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Standorte Gaggenau und Wörth

Daimler-Betriebsräte warnen vor massivem Stellenabbau in Lkw-Werken

Beim Auftaktgespräch zu Verhandlungen über die Zukunft der einzelnen Daimler-Truck-Standorte in Gaggenau, Kassel, Mannheim und Wörth sei laut Betriebsräten von dem Schreckensszenario einer „Halbierung der heutigen Mannschaft“ die Rede gewesen.

Im Elektro-Lkw keine Zukunft: Im Mercedes-Benz Werk Gaggenau werden Getriebe für Nutzfahrzeuge gebaut. Foto: Daimler AG

An den deutschen Standorten der Daimler-Lastwagen-Sparte droht laut Betriebsräten ein drastischer Personalabbau. Das habe der Autokonzern beim Auftaktgespräch zu Verhandlungen über die Zukunft der einzelnen Werke deutlich gemacht, schreiben die Betriebsräte der Daimler-Truck-Standorte Gaggenau, Kassel, Mannheim und Wörth. „Ein Beschäftigungsszenario sieht gar eine Halbierung unserer heutigen Mannschaft vor.“

Im Mercedes-Benz-Werk Gaggenau sind derzeit 6.360 Mitarbeiter beschäftigt, am Standort Wörth 10.326. Die Halbierung der Mitarbeiterzahlen sei „aus unserer Sicht zwar ein unwahrscheinliches Szenario“, heißt es in dem gemeinsamen Papier der vier Betriebsräte, „aber es macht deutlich, dass dringendes Handeln notwendig ist.“

Wir sind in intensiven Gesprächen mit dem Betriebsrat. Aber das sind interne Gespräche, die wir nicht kommentieren möchten.
Stellungnahme der Daimler-Truck AG

Das vierseitige Schreiben trägt den Titel „Kahlschlag droht!“ und ist an die Belegschaft vor Ort gerichtet. Von Unternehmensseite gab es dazu keinen Kommentar. Das kolportierte Schreckensszenario wurde also weder bestätigt noch dementiert. „Im Moment werden Zielbilder für die einzelnen Standorte verhandelt“, sagte eine Sprecherin der Daimler Truck AG. „Wir sind in intensiven Gesprächen mit dem Betriebsrat. Aber das sind interne Gespräche, die wir nicht kommentieren möchten.“

Warnung vor dem „Hype um die Elektrifizierung“

Wie in der gesamten Automobilindustrie ist auch bei den Lastwagen der Wandel zu emissionsarmen Antriebsformen das beherrschende Thema. „Wir wissen, die Zukunft wird aus anderen, alternativen Antrieben bestehen, wir wissen, dass es in Richtung Batterien bzw. Brennstoffzelle gehen wird“, schreiben die Betriebsräte dazu.

„Aber wir weisen eindringlich darauf hin, dass zum einen die entsprechende Infrastruktur erst noch wachsen und gefördert werden muss und zum anderen, dass Verbrennungsmotoren eine gewisse Zeit weiterhin eine Rolle spielen werden.“ Die verantwortlichen Politiker und Konzernlenker warnen sie deshalb ausdrücklich davor, „den Hype um die Elektrifizierung weiter anzuheizen“.

Wörth hat wohl bessere Karten als Gaggenau und Mannheim

Dahinter steckt die Sorge, dass Daimler seine künftigen Elektro-Lastwagen mit deutlich weniger Personal herstellt. Das träfe vor allem die Werke Gaggenau und Mannheim, wo derzeit Getriebe und Verbrennungsmotoren produziert werden. Beides bräuchte man dann nicht mehr. Die Lkw-Fabrik im pfälzischen Wörth hat hingegen bessere Karten. Denn dort findet die Endmontage der Fahrzeuge statt, die auch bei neuen Antriebstechniken notwendig ist.

Im Mercedes-Benz Werk Wörth werden Lastwagen montiert. Foto: Daimler AG

Eine im September bekannt gemachte Standortentscheidung stimmt die Belegschaft in Wörth daher eher zuversichtlich: Ab kommendem Jahr soll dort der eActros serienmäßig vom Band laufen. Es ist der erste batterie-elektrische Lastwagen von Mercedes-Benz.

IG Metall startet kommende Woche eine Protest-Kampagne

Kommende Woche wollen die Betriebsräte aller Truck-Standorte gemeinsam mit der Gewerkschaft IG Metall die Kampagne „Solidarität gewinnt“ starten. Mitarbeiter werden dazu aufgefordert, Protestnoten gegen den geplanten Stellenabbau in Postkarten-Form zu schreiben. Der Betriebsrat will sie sammeln und an die Unternehmensleitung weitergeben. „Es dürften mehrere Tausend Postkarten zusammenkommen“, erwartet Michael Brecht, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats bei Daimler und gleichzeitig Chef des Betriebsrats im Werk Gaggenau.

Wir erwarten ein deutliches Bekenntnis zu unseren Standorten.
Michael Brecht, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats bei Daimler und Chef des Betriebsrats im Werk Gaggenau

„Wir wollen nicht gleich mit dem Hammer draufschlagen, sondern eine konstruktive Debatte über die Zukunft unserer Werke erreichen“, betont Brecht. Von Streiks will er zu diesem Zeitpunkt daher noch nicht sprechen. Klar sei aber auch: „Unsere Kampagne ist eskalationsfähig.“ Man erwarte vom Unternehmen ein „deutliches Bekenntnis zu unseren Standorten“. Die Stimmung in der Belegschaft sei „mehr als angespannt“. Es herrsche „Wut und Enttäuschung“.

Thomas Zwick, Betriebsratsvorsitzender in Wörth, beklagt, dass für sein Werk die Zielbild-Verhandlungen noch gar nicht begonnen hätten. „Wir wollen gerne darüber reden, wohin die Reise geht. Denn die Mitarbeiter brauchen Klarheit. Aber wir haben bis heute keinen Gesprächstermin“, so Zwick. An der Protest-Aktion beteilige man sich auch aus Solidarität mit den anderen Standorten.

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