Skip to main content

Alarmstimmung - aber nicht wegen Alarmstufe

Mindestlohn von zwölf Euro verdirbt Stimmung bei Erdbeer- und Spargelanbauern auf Karlsruher Fachmesse

Neue Trends für Erdbeer- und Spargelanbauer zeigen die Fachmessen ExpoSE und expoDirekt in Karlsruhe. Dabei setzt die Branche nicht die Corona-Alarmstufe, sondern der geplante Mindestlohn von zwölf Euro in Alarmstimmung.

Preisgekrönter Helfer: Die Maschine „Tornado“ kann die Plastikfolien sicher und zeitsparend aus dem Boden holen, die viele Betriebe für den Erdbeeranbau verwenden. Foto: Rake Hora /BNN

Tag eins in der Alarmstufe – doch von Alarmstimmung ist auf der Fachmesse der Spargel- und Beerenbranche in Karlsruhe zunächst nichts zu spüren.

Immerhin kommt das sogenannte „Messeduo expoSE und expoDirekt“ in diesem Jahr überhaupt zustande, nachdem es im vergangenen Jahr erstmals in 26 Jahren pandemiebedingt ausfiel.

369 Aussteller aus elf Ländern sind zur Messe Karlsruhe gekommen – nur 15 Ausstellern war die Lage rund um die Frage 2G oder 3G zuletzt zu unsicher.

Auch die Besucherzahl an den beiden Messetagen am Mittwoch und Donnerstag dürfte geringer ausfallen als üblich. „Wir haben schon einige Anrufe auch aus dem Südbadischen, Ostdeutschland oder Italien bekommen, die Leute wollten mit 3G kommen“, berichtet Simon Schumacher, Vorstandssprecher des Verbandes süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer, der die Messe ausrichtet. Doch 3G, das geht seit diesem Mittwoch nicht mehr.

Mindestlohn leistet weiterer Technik Vorschub

Technisch jedoch geht immer mehr in einer Branche, die bislang stärker noch auf Handarbeit gesetzt hatte als andere Bereiche der Landwirtschaft. Mit steigenden Lohnkosten erhält die Technisierung jetzt einen weiteren Schub, den Anbieter wie 4Disc aus Dortmund spüren.

Der Spezialist für Erdbeertechnik hat einen preisgekrönten Folienroder entwickelt. Er hilft Arbeitszeit zu sparen, wenn es darum geht, das Plastik wieder aus dem Boden zu holen, ohne das im Erdbeeranbau mittlerweile fast nichts mehr geht.

Spargelcreme mal anders: Das edle Gemüse gibt es auf der expoSE auch in Form von Pflegeprodukten. Hofläden können ihre eigene Pflegeserie herstellen lassen. Foto: Rake Hora /BNN

Auch die Kundschaft profitiert am Ende von der Technisierung – etwa wenn es ums ungeliebte, zeitraubende Spargelschälen geht. Die Firma Tenrit Foodtech hat eine Maschine entwickelt, die erstmals weiße und grüne Spargel schälen kann – auch wenn sie unterschiedlich dick sind oder wie beim grünen nur im unteren Drittel geschält werden sollen.

„Wer will abends noch schälen, wenn er den ganzen Tag im Büro gearbeitet hat?“, fragt Schumacher. Stattdessen das edle, frisch geschälte Gemüse einfach nur mit Salz ins heiße Wasser geben – das erfahre viel Zuspruch bei den Hofläden.

Geschälter Spargel im Trend

Mehr als 25.000 Euro kostet die Maschine – und ist für die Spargelanbauer in der Region doch von hohem Interesse: Denn der Trend geht eindeutig zur Direktvermarktung.

Den Aufpreis von etwa einem Euro zahlt die Kundschaft nach Erfahrungen des Verbandes für den frisch geschälten Spargel gerne: „Hier ist die Kaufkraft gut, und es gibt sehr loyale Spargel-Fans, die die Regionalität schätzen“, meint Schumacher.

Mit Billigkonkurrenz aus Ländern wie Marokko könne und wolle die Branche nicht mithalten. Den Trend zur Selbstvermarktung in den eigenen Hofläden verstärkt diese Einsicht. Immer ausgefeilter werden dabei die Ideen, wie die Messe zeigt: Der Trend geht etwa zur Spargelcreme – nicht als Suppe, sondern als Hautpflege.

„Wenn Spargel innen gut tut, warum dann nicht auch außen?“, fragt Lars Ritter vom Anbieter Cremepott. Bei ihm können sich die Spargelanbauer der Region Cremes und Seifen aus ihren Produkten herstellen lassen, um das Sortiment in ihren Hofläden zu erweitern.

Rückgang bei Zahl der Betriebe durch Mindestlohn erwartet

Und dann kommt in der Messe Karlsruhe doch noch so etwas wie Alarmstimmung auf, wenn die Rede auf den geplanten Mindestlohn von zwölf Euro kommt.

Den haben die neuen Koalitionäre in Berlin angekündigt, und er treibt die Branche um, die jedes Jahr viele Erntehelfer aus Osteuropa braucht. Die Erhöhung wird nach Einschätzung des Verbandes noch einmal zu einer Ausdünnung bei der Zahl der Erdbeer- und Spargelanbauer führen.

„Es gibt einen Flächen- und Betriebsrückgang schon seit Einführung des Mindestlohns 2015. Da haben viele, vor allem kleinere Betriebe hier im Südwesten aufgehört. In der Industrie können sie ohne Risiko mehr Geld bei mehr Freizeit verdienen“, so Schumacher.

Er hofft, dass der neue Mindestlohn wenigstens erst nach der neuen Spargelsaison im kommenden Sommer gelten wird.

nach oben Zurück zum Seitenanfang