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Wirtschaft

Frauen in Topetagen von Jungunternehmen besonders selten

Start-ups werden in Deutschland häufig von Männern gegründet. Die Folge: In den Vorständen börsennotierter Jungunternehmen sitzen im Schnitt weniger Frauen als bei anderen Firmen.

In den Vorständen börsennotierter Unternehmen sind Frauen eine Seltenheit. Foto: picture alliance / dpa

Die Vorstandsmitglieder sind in der Regel männlich und häufig Wirtschaftswissenschaftler: Einer Studie zufolge sind Frauen in den Topetagen börsennotierter ehemaliger Start-ups kaum vertreten.

„Die Jungunternehmen wiederholen den Konstruktionsfehler der vorhergehenden Generation: Sie wachsen ohne Frauen“, schreiben die Geschäftsführer der gemeinnützigen Allbright-Stiftung, Wiebke Ankersen und Christian Berg, in der Studie.

Start-ups werden in Deutschland demnach überwiegend von Männern gegründet. Frauen aus Wirtschaft und Politik wollen das nun mit einem Gründerinnen-Netzwerk ändern.

Bei den zehn Unternehmen, die in den vergangenen 15 Jahren gegründet wurden und in einem der Indizes der Dax-Familie vertreten sind, liegt der Frauenanteil im Vorstand den Angaben zufolge bei 5,4 Prozent. Im Schnitt der 160 Unternehmen aus Dax, MDax und SDax sind es 12,6 Prozent.

Start-up-Strukturen verfestigen sich

„Mit dem Börsengang, spätestens mit der Aufnahme in einen der Dax-Indizes, erreichen die Unternehmen eine Größe und einen Reifegrad, die ein anderes unternehmerisches Selbstverständnis erfordern als ein Start-up“, argumentierten Ankersen und Berg. Die deutsch-schwedische Allbright-Stiftung setzt sich für mehr Frauen und Diversität in den Führungspositionen der Wirtschaft ein.

Bis auf den Online-Möbelhändler Home24 und das Pharmaunternehmen Medios sind der Studie zufolge alle Vorstände der Jungunternehmen, die seit höchstens fünf Jahren in einem der Dax-Indizes notieren, ausschließlich mit Männern besetzt.

„Neue Führungskräfte werden dabei zunächst vor allem aus dem persönlichen Netzwerk der Gründer rekrutiert“, heißt es in der Studie weiter. Die Vorstandsmitglieder seien noch häufiger männlich und noch häufiger Wirtschaftswissenschaftler als beim Durchschnitt der Unternehmen der Dax-Familie. „Die Gründer umgeben sich häufig mit Personen, die ihnen sehr ähnlich sind, und halten an ihnen fest.“

Finanzielle Unterstützung für Gründerinnen

Um Start-up-Gründerinnen den Zugang zu Kapital und Kontakten zu erleichtern, haben rund 60 Managerinnen großer Konzerne sowie Politikerinnen ein Unterstützernetzwerk gegründet. Unter dem Namen „encourageventures“ wollen sie junge Unternehmen in allen Wachstumsphasen begleiten und unterstützen, solange mindestens eine Frau zum Gründerteam gehört.

Geplant ist auch der Aufbau eines 100 bis 200 Millionen Euro schweren Fonds, aus dem Investitionen getätigt werden sollen. Aus Sicht des Netzwerks haben es von Frauen geführte Start-ups nach wie vor deutlich schwerer, an Kapital zu kommen. Zu den Unterstützerinnen des Netzwerks gehören unter anderen die frühere Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries, die Güterverkehrschefin der Deutschen Bahn, Sigrid Nikutta, sowie Douglas-Chefin Tina Müller.

Nach Angaben der Allbright-Stiftung arbeiteten in den Vorständen der 30 Unternehmen, die in den vergangenen fünf Jahren den Einzug in Dax, MDax oder SDax schafften, am 1. April 98 Männer und 11 Frauen. Das entspricht einem Frauenanteil von 10,2 Prozent. In den Topetagen von Abspaltungen traditioneller Konzerne, die als eigene Unternehmen an die Börse gingen, liegt der Frauenanteil den Angaben zufolge dabei bei 17,2 Prozent. Diese Firmen seien mit der strategischen Bedeutung einer vielfältig zusammengesetzten Führung häufig bereits aus dem Mutterkonzern vertraut.

Frauenquote nur für größere Unternehmen

Der Bundestag beschloss jüngst, dass in börsennotierten und paritätisch mitbestimmten Firmen mit mehr als 2000 Beschäftigten und mehr als drei Vorständen künftig mindestens eine Frau im Vorstand sitzen muss. Bei Neubesetzungen der Posten muss darauf Rücksicht genommen werden.

Andere börsennotierte oder mitbestimmte Unternehmen, die nicht unter die Vorgabe fallen, sollen künftig begründen müssen, wenn sie den Vorstand ohne Frauen planen - wenn sie also eine „Zielgröße null“ in ihren Berichten angeben. Geschieht das nicht, drohen Bußgelder. Das Gesetz muss noch durch den Bundesrat.

Der Stiftung zufolge ist Delivery Hero das einzige Unternehmen in der obersten Börsenliga der 30 Dax-Konzerne, das noch die „Zielgröße null“ angibt. Das Unternehmen erklärt in seinem Geschäftsbericht, die Zusammensetzung des Vorstands habe sich bewährt. „Dies schließt jedoch eine Steigerung des Frauenanteils auf dieser Führungsebene selbstverständlich nicht aus.“

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