, um die ab Mittwoch wegbrechenden Umsätze auszugleichen.

Branchenvertreter fordern daher, dass trotz Ladenschließung wenigstens die Abholung bestellter Waren erlaubt sein soll. Das Thema sei bei den Beratungen von Bund und Ländern am Sonntag noch nicht geregelt worden und müsse jetzt von den Ländern in ihren Verordnungen geklärt werden, so der Handelsverband Deutschland (HDE). Für Baden-Württemberg äußerte sich ein Sprecher der Landesregierung allerdings skeptisch: „Abholmöglichkeiten jenseits der Gastronomie wären kontraproduktiv. Dann stehen die Leute wieder in den Straßen vor den Läden.“

Unterstützung bekommt der Handelsverband von den Branchenriesen. Ein Sprecher der Elektronikketten Media Markt und Saturn betonte, schon in der ersten Corona-Welle habe sich gezeigt, dass es möglich sei, beim Abholen von vorab bestellter Ware den Gesundheitsschutz für Kunden und Mitarbeiter durch speziell eingerichtete Abholstationen zu gewährleisten.

Gleichzeitig biete Click and Collect den stationären Händlern die Möglichkeit, sich in der Krise besser im Wettbewerb gegen reine Onlinehändler zu behaupten. Und es entlaste die Lieferdienste, die vor Weihnachten ohnehin am Anschlag arbeiteten. Auch Deutschlands größter Möbelhändler Ikea drängt darauf, dass dem Einzelhandel „weiterhin ein Abholservice mit kontaktloser Übergabe flächendeckend ermöglicht“ werde.

Hoffnung auf Staatshilfe

Einzelhändler hoffen zudem darauf, mehr Geld aus der Staatskasse zu bekommen. Ohne eine ähnliche Unterstützung, wie sie Gastronomen und Hoteliers erhalten sollen, drohe Anfang des neuen Jahres eine Pleitewelle, sagt Matthias Vickermann aus Baden-Baden. Für November und Dezember hat die Bundesregierung versprochen, den von Zwangsschließungen betroffenen Betrieben 75 Prozent ihres Vorkrisen-Umsatzes zu zahlen. Einzelhändler waren damals jedoch noch nicht dabei.

Deutschlandweit könnten bis zu 250.000 Jobs verloren gehen, wenn der Staat den Händlern nicht massiv unter die Arme greife, warnt der Handelsverband. Vor Ort überwiegt Skepsis: Christian Rissel, Chef der Ettlinger Werbegemeinschaft, bezweifelt, dass der stationäre Handel mit der von der Politik versprochenen Unterstützung rechnen kann.

Besonders die Modehändler leiden seit Beginn der Corona-Krise unter starken Einbußen. Michael Zeibig, der die Bruchsaler Filiale des Modehauses Jost leitet, geht davon aus, dass sich das kurz vor der erneuten Schließung nicht mehr ändert. „Die Feste fallen ja flach. Daher brauchen die Leute keine große Festgarderobe“, so Zeibig. Was gefragt ist, sind aber die klassischen Geschenke: Socken, Wäsche und Gutscheine. Einen Kurz-vor-Schluss-Ansturm werde es nun eher auf Elektronik oder Spielwaren geben.

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