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Gute Geschäfte mit der Privatkundschaft

Corona sorgt für schöne Zahlen und Sorgenfalten bei den Gärtnern

Trotz Corona gibts für Garten- und Landschaftsbauer weiterhin Aufträge von Privatkunden. Anders sieht es bei den Vereinen aus, die nicht in Sportplätze investieren. Und neuerdings zaudern auch die Städte.

Jetzt wird gepflanzt: Die Garten- und Landschaftsbauer sind bislang gut durch die Corona-Krise gekommen. Sorgenfalten haben sie dennoch. Foto: Rake Hora

Wo besteht mit die geringste Gefahr für die Gesundheit, wenn Großeltern ihre Enkel sehen wollen? Im Garten. Wo wollen die Menschen Urlaubs-Feeling, wenn in Corona-Zeiten ihre Reise ausfällt? Ebenfalls im heimischen Grün. „Wir sind, verglichen mit anderen Branchen, sehr gut durch dieses Jahr gekommen“, sagt Reiner Bierig im BNN-Gespräch. Der Geschäftsführer des Verbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Baden-Württemberg (GaLa-Bau) rechnet in diesem Jahr im Südwesten mit einem Umsatzplus von bis zu sieben Prozent – 2019 wurden 1,7 Milliarden Euro erlöst. Dabei werde der Anteil, den die Privatkundschaft am Gesamtumsatz hat, auf 62 Prozent zunehmen.

„Lieber einen heimischen Kalkstein als den Chinesen-Granit.“
Philipp Erhardt, Vorstandsmitglied GaLaBau

Es bleibe der Trend zum „Garten als erweitertem Wohnzimmer“ – zumal sich dort auch per Laptop arbeiten lasse. GaLa-Bau-Vorstandsmitglied Philipp Erhardt erkennt zudem, dass sich die Menschen bei der Gestaltung ihrer Privatgärten wieder auf Regionalität besinnen. Das heißt beispielsweise: heimische Stauden, in denen die Bienen fleißig summen, und für die Natursteinmauer „lieber einen heimischen Kalkstein als den Chinesen-Granit“. Immer mehr Kunden sei bei den trockener werdenden Sommern ein Gesamtkonzept für den Garten wichtig – etwa mit Beregnungsanlage und Mähroboter.

Wer im Frühjahr vom Profi sein heimisches Grün anlegen oder umgestalten lassen will, sollte sich übrigens sputen. Vier bis viereinhalb Monate Vorlauf seien in der Branche üblich, verdeutlicht Bierig. Solche Wartezeiten sind aus Erhardts Sicht bei der gebotenen Qualität auch kein Problem. „Auf einen Mercedes muss ich auch warten.“ Die beiden Fachleute befürchten mittelfristig keinen Umsatzeinbruch bei der Privatkundschaft durch einen Corona-Vorzieheffekt. „Bei uns wächst ja etwas“, sagt Bierig und spricht damit die nötige Pflege der Pflanzen an. Erhardt erwähnt, dass die Erbengeneration weiter für Aufträge sorgen werde.

Doch die Privatleute sind für die Branche nur ein Teil der Kundschaft. Den Vereinen geht es bekanntlich nicht gut. „Der Neubau von Sportanlagen ist eingebrochen“, sagt Bierig und spricht damit beispielsweise Tennisplätze, Tartanbahnen oder Fußballplätze an. Unterschiedlich zu sehen sei die Lage bei den gewerblichen Kunden. Vor allem die Automobilbranche hat Investitionen gestoppt – mit Auswirkungen auch auf die Garten- und Landschaftsbauern. In Karlsruhe hingegen mit seinem breiten Branchenmix sehe es besser aus.

Mit Sorge betrachten die Branchenvertreter die Auftragsvergabe durch die öffentliche Hand. Die Kommunen „bremsen mittlerweile regelrecht Investitionen aus“, stellt Bierig fest – trotz Investitionsprogrammen des Bundes. Das wirke sich aus: Hätten sich in der Boomphase zwei oder drei Firmen um Aufträge bemüht, seien es jetzt schon mal 15 – auch „Branchenfremde wie Tief- und Straßenbauer gehen rein“.

Bierig und Erhardt appellieren an den Staat, weiterhin ins kommunale Grün zu investieren. „Klimaschutz und Grünpolitik, das lässt sich nicht trennen. Da haben wir als Branche Lösungen“, spricht Bierig beispielsweise Grünflächen, Frischluftschneisen und Regenrückhaltungsmaßnahmen an. Die Gemeinden und Städte müssten aber auch bereit sein, dafür zu investieren.

Nachwuchs auch für solche Herausforderungen hat die Branche. Bierig spricht von zuletzt 600 neuen Ausbildungsverträgen. „Die Qualität der Auszubildenden steigt“, zeigt sich Erhardt zufrieden. „Es sind übrigens auch viele Studienabbrecher dabei.“

Und was läuft derzeit im Garten? „Die Gartenbauer überrennen momentan die Baumschulen. Jetzt ist Pflanzzeit“, sagt Bierig. Im Frühjahr zu pflanzen, sei heikel geworden, weil es mittlerweile zu wenige Niederschläge gibt. Erhardt: „Bei allem, was wir bis Mitte März nicht im Boden haben, müssen wir kämpfen, damit wir die Pflanzen durchkriegen.“



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