Martin Daum, Vorsitzender Vorstand der Daimler Truck AG, will Vergünstigungen für elektrisch betriebene Lastwagen.
Martin Daum, Vorsitzender Vorstand der Daimler Truck AG, will Vergünstigungen für elektrisch betriebene Lastwagen.

eActros in Wörth im Gespräch

Daimler-Truck-Manager fordert Maut-Rabatt für Elektro-Lkw und will 300 Millionen Euro Personalkosten senken

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Der Vorstandsvorsitzende der Daimler Truck AG, Martin Daum, fordert „staatliche Lenkungseingriffe“, um den Betrieb von Elektro-Lastwagen wirtschaftlich zu machen. „Ich gehe davon aus, dass auch im Jahr 2040 der Betrieb eines CO2-freien Fahrzeugs teurer sein wird als der eines Diesel-Lkw. Diese Differenz muss man ausgleichen“, sagte Daum.

Rainer Schmitt hat mit dem eActros bisher gute Erfahrungen gemacht. Seine Spedition aus Bietigheim (Landkreis Rastatt) zählt zu den wenigen Daimler-Kunden, die den neuen Elektro-Lastwagen bereits im Testbetrieb fahren. „Unsere Fahrer sind begeistert“, berichtete Schmitt am Dienstag bei der Jahrespressekonferenz der Daimler Truck AG in Stuttgart-Untertürkheim. „Ihnen gefällt die geringere Geräuschentwicklung und dass es keine Schaltunterbrechungen gibt. Das ist ein ganz anderes Fahren.“

Der eActros, ein rein Batterie-elektrisch betriebener Lkw, soll kommendes Jahr in die Serienfertigung gehen. Als Produktionsstandort ist das Mercedes-Benz-Werk in Wörth im Gespräch. Doch eine endgültige Zusage gibt es für die Pfalz noch nicht.

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Der für die Lkw-Sparte zuständige Daimler-Vorstand, Martin Daum, machte deutlich, dass er keine Alternative zum Umstieg vom Diesel auf den Elektroantrieb sieht. Wobei er damit nicht nur die Batterie-, sondern auch die Brennstoffzellentechnik meinte. „Je länger und unbekannter die Strecke und je schwerer die Last, desto eher ist die Brennstoffzelle gefragt“, sagte Daum. Daimler habe bereits viel Entwicklungsarbeit in diesen Wasserstoff-Elektroantrieb gesteckt. „Doch bisher hat sich kein Markt für diese Technik gebildet.“

Umstieg muss sich für die Kunden rechnen

Damit das anders wird, forderte Daum „staatliche Lenkungseingriffe“. Die Klimaschutzziele der Europäischen Union seien nur dann zu erreichen, wenn es sich für die Daimler-Kunden wirtschaftlich lohne, auf Elektrofahrzeuge zu setzen. „Ich gehe davon aus, dass auch im Jahr 2040 der Betrieb eines CO2-freien Fahrzeugs teurer sein wird als der eines Diesel-Lkw. Diese Differenz muss man ausgleichen.“

Der aus Karlsruhe stammende Daimler-Manager schlug vor, die Lkw-Maut „konsequent europaweit auf ein CO2-basiertes System“ umzustellen. Sprich: Wer mit einem Batterie- oder Brennstoffzellen-Laster unterwegs ist, soll weniger für die Straßennutzung bezahlen. „Wir sind intensiv im Dialog mit Brüssel“, sagte Daum. „Ich bin zuversichtlich, dass wir da zu einer guten Lösung kommen.“

Das zurückliegende Geschäftsjahr bezeichnete er als „solide“. Daimler Trucks hat im ersten Halbjahr 2019 sehr gute Geschäfte gemacht. Besonders auf dem wichtigen nordamerikanischen Markt. Doch im Sommer kam es zu abrupten Auftragsrückgängen. Martin Daum betonte, dass dies eine „Normalisierung“ teilweise überhitzter Märkte gewesen sei.

Weniger als 500.000 Lkw verkauft

Weltweit hat Daimler Trucks im vergangenen Jahr 488.500 Fahrzeuge verkauft. Das ist ein Rückgang um sechs Prozent gegenüber dem Rekordjahr 2018. „500.000 ist für uns eine magische Linie, die haben wir unterschritten“, sagte Daum. „Das hat konjunkturelle Gründe. Es ist keine Krise, schon gar keine Super-Krise wie 2009, aber wir müssen uns anpassen.“ Es gehe um strukturelle Veränderungen, die hunderte kleinerer Maßnahmen umfassen. Werke müssten modernisiert und Kosten reduziert werden. Beim Personal will Daimler Trucks bis zum Jahr 2022 in Europa 300 Millionen Euro einsparen.

Trotz gesunkenen Absatzes erzielte Daimler Trucks 2019 noch mehr Umsatz als im Vorjahr: 40,2 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis ging auf rund 2,5 Milliarden Euro zurück, blieb aber das dritthöchste überhaupt.

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