Exquisite Modenschauen gehören zum Programm bei der Schmuckmesse Inhorgenta in München
Exquisite Modenschauen gehören zum Programm bei der Schmuckmesse Inhorgenta in München | Foto: Kopf

Schmuck in München und Basel

Der edle Wert des Ererbten

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Wenn der Goldpreis steigt, freuen sich die Juweliere. Denn dann kommen deutlich mehr Menschen in ihre Geschäfte, verkaufen ihr altes Edelmetall und greifen, je nach Geschmack und Geldbeutel, nach vielem, was glitzert und tickt.

Hochwertiger Goldschmuck gefragt

Vor allem hochwertiger Goldschmuck ist derzeit gefragt – und damit zu einem beachtlichen Anteil Ringe, Ketten und Anhänger aus dem Raum Pforzheim. Dies, so zeigen sich Fachleute überzeugt, werden die beiden großen Messen der Branche im deutschsprachigen Raum – vom 22. bis 25. Februar die Inhorgenta in München sowie vom 21. bis 26. März die publikumsoffene Baselworld in der Schweiz – widerspiegeln.

 

Gute Stimmung also in der für die Region Nordschwarzwald geradezu identitätsstiftenden Branche, auch wenn sie international betrachtet nicht ohne Sorgen ist. Die Handelsscharmützel zwischen den USA und China werden genau beobachtet – besonders „weil beide unberechenbar sind“, wie der Präsident des Bundesverbands Schmuck und Uhren, Uwe Staib, sagt. Echte Verwerfungen hier würde die Messe in Hongkong und damit den Handelsplatz schlechthin für Schmuck deutlich härter treffen als der Taifun im September. Und der hat manchem schon die Geschäfte verweht.

Auch beim Brexit wird nicht gejubelt. Brillanten und Juwelen Made in Pforzheim sind bislang gut gefragt auf den Britischen Inseln und werden viel auf der Münchner Messe gekauft. So wird es wohl auch dieses Mal noch einmal sein. „Die Inhorgenta ist auf dem Weg, eine Drehscheibe zu werden“, lobt Staib. Mit 1 042 Ausstellern ist sie um 16 Anbieter gewachsen. Gut die Hälfte davon kommt aus Deutschland – allein knapp 90 aus dem Raum Pforzheim, gefolgt von Italien, Polen und Indien.

Kommunikations- und Ideenplattform

Alle zusammen bilden aus Sicht der Juweliere eine „unbezahlbare Kommunikations- und Ideenplattform“, beschreibt deren Verbandsgeschäftsführer Joachim Dünkelmann. Sie haben im vergangenen Jahr rund 4,5 Milliarden Euro umgesetzt. Neben dem Revival des wertigen Schmucks – gerne auch wie bei Uhren mit der Bedeutung des Ererbten im Heritage-Design – sei ein Gutteil des Geldes über Dienstleistungen in die Kassen gekommen. Profitiert haben die in jüngerer Zeit eher beiseite gedrängten Anbieter jenseits der Top-Adressen. Für eine Reparatur oder ein neues Armband fährt keiner in die Luxuszonen der Republik.

Neue Geschäftsmodelle

Neue Geschäftsmodelle auf Anbieterseite kommen indes weder bei Edeljuwelieren noch bei den auf andere Preisklassen ausgelegten Schmuckgeschäften gut an. Sie beobachten „mit Sorge, dass Swatch und andere auf Roadshows“ setzen, sagt Dünkelmann. Der Handel habe für solche Sonderevents keine Zeit.
Teilweise ist er sogar ganz aus dem Geschäft. Und das dürfte den 9 000 Juwelieren noch weniger gefallen. „Es gibt einen Trend zu eigenen Boutiquen statt Messen“, sagt BVSU-Präsident Staib. Bislang triff dies allerdings eher die preisliche Topliga mit Spezialevents für die handverlesene Kundschaft, wie die Pforzheimer Firma Wellendorff seit einigen Jahren vormacht. Ebenfalls auf solche Vertriebswege setzt Jörg Schauer, der der Pforzheimer Uhrenmarke Stowa wieder Glanz verleiht. Seine Kundschaft kommt nicht nach Basel, sondern übers Internet, darf aber dann vor Ort mit allen Sinnen und ganz authentisch erleben, was die Zeit geschlagen hat.

Auch Millennials gehen zum Juwelier

Der Griff nach dem Geschmeide, Anprobieren und Vergleichen hat Bestand, auch beim Juwelier. Natürlich kommen die „Millennials“, die 18- bis 35-Jährigen, über eine Internetsuche mit dem potenziellen Schmuckstück ihrer Wahl in Kontakt, so zeigt eine von der Inhorgenta vorgelegt Umfrage. Anschließend gingen 44 Prozent aus dieser Gruppe allerdings ganz konventionell zum Juwelier.
Ob das auch für die stark nachgefragte Smartwatch gilt, ist nicht untersucht. Jedenfalls gibt es beim Verkauf von Uhren mit 3,8 Prozent ein etwas größeres Minus als bei Schmuck. Der Geschäftsführer des Juwelierverbands, Dünkelmann, hält das für „nicht dramatisch“. Von „Jammern auf hohem Niveau“ spricht BVSU-Geschäftsführer Guido Grohmann, sagt aber auch: „Die Uhr hat derzeit ein Problem.“

Basel bleibt Drehscheibe bei Uhren

Details dazu werden sich Ende März in Basel zeigen. Die dortige Messe bleibt in Sachen Uhren international der Marktplatz sowie ein El Dorado für betuchte Sammler. Schmuck dagegen ging immer mehr zurück. Aber die Hersteller geben der neuen Messeleitung eine Chance. Dieses Jahr ist Deutschland mit rund 65 Firmen auf der Luxusmesse vertreten, darunter rund zwei Dutzend aus der Region Pforzheim. Mit einem German Design Award macht dort sowie in München die Firma Odenwald auf sich aufmerksam. Trauringspezialist A. Gerstner kann in München gleich mit zwei dieser Auszeichnungen Punkten.