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Konjunktur

EZB-Vize: Anleihenkäufe bleiben nötig

Die Europäische Zentralbank hält an ihrer lockeren Geldpolitik fest, obwohl die Inflation im Euroraum auf einen Rekordwerte steigt. Luis de Guindos erwartet auch 2022 Anleihenkäufe im großen Stil.

Luis de Guindos: Einige Narben, die die Pandemie hinterlassen hat, sind noch nicht richtig verheilt. Foto: Arne Dedert/dpa

EZB-Vizepräsident Luis de Guindos erwartet, dass die Notenbank die Wirtschaft auch 2022 mit milliardenschweren Anleihenkäufen unterstützen wird.

„Ich bin zuversichtlich, dass diese Nettokäufe während des nächsten Jahres weitergehen. Was danach kommt, weiß ich nicht“, sagte de Guindos der französischen Zeitung „Les Echos“. Unterdessen ist die Inflationsrate im Euroraum auf ein Rekordniveau gestiegen.

Der Rat der Europäischen Zentralbank will bei seiner Sitzung am 16. Dezember entscheiden, wie es mit den Anleihenkäufen der Notenbank weitergeht. Nach bisheriger Planung läuft das zur Abfederung des Corona-Schocks aufgelegte Kaufprogramm PEPP (Pandemic Emergency Purchase Programme) mit einem Volumen von 1,85 Billionen Euro im März 2022 aus. Im EZB-Rat gibt es Sympathien für die Idee, die Flexibilität dieses Programms auf andere Anleihenkäufe zu übertragen.

„Wir werden unser Pandemie-Notkaufprogramm an die Inflationsdynamik, an unsere Wirtschaftsprognosen und an die veränderte Gesundheitssituation anpassen“, sagte de Guindos. „Aber wir werden die Käufe nicht auslaufen lassen, wie es die US-Notenbank getan hat.“ EZB-Präsidentin Christine Lagarde habe angekündigt, dass die Nettokäufe im März enden werden. „Sie könnten aber bei Bedarf wieder aufgenommen werden“, sagte de Guindos.

Er persönlich sei der Meinung, dass die Geldpolitik auch nach dem Ende des PEPP unterstützend bleiben müsse, „da einige der Narben, die die Pandemie hinterlassen hat, noch nicht richtig verheilt sind“, sagte de Guindos. Das gelte „selbst wenn wir das Produktions- und Einkommensniveau von vor der Krise wieder erreicht haben“.

Die EZB steht unter Druck von Kritikern, ihre lockere Geldpolitik zu straffen, da die Inflation im Euroraum steigt. Im November verstärkte sie sich weiter und erreichte die höchste Rate seit Bestehen des gemeinsamen Währungsraums. Getrieben von stark steigenden Energiepreisen legten die Verbraucherpreise nach Angaben des Statistikamts Eurostat im Jahresvergleich um 4,9 Prozent zu. Im Oktober hatte die Teuerungsrate bei 4,1 Prozent gelegen.

Das mittelfristige Inflationsziel der EZB von zwei Prozent wird damit deutlich überschritten. Die Notenbank sieht die Entwicklung aber als vorübergehend und rechnet 2022 mit sinkenden Inflationsraten. Leitzinserhöhungen hat die EZB bisher nicht signalisiert.

CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt kritisierte derweil die EZB angesichts der hohen Inflationsrate in Deutschland, die im November auf 5,2 Prozent stieg. „Mehr als fünf Prozent Inflation lassen sich nicht mit sogenannten Einmaleffekten erklären“, sagte er der „Passauer Neuen Presse“. Der Politiker sieht die akute Gefahr, dass sich die hohe Inflation verfestigt und ins nächste Jahr fortsetzt. „Daraus können erhebliche wirtschaftliche und in der Folge soziale Schäden entstehen“, warnte er.

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