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Umfrage unter Energieversorgern

Der Homeoffice-Effekt beim Strom hält sich in Grenzen

Zwar haben etliche Verbraucher im vergangenen Jahr mehr Strom verbraucht. Eine böse Überraschung gibt es mit der Jahresendabrechnung aber nur für wenige. Das liegt auch daran, dass 2020 zeitweise die Mehrwertsteuer reduziert war.

Mehr Stromverbrauch durchs Homeoffice: Diese Vermutung liegt nahe, doch so einfach ist es nicht, wie eine Umfrage unter Energieversorgern zeigt. Foto: Sina Schuldt/dpa

Zigtausend Menschen arbeiteten im vergangenen Jahr im Homeoffice – da liegt die Vermutung nahe, dass der Strom-, Gas- und Wasserverbrauch der Privathaushalte in die Höhe geschnellt ist und mehr Highspeed-Internet-Anschlüsse geordert wurden. Doch einen eindeutigen Trend gibt es nicht. Die BNN haben sich bei Versorgern umgehört. Hier die Unternehmen, von denen es Rückmeldungen gab:

EnBW

Bei „einigen Privatkunden“ kann der Karlsruher EnBW-Konzern einen höheren Stromverbrauch feststellen. „Die Vermutung liegt nahe, dass das vor allem auf zwei Gründe zurückzuführen ist: Zum einen arbeiten derzeit viele im Homeoffice, zum anderen verbringen sie aktuell ihren Urlaub in vielen Fällen zu Hause“, sagt EnBW-Pressesprecher Heiko Willrett.

Müssen diese Kunden wegen zu gering veranschlagter Abschlagszahlungen nun bei der Endabrechnung kräftig nachzahlen? Insgesamt sehe man keine bedeutende Mehrbelastung, sagt der EnBW-Pressesprecher und nennt die zeitlich begrenzte Mehrwertsteuersenkung im vergangenen Jahr als Grund. Die EnBW gehe zudem davon aus, dass ihre Preissenkung für Haushaltsstrom ab April 2021 auch im laufenden Jahr dafür sorgt, dass bestehende Abschlagszahlungen die Verbrauchskosten weitgehend decken.

Der Karlsruher Energiekonzern liefert auch Erdgas an Privatkunden. Dieser Verbrauch sei jedoch sehr stark von den jeweiligen Außentemperaturen abhängig – Homeoffice Hin oder Her.

Stadtwerke Karlsruhe

Der Haushaltsstromabsatz sei im Jahr 2020 gerade einmal um ein Prozent angestiegen, so Pressesprecher Markus Schneider. „Böse Überraschungen“ in der Jahresabrechnung dürfte es aus seiner Sicht auch aus einem weiteren Grund nicht geben: Man habe zu Beginn der Pandemie den Kunden die Möglichkeit gegeben, Abschlagszahlungen individuell zu erhöhen. Beim Erdgas verweisen die Stadtwerke wie die EnBW auf den überragend wichtigen Aspekt Außentemperatur.

„Einen deutlichen Rückgang“ beim Stromabsatz gibt es indessen bei den Gewerbe- und Industriekunden gegenüber 2019: über zehn Prozent.

Stadtwerke Pforzheim

Von einer „leicht steigenden Tendenz“ beim Stromverbrauch der Privatkunden spricht Tobias Kloster auf Anfrage dieser Zeitung. Dies könne aber auch am heißen Sommer 2020 gelegen haben, als Klimaanlagen mehr Strom benötigten. Keinen eindeutigen Homeoffice-Effekt gebe es auch beim Erdgas und Wasserverbrauch.

So stieg der Wasserabsatz während des ersten Lockdowns um rund fünf Prozent. Kloster verweist aber auch hier auf die relativ hohen Außentemperaturen, sprich: Es wurde mehr gewässert und so mancher (neue) Gartenpool gefüllt.

Zu den Firmenkunden: Hier hielt sich der Stromabsatz insgesamt auf Vorjahresniveau. Bei Gastronomie, Hotellerie und Veranstaltungsbranche kam es jedoch zu Rückgängen von etwa 75 Prozent.

Verivox

Die ProSiebenSat.1-Tochter Verivox aus Heidelberg tritt als Vergleichsplattform und Vermittler für zahlreiche Anbieter auf. Pressesprecher Lundquist Neubauer verweist auf eine eigene repräsentative Umfrage von August 2020 zum Verbrauchsverhalten in der Pandemie: 36 Prozent gaben an, dass ihr Stromverbrauch seit dem Corona-Ausbruch zugenommen habe. Elf Prozent berichteten von einem reduzierten Verbrauch.

Verivox berichtet von einer hohen Nachfrage nach Internet-Anschlüssen mit höheren Bandbreiten. Es zeige sich beim stationären Internet „ein klarer Highspeed-Trend. So wurden etwa Anschlüsse mit 100 Mbit pro Sekunde im Januar 2021 mehr als doppelt so stark nachgefragt, wie noch vor einem halben Jahr“.

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