Der Konzern mit dem Stern bietet 60000 betrieblichen Versorgungsempfängern die Auszahlung der Betriebsrente als Einmalbetrag an. Unser Bild zeigt das Daimler-Verwaltungsgebäude in Gaggenau. | Foto: A. Meier

Betriebsrente als Einmalbetrag

Daimler-Rentner haben jetzt die Wahl

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Rund 60 000 Daimler-Rentner und deren Hinterbliebene erhalten in diesen Tagen Post aus der Konzernzentrale in Stuttgart. Denjenigen Betriebsrentenempfängern, die vor 2005 in den Ruhestand gegangen sind, wird in dem Schreiben die Möglichkeit angeboten, ihre betrieblichen Altersversorgungsansprüche in einem Betrag komplett auszahlen zu lassen.

„Einmalige Aktion“

Das Angebot des Konzerns mit dem Stern ist befristet; zudem handelt es sich laut des Schreibens um „eine einmalige Aktion“, weitere Angebote eventuell zu einem späteren Zeitpunkt werden nicht in Aussicht gestellt. Unterschrieben ist der Brief von Personalvorstand Wilfried Porth und Michael Brecht, Betriebsratsvorsitzender in Gaggenau und Vorsitzender des Daimler-Gesamtbetriebsrats. Brecht weist auf BNN-Nachfrage auf eine Lücke hin, die nunmehr geschlossen werde: „Seit vielen Jahren fragen ehemalige Beschäftigte immer wieder, ob sie das Geld auch auf einen Schlag haben könnten, etwa wenn sie eine große Anschaffung planen oder ins Ausland gehen wollen. Jetzt bieten wir dies auch denjenigen an, die es bisher nicht machen konnten.“

Jetzt gleiches Recht für alle

Hintergrund: Daimler-Rentner ab dem Ruhestandsjahrgang 2005 oder später können bereits von einem Wahlrecht – Einmalbetrag oder lebenslange Rente – Gebrauch machen; für die früheren Jahrgänge war bisher ausschließlich die laufende Rentenzahlung möglich. Vom „gleichen Recht für alle“ spricht auch Udo Roth, Betriebsratsvize im Mercedes-Benz-Werk Gaggenau. Das Unternehmen sei in diesem Sinne auf die Arbeitnehmervertretung zugegangen. Die ersten „Rückmeldungen“ seien bereits im Betriebsratsbüro eingegangen; die Menschen erbitten Ratschläge, wie sie sich verhalten sollen.

Betriebsrat gibt keine Empfehlung

Sowohl Brecht wie auch Roth wollen aber keine pauschale Empfehlung aussprechen: Die Entscheidung hänge von der persönlichen Situation ab, wobei man sich hier naturgemäß auch mit der Frage der Lebenserwartung befassen müsse. Und es gilt sorgfältig zu rechnen: Denn vor der Auszahlung des einmaligen Kapitalbetrags werden die hierauf entfallenden Steuern (Lohnsteuer, Solidaritätszuschlag, eventuell Kirchensteuer) vom „Brutto“ abgezogen und von Daimler direkt an das Finanzamt abgeführt. Zudem muss der Empfänger Beiträge an die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung leisten.

Pensionskasse ist sehr gut gefüllt

Welchen Vorteil zieht das Unternehmen daraus, wenn es durch die Einmalzahlung eine bestimmte Zahl von Betriebsrentnern quasi „aus den Büchern herausnehmen“ kann? Schließlich werden doch damit die notwendigen Rückstellungen, deren Höhe in schlechten wirtschaftlichen Zeiten zu einem Problem für eine Firma werden könnte, abgesenkt. So wurden etwa in den USA bei Chrysler und Ford zur Zeit der Wirtschafts- und Finanzkrise die hohen Pensionsrückstellungen zur großen Belastung. Betriebsratschef Brecht wehrt ab: Ein vergleichbares Risiko gebe es bei Daimler definitiv nicht; die Pensionskasse sei hervorragend gefüllt und weise eine der höchsten Ausfinanzierungsgrade unter allen Unternehmen auf („Daimler ist die Benchmark in der Bundesrepublik“) – sogar die späteren Betriebsrentenansprüche der heutigen Berufsanfänger seien zum Gutteil bereits finanziert, betont Brecht.

Option auf Jahreswagen bleibt

Wählt ein Betriebsrentner jetzt die Auszahlvariante, sind damit laut Daimler sämtliche Leistungen aus der Versorgungszusage abgegolten, auch die Hinterbliebenenrente. Ein anderes „Schmankerl“ aber bleibt erhalten: Die lukrativen Konditionen aus dem Firmenangehörigengeschäft („Jahreswagen“) bestehen fort.