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Jahresrückblick: Von Grenke bis zum Baden-Airport

Corona und die regionale Wirtschaft: Firmen im Krisenmodus

Corona ist für viele Unternehmen in der Region schlichtweg eine Katastrophe. Nur wenigen Firmen geht es gut. Ein ganz anderes Problem hat die Baden-Badener Grenke AG.

Kämpft um sein Lebenswerk: Die Baden-Badener Grenke AG von Wolfgang Grenke wurde von dem britischen Spekulanten Fraser Perring attackiert. Nun prüft unter anderem die Finanzaufsicht BaFin die Vorwürfe. Foto: Marijan Murat/dpa

Corona war und ist auch für viele Unternehmen in der Region keine Krise, sondern eine Katastrophe: Vor allem Hoteliers, Gastronomen, Einzelhändler und Messedienstleister leiden, auch wenn nicht jeder einzelne von ihnen Schlagzeilen gemacht hat – dafür sind schlichtweg zu viele Firmen betroffen.

Die Messe Karlsruhe musste im Frühjahr ihre Garten- und Lifestylemesse Inventa absagen – die ersten Showgärten waren da schon im Aufbau. Im Herbst setzte das Unternehmen auf einen Neustart mit der offerta, musste aber auch die größte Verbrauchermesse der Region kurz vor der Eröffnung abblasen. Die Stadt Karlsruhe als Gesellschafterin wird nach dem nahezu ausgefallenen Messejahr massive Verluste auffangen müssen.

Corona ist auch schuld an den Miesen, die der Baden-Airport in seinen Büchern haben wird. Dessen Chef Manfred Jung hätte sich seinen Wechsel in den Ruhestand anders vorgestellt.

Auch viele Automobilzulieferer in der Region traf die Pandemie mit voller Wucht: Bosch, Schaeffler, PWO, Witzenmann reagierten mit Kurzarbeit und bauen teilweise Stellen ab. Daimler hat sich nach Werksschließungen und Kurzarbeit mittlerweile berappelt, auch weil Corona im wichtigen Markt China vorbei zu sein scheint. Zudem fördert der Staat die Automobilbranche mit einem neuen Programm. Der Konzern mit dem Stern zahlte nun seinen Mitarbeitern 1.000 Euro steuerfreie Corona-Prämie. Freilich ist Geld nicht alles: Daimler will konzernweit Stellen streichen.

Die EnBW behauptet sich

Es gibt aber auch etliche Unternehmen, die gut durch die Corona-Krise kommen: Dazu zählt beispielsweise die EnBW, der größte Konzern mit Sitz im BNN-Verbreitungsgebiet. Ambivalent war es bei dm-drogerie markt, der Nummer zwei. Dort lief es in Standorten auf der grünen Wiese gut, nicht aber in Innenstadt-Filialen.

Weil die Menschen kaum reisen konnten oder wollten, schätzten sie Haus und Garten wieder mehr: Entsprechend liefen die Geschäfte beim badischen Fertighaus-Pionier WeberHaus rund, ebenso bei Betreibern von Baumärkten in der Region, aber auch bei Unternehmen wie Klaiber-Markisen. Teilweise waren oder sind die Auftragsbücher dick gefüllt.

Unternehmen aus der Region helfen beim Kampf gegen Corona

Im Kampf gegen Corona wirkten 2020 auch Unternehmen aus der Region mit: Von der Stratec SE aus Birkenfeld kommt Analysetechnik, mit der sich das Virus nachweisen lässt. Herrmann Ultraschall aus Karlsbad zählt beispielsweise zu den Firmen, mit deren Technologie in vielen Ländern Schutzmasken hergestellt werden. Entsprechende Medizinprodukte liefert auch die Firma DACH aus Rastatt.

Gut zu tun haben die Kreditberater und Kreditsachbearbeiter der regionalen Banken – sie sind erster Ansprechpartner von Unternehmen, die Hilfen der staatlichen KfW-Bank oder der Karlsruher L-Bank in Anspruch nehmen wollen.

Einige Genossenschaftsbanken treiben das Fusionskarussell voran: Die Volksbanken in Offenburg und Villingen-Schwenningen wurden bereits verschmolzen. Fusionieren wollen zudem die Volksbanken Karlsruhe und Baden-Baden/Rastatt. Abgeschafft haben die Sparda-Bank Baden-Württemberg, die PSD-Bank Karlsruhe-Neustadt und die BBBank ihre kostenlosen Girokonten. In Corona-Zeiten flutet die EZB weiter die Märkte mit billigem Geld, den entsprechenden Kostendruck bekommen Kreditinstitute in der Region mehr denn je zu spüren.

Dann wäre da noch Spekulant Perring und die Grenke AG

Am Spektakulärsten im regionalen Wirtschaftsgeschehen war freilich die Attacke des britischen Spekulanten Fraser Perring auf die Baden-Badener Grenke AG. Eine ganze Latte an Vorwürfen traf das Unternehmen unvorbereitet.

Der Kurs ging in den Sturzflug. Die Baden-Badener sind mittlerweile vom MDAX in den SDAX abgestiegen und weiter im Krisenmodus. Unternehmensgründer Wolfgang Grenke kämpft dabei auch um seine Reputation – die Unternehmer stärkten dem Präsidenten der Industrie- und Handelskammer Karlsruhe bei der Wahl der Vollversammlung aber jüngst den Rücken. Die Finanzaufsicht BaFin prüft noch bei der Grenke AG, entlastende Aussagen gibt es bereits von anderen Gutachtern, und das Unternehmen selbst will sein nach wie vor umstrittenes Franchisemodell ändern.



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