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Badener konzentrieren sich auf ihr Kerngeschäft

Cronimet hat Minen in Armenien und in Südafrika verkauft

Cronimet hat die Minen in Armenien und in Südafrika verkauft. Das Karlsruher Familienunternehmen will sich auf sein Kerngeschäft - dem Recycling etwa von Edelstahl - konzentrieren. Erfahrungen aus dem Bergbau sollen allerdings in Südkorea und in Australien genutzt werden - letztlich für mehr Ressourceneffizienz.

Weltweit die Nummer eins beim Edelstahl-Recycling: Die Karlsruher Cronimet-Gruppe hat im vergangenen Jahr 1,4 Millionen Tonnen rund um den Globus an Edelstahlwerke geliefert. Mittlerweile gibt es 74 Niederlassungen. Foto: Rake Hora

Viele Jahre lang war es eine Kuriosität: Ein Karlsruher Familienunternehmen besitzt eine 3,5 Kilometer lange und bis zu 1,5 Kilometer breite Mine in Armenien. Mit über 4.000 Mitarbeitern war Cronimet der größte private Arbeitgeber und wichtigste Steuerzahler in dem Land.

Ende des vergangenen Jahres hat die Cronimet Mining AG die Mine im Kaukasus und eine weitere in Südafrika (dort mit rund 500 Mitarbeitern) an jeweils lokale Investoren verkauft. Das sagt Cronimet-Gesellschaftter Jürgen Pilarsky im Gespräch mit dieser Zeitung. Zu den Kaufpreisen habe man Stillschweigen vereinbart.

Das Familienunternehmen wolle sich auf sein Kerngeschäft – dem Recycling etwa von Edelstahl – konzentrieren. Investitionen in Minen seien sehr kapitalintensiv. Pilarsky: „Man bewegt sich da in einem Geschäftsfeld mit Weltkonzernen wie Glencore und Rio Tinto.“

In Armenien produzierte Cronimet Molybdän- und Kupferkonzentrat, in Südafrika ging es um Chromerz. Die Mining AG erlöste 2018 umgerechnet rund 431,5 Millionen Euro. Die Schwestergesellschaft der Cronimet-Holding solle abgewickelt werden.

Cronimet ist jetzt auf allen Kontinenten vertreten - bis auf die Antarktis

Das Know-how aus dem Minengeschäft wollen die Karlsruher allerdings weiterhin nutzen: Sie haben sich Lizenzen an stillgelegten Wolfram-Minen in Südkorea und in Australien gesichert. Damit sind sie nun – abgesehen von der Antarktis – mit ihren 74 Standorten auf allen Kontinenten vertreten.

Insgesamt hat die Holding jetzt 1.651 (2018: 1.654) Mitarbeiter. Das sehr schwere Wolfram ist extrem hart und vielseitig einsetzbar, „vom Bohrer beim Zahnarzt bis zur Tunnelvortriebsmaschine“, sagt Pilarsky. 80 bis 90 Prozent des Wolframs würden derzeit in China abgebaut.

Riesige Mine: Cronimet war bislang auch für die eigene Mine in Albanien bekannt. Diese und eine weitere Mine in Südafrika haben die Karlsruher nun verkauft. Foto: Cronimet

In den Minen in Australien und Südkorea gibt es noch Halden mit Rohstoffen, die bislang ungenutzt sind. Nun gibt es aber neue Technologien, die eine Verwendung sinnvoll machten. „Die Materialien werden nochmals sortiert und aufkonzentriert“, erklärt der Unternehmer. „Wichtig ist es uns, die Ressourcen-Effizienz zu erhöhen“, ergänzt Cronimet-Geschäftsführerin Annette Gartner.

Hier sieht sie generell Chancen für die Unternehmensgruppe – auch wenn die Klimadebatte aktuell durch die Corona-Krise verdrängt wurde. Das Umweltbewusstsein nehme zu. Bei Verwendung von recycelten Stählen lasse sich die Kohlendioxid-Bilanz massiv verbessern.

Wir bleiben beim Thema Metall
Annette Gartner, Cronimet-Geschäftsführerin

Risiken, die die Branche – also auch Cronimet-Kunden – beschäftigen würden, sei Chinas Marktmacht beim Edelstahl. Die Globalisierung sei eine Herausforderung für die Logistiker. Cronimet wolle weiter organisch – also ohne Zukaufstrategie – wachsen. Man bleibe beim Thema Metall und schaue, wo man mit neuen Geschäftsfeldern „daran andocken kann“, sagt Gartner.

Cronimet ist laut Pilarsky weltweit die Nummer eins im Edelstahl-Recycling. Die Unternehmensgruppe erlöst 72 Prozent mit Edelstahl, 15 Prozent mit Speziallegierungen, wie sie etwa die Luftfahrtindustrie und die Medizintechnik-Branche brauchen. Neben dem Recycling ist Cronimet Händler und Serviceanbieter, etwa bei der Analytik.

Luftfahrt als kleine, aber feine Spezialität

Eine kleine, aber feine Spezialität der Badener ist ihre Tätigkeit im Bereich Luftfahrt. Cronimet bietet Airlines und luftfahrttechnischen Instandhaltungsbetrieben weltweit Entsorgungs- und Recyclinglösungen an.

Im Geschäftsjahr 2019 kam die Holding auf ein Betriebsergebnis von 35 (2018: 42) Millionen Euro. Erlöst wurden 2,2 (zuvor: 2,4) Milliarden Euro. Zum Jahresüberschuss macht das Unternehmen keine Angaben. Weltweit wurden an Edelstahlwerke 1,4 Millionen Tonnen geliefert – nach Pilarskys Worten war dies nahezu der Rekordwert aus dem Vorjahr.

Prozesse habe man optimiert, SAP eingeführt, Rohstoffpreise sichere man, wann immer möglich, zu 100 Prozent ab. „Wir haben uns extrem vernetzt“, sagt Gartner über die Mitarbeiter an den Standorten. Mengenströme ließen sich so viel besser steuern als in früheren Jahren.

Cronimet ist ein Global Player – und Corona grassiert weltweit. „Das erste Quartal war noch nicht von Corona beeinflusst“, blickt Pilarsky zurück. In den folgenden drei Monaten habe man eine „schwarze Null“ geschrieben. Mit einer solchen rechne er stand heute auch, wenn das aktuelle Geschäftsjahr komplett ist.

Ein Bankenkonsortium, bestehend aus zwölf deutschen und europäischen Banken, hat jetzt den bestehenden Konsortialkreditvertrag um ein weiteres Jahr verlängert. Der Kredit über 575 Millionen Euro sichere die Geschäftstätigkeit der Cronimet-Holding-Gruppe bis weit in das Jahr 2023 hinein.

Karlsruhe bleibt Stammsitz der Unternehmensgruppe, die Pilarskys Vater Günter 1980 gegründet hat. Einem breiten Publikum ist er als Vizepräsident des Karlsruher SC bekannt. Am Cronimet-Standort Karlsruhe arbeiten 258 Beschäftigte – unter anderem in dem Werk, in das zu Stoßzeiten 80 Laster pro Tag hin- oder wieder wegfahren.

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