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Fachbehörde gibt grünes Licht

Drogeriemarktkette dm darf Antikörper-Test verkaufen: Apotheker sehen sich benachteiligt

Die Drogeriemarktkette dm darf ihren Corona-Antikörpertest weiter im Online-Shop anbieten. Nun fordert der Landesapothekerverband eine Klarstellung.

Ausnahme nur für dm? Den Apothekern in Baden-Württemberg wurde der Verkauf von Antikörper-Tests an medizinische Laien bislang untersagt. Foto: Uli Deck/Archivbild

Mit einem „Coronavirus Antikörper Test“ ist der Karlsruher Drogeriemarkt-Riese dm vorgeprescht. Das Testkit, mit dem man sich Blut selbst entnehmen und an ein Labor schicken kann, gibt es im dm-Onlineshop bundesweit zu kaufen. Doch Baden-Württembergs Sozialministerium witterte darin einen möglichen Verstoß gegen die Medizinprodukte-Abgabeverordnung. Eine Abgabe solcher Tests sei eigentlich nur an medizinisches Fachpersonal zulässig, die zuständige Fachbehörde werde den Fall prüfen, hieß es Ende Oktober.

Nun ist die Prüfung abgeschlossen – mit einem Ergebnis, das dm freuen wird. Die zuständigen Behörden in Baden-Württemberg sehen „in diesem Einzelfall keinen Hinweis auf einen unzulässigen Vertrieb der Probenahme- und Einsendekits“, teilte das Regierungspräsidium Tübingen am Donnerstag mit.

Irritiert ist man allerdings beim Landesapothekerverband (LAV). Denn baden-württembergischen Apotheken, die einen ähnlichen Test verkaufen wollten, wurde dies durch das Sozialministerium untersagt. „Gelten für dm andere Regeln als für unsere Mitglieder? Wir fordern eine Klarstellung vonseiten der Landesregierung“, sagt LAV-Sprecher Frank Eickmann.

„Aus gutem Grund“ nur an Fachpersonal

Eickmann bezieht sich auf ein Schreiben des Landessozialministeriums von Mitte September. Der LAV hatte damals angefragt, ob ein neu auf den Markt gekommenes Antikörper-Testkit an medizinische Laien verkauft werden dürfe. Es ging um das Produkt „AProof“ der Adversis Pharma GmbH. Die Antwort aus Stuttgart war eindeutig: Solche Tests dürften „aus gutem Grund“ nur an Fachpersonal abgegeben werden, schrieb ein Abteilungsleiter des Ministeriums.

Die Drogeriemarktkette dm hatte ihr Testkit zu diesem Zeitpunkt noch nicht im Angebot. Es stammt von dem Hersteller Cerascreen GmbH aus Schwerin, der es auch über seinen eigenen Online-Shop vertreibt. Das Prinzip ist dasselbe wie bei dem „AProof“-Test, den die Apotheker verkaufen wollten: Das Set enthält alle Utensilien, die der Kunde zur Blutentnahme braucht.

Wie bei einem Blutzuckertest für Diabetiker pikst er sich zu Hause in den Finger, um ein paar Tropfen zu gewinnen. Der eigentliche Test findet dann in einem Fachlabor statt. Gesucht wird dort nach Antikörpern gegen das Coronavirus, als Hinweis auf eine bereits überwundene Infektion.

Anders als in Baden-Württemberg sah das Bundesgesundheitsministerium den Verkauf solcher Testkits von Anfang an als unproblematisch an. „Die Abgabe eines Probennahme-Sets für die spätere Durchführung eines Tests auf SARS-CoV2 in einem Labor“ sei nicht von der Abgabebeschränkung nach der Medizinprodukte-Abgabevordnung erfasst, teilte das Bundesministerium dem „AProof“-Hersteller mit.

Doch das Stuttgarter Sozialministerium blieb hart. „Letztlich sind für die Auslegung und Durchführung des Medizinprodukterechts die Länder in eigener Verantwortung zuständig“, schrieb der zuständige Abteilungsleiter an den Landesapothekerverband und stellte klar, dass Baden-Württemberg die Auffassung der Bundesregierung nicht teile.

„Speziell vom Hersteller entwickelte Probeentnahmekits für Corona-Schnelltests“ seien als „In-vitro-Diagnostikum“ gemäß Medizinprodukte-Abgabeverordnung einzustufen. Daraus ergebe sich eine Abgabebeschränkung. „Insbesondere eine Abgabe an Laien ist demnach untersagt“, so das Landessozialministerium im September.

Gilt die Ausnahme nur für den dm-Test?

Auch als unsere Zeitung Ende Oktober anlässlich des neuen dm-Angebots im Stuttgarter Ministerium nachfragte, blieb man bei dieser Einschätzung und verwies auf eine laufende „Sachverhaltsklärung“ beim Regierungspräsidium Tübingen. Dort hat man sich dann laut Auskunft der Pressestelle mit der für den Hersteller Cerascreen zuständigen Behörde in Mecklenburg-Vorpommern „und dem Bundesgesundheitsministerium“ abgestimmt.

Das RP Tübingen hat sich nun offenbar der Rechtsauffassung aus Berlin angeschlossen und sieht in der Abgabe des „Probenahme- und Einsendekit zur Entnahme einer Blutprobe“ an medizinische Laien kein Problem. Der Landesapothekerverband will nun wissen, was Sache ist: „Gilt die Erlaubnis nur für den Einzelfall dm beziehungsweise cerascreen oder auch für andere Testkits wie ‚AProof‘“?, fragt Eickmann. Die Nachfrage in den Apotheken sei jedenfalls da.

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