Wasserstoff im Tank ist immer noch eine absolute Randerscheinung im Autoverkehr. | Foto: dpa

Brennstoffzelle in der Nische

Das Wasserstoff-Auto lässt auf sich warten

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Die Entwicklung geht in die richtige Richtung: In Deutschland gab es 2018 weniger Stickstoffdioxid-Grenzwert-Sünder als noch im Jahr 2017. Dennoch bleibt das Abgas-Problem überaus aktuell – vor allem für die deutsche Autoindustrie. Deren Antwort darauf lautet vor allem Elektromobilität. Die Stromer sollen die Lösung in Sachen Klima und zugleich für die Branchenkrise sein. Ein anderer Ansatz findet jedoch kaum Beachtung.

Um die Themen Wasserstoff und Brennstoffzelle ist es bei Daimler, Volkswagen oder BMW verdächtig ruhig geworden. Aber warum eigentlich?

KIT-Experte Sax sieht Potenzial

Eric Sax, Leiter des Institut für Technik der Informationsverarbeitung (ITIV) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), hat mehrere Antworten auf diese Frage. Der ehemalige Daimler-Manager verweist auf Anfrage vor allem auf die gewachsenen Strukturen in den Konzernen: „Es ist wie bei einer erfolgreichen Fußballmannschaft. Da sonnt man sich leider zu lange im Erfolg und hofft, mit bestehender Technologie ohne großen Invest weiter erfolgreich zu sein.“ Aktionäre hätten zudem wenig Verständnis für sehr langfristige Überlegungen. Und dazu ist die Brennstoffzellen-Technik laut Sax zu zählen.

Wasserstoff in Verbindung mit der Brennstoffzelle müsse zunächst aus der Nische herauswachsen. Sax sieht viel Potenzial, gerade in der Kombination mit einer Batterie an Bord eines Fahrzeugs – beispielsweise zur Verlängerung der Reichweite. „Das Brennstoffzellenauto ist ja ein Elektroauto, nur dass die elektrische Energie aus der Brennstoffzelle und nicht aus der Batterie kommt“, macht Sax deutlich. Die E-Mobilität sei somit als Plattform durchaus wichtig. Der Wasserstoff könne darauf basierend zur Zukunftstechnologie werden.

Hersteller in Asien sind schon weiter

In Asien nimmt diese Zukunft bereits konkrete Formen an. Toyota und Hyundai gehen in die Wasserstoff-Offensive. Sie bieten schon Pkw-Modelle mit Brennstoffzelle für den Massenmarkt an. Toyota gibt an, etwa 10.000 Wasserstoff-Fahrzeuge verkauft zu haben. Der Fokus liegt bei den Herstellern in Asien aber auf Nutzfahrzeugen. Genau hier sieht auch Sax die aktuelle Stärke der Technik. „Nutzfahrzeuge sind eine ideale Anwendung für die Brennstoffzelle“, sagt der Experte vom KIT.

Speditionen hätten die Möglichkeit, sich eine eigene Infrastruktur für das Betanken der Fahrzeuge mit Wasserstoff aufzubauen. Denn in der Fläche ist das eines der größten Probleme. Während immer mehr E-Tankstellen entstehen, gibt es kaum Stationen, an denen Wasserstoff nachgetankt werden kann. Der Aufbau solcher Tankstellen gilt als überaus kostspielig. Zudem wird Wasserstoff derzeit längst nicht immer „grün“ produziert. Wird er aus Erdgas und Kohle abgespalten, schwinden die Umwelt-Vorteile gegenüber der Herstellung von Akkus für E-Autos.

Komplexe Technik bereitet Probleme

„Auch diese Innovation wird, wie viele andere auch, aus der Nische kommen. Das heißt: Die Fahrzeuge, die am Abend wieder am Ausgangspunkt sind und damit keine Infrastruktur auf der Strecke brauchen, sind prädestiniert“, ist Sax überzeugt. Also etwa Busse, die nach dem täglichen Einsatz wieder ins Depot zurückkehren.

Gelingt es, die Brennstoffzelle bei den Nutzfahrzeugen zu etablieren, steht laut Sax auch einem Durchbruch bei den Pkw nicht mehr viel im Weg. Allerdings haben einige Hersteller auch schon viele negative Erfahrungen damit gemacht – und mit Wasserstoff vor allem Geld verbrannt. Daimler kämpft bereits seit den 90er-Jahren mit der komplexen Technik und den damit verbundenen hohen Kosten. Ende vergangenen Jahres stellten die Stuttgarter den Mercedes GLC F-Cell vor. Das SUV ist ein Plug-In-Hybrid, allerdings nicht mit klassischem Verbrennungsmotor. Der Elektromotor wird entweder aus der Batterie versorgt, oder eben mit der Energie, die in der Brennstoffzelle aus Wasserstoff und Sauerstoff generiert wird.

Der Haken: Das Auto ist nicht für den Massenmarkt bestimmt, es kann nur monatlich gemietet werden. Das Beispiel zeigt, wie schwer sich die Hersteller bei den Pkw noch damit tun. Eric Sax ist dennoch überzeugt, dass der Wasserstoff den Weg aus der Nische finden kann.