Fotos in Kunstwerke verwandelt die App "Deep Art Effects". | Foto: pr

Innovative App aus Karlsruhe

„Deep Art Effects“ macht Fotos zu Kunstwerken

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Karlsruhe (nin). In den Büroräumen von „Mosaik Digital Network“ hängen großformatige Ölgemälde von Kubismus bis Fotorealismus. „Die stammen noch aus Beständen meines Vaters, er war Kunsthändler“, sagt Kristian Schmid. Man ahnt, warum er gerade mit einer App Erfolge feiert, die Fotos im Stil berühmter Gemälde umgestaltet. Auch Schmids Geschäftspartner Dieter Willi Klomfaß kennt die Kunstbranche, schon als Kind verkaufte er mit seinem Vater auf Antikmärkten.

Mehrere Kunststile in einer App

Ihre App „Deep Art Effects“ sei so beliebt, weil sie eine breite Palette an Stilen bietet und stabiler läuft als vergleichbare Anwendungen, glaubt Schmid. Viele Konkurrenten seien auch technologisch noch nicht so weit, ergänzt Dieter Willi Klomfaß: „Die Technologie der neuronalen Netzwerke, die mit Maschinen ein menschliches Gehirn abbildet, ist relativ neu. Das nutzen wir für ,Deep Art Effects‘, geben genügend Rechenpower dazu und lassen das Programm einen Kunststil lernen. Danach kann es jedes beliebige Foto in diesem Stil nachzeichnen.“
Da die drei Gründer – zum Team gehört auch Entwickler Cedric Larrat – einen Investor im Rücken haben, können sie diverse Computer mieten, die über die nötige Rechenleistung verfügen, um aus Fotos letztlich digitale Kunst zu machen. „Es ist eine universelle Kunstmaschine, die jedes Bild im Stil eines anderen zeichnen kann und so manchmal wunderschöne, manches Mal auch zerstörerische, aber jedes Mal überraschende Kunstwerke hervorbringt“, verspricht der Werbetext des jungen Unternehmens vieldeutig. Zeichneten Kunst-Apps früher lediglich Konturen nach oder legten Filter über Fotos, kann die Neuentwicklung aus der Karlsruher Schmiede durch maschinelles Lernen Selfies in Kunstwerke verwandeln. Theoretisch. Lädt man ein Bild von sich hoch und wählt zum Beispiel das Edvard Munch-Motiv aus, kann die Überraschung bisweilen groß sein, wie furchig man plötzlich aussieht.

Nicht jeder Stil passt zu jedem Motiv

„Es ist schwer vorhersehbar, was ein Stil aus einem Foto macht“, meint Kristian Schmid und lacht. Nutzer müssten herausfinden, welcher Stil zu welchem Motiv passt. Was an einem Portrait seltsam wirkt, kann sich auf eine Landschaftsaufnahme reizvoll auswirken – und umgekehrt. Gleiches gilt für Hauttöne. Während ein bestimmter Stil blasse Mitteleuropäer ungesund aussehen lässt, kann er Afroamerikanern ausgesprochen schmeicheln. „Anderswo auf der Welt herrscht auch ein völlig anderes Farb-Empfinden. Wir waren schon oft überrascht, wenn wir Komponenten verändert hatten. Einmal gab es einen regelrechten Shitstorm, als ein Stil rausflog, weil wir dachten, er sei nicht so gut. Aber vor allem dunkelhäutige Nutzer fanden den super und wollten ihn unbedingt zurück“, erinnert sich Schmid.

 


Mittlerweile bestücken die Macher ihre Anwendung spontaner und schauen, was passiert. Über 40 Werke von Monet über Picasso bis zu van Gogh umfasst das Angebot, sortiert nach Beliebtheit. Seit dem Start der App vor drei Monaten wurden damit schon 13 Millionen Bilder bearbeitet, 750 000 Nutzer haben die App geladen. „Die Dunkelziffer dürfte höher sein, denn der chinesische Markt ist für uns verschlüsselt. Wir wissen aber, dass wir dort gelistet sind“, sagt Klomfaß. Im Dezember ging die kostenpflichtige Pro-Version der App für 3,59 Euro online. Mit dem Upgrade erwirbt der Nutzer zusätzliche Stile und kann Bilder in Full-HD-Auflösung und ohne Wasserzeichen herunterladen. Ideal für alle, die ihre Bilder ausdrucken und aufhängen möchten.

Kooperation mit Globus-Märkten

„Das ist auch die nächste Stufe, die wir geschäftlich nehmen wollen“, sagt Schmid und zeigt ein auf Holzfaserplatte gedrucktes und im Stil von Monet bearbeitetes Bild – die dicken Ränder aufwendig von Hand bemalt. Die Gründer von „Deep Art Effects“ sind auch am Kunstdruck-Verlag „International Graphics“ mit Sitz in Eggenstein beteiligt, der zeitgenössische Künstler unter Vertrag hat und individuelle Möglichkeiten bietet, diese durch Format, Druck-Material und Stilrichtung zu gestalten. Künftig könnte das auch mit Eigenkreationen aus der App möglich sein.
Fünf Angestellte und einen freien Mitarbeiter beschäftigt das Karlsruher Start-up bisher, finanziert vom in Berlin lebenden Saarländer Stefan Bruch, der aus der Gründerfamilie der Warenhaus-Kette Globus stammt. „Es geht bei unserer Zusammenarbeit nicht nur um Summe X, er ist auch unser strategischer Partner und bringt sein Netzwerk mit ein“, erklärt Kristian Schmid. Über Fotostationen in den Globus-Märkten wurde bereits nachgedacht, auch die Drogeriemarkt-Kette dm hat Interesse an der App-Technologie bekundet, Investoren klopfen an. Doch Dieter Willi Klomfaß plädiert für gemächliches Wachstum. „Kann sein, dass es irgendwann eine zweite Finanzierungsrunde geben wird. Aber solange das nicht unbedingt nötig ist, wollen wir es nicht in Anspruch nehmen.“