Skip to main content

Finanzbranche spekuliert

Geht Volocopter aus Bruchsal jetzt schnell an die Börse?

Der Bruchsaler Flugtaxipionier Volocopter könnte recht rasch an die Börse gehen. Spekulationen dazu kursieren. Möglich machen könnte dies ein sogenanntes „Spac“-Konstrukt. Es ist der letzte Schrei an der Wall Street. Was hat es damit auf sich?

Auftrieb für Volocopter: In der Finanzbranche wird spekuliert, ob der Bruchsaler Flugtaxiunternehmen per „Spac“ an die Börse geht. Foto: Cover Images picture alliance/dpa/ZUMA Press

Noch firmiert der Lufttaxipionier Volocopter als GmbH. Doch schwuppdiwupp könnten die Bruchsaler an der Börse landen, so zu einer Aktiengesellschaft werden. Das Wirtschaftsmagazin „Capital“ hat jüngst darüber spekuliert und auf Informationen aus dem Firmenumfeld von Volocopter verwiesen.

Demnach könnte sich Volocopter per „Spac“ aufs Börsenparkett wagen und mit neuem Kapital versorgen. Das Unternehmen wollte dazu auch auf BNN-Anfrage nichts sagen.

Normalerweise ist ein Börsengang ziemlich kompliziert und eine langwierige Sache. Schneller geht es per „Spac“ – ein Kürzel, mit dem vor allem (Investment-)Banker und Börsianer etwas anfangen können. „Spac“ steht für Special Purpose Acquisition Company.

„Sie sind der letzte Schrei in den USA“, so jüngst auch „tagesschau.de“. Im vergangenen Jahr gingen 250 Unternehmen mit diesem Vehikel an die Börse. Diese hätten einen Wert von rund 80 Milliarden Dollar, heißt es.

Konkurrenzdruck für Volocopter ist groß

Zum Jahresbeginn gab es auch in Deutschland – mit einem Abstand von zehn Jahren – wieder ein „Spac“. Es heißt Lakestar Spac I von Startup-Investor Klaus Hommels. Auch Volocopter ist ein Startup. Die Bruchsaler entwickeln Mini-Hubschrauber („Multicopter“), die mit etlichen elektrisch betriebenen Rotoren angetrieben werden. Volocopter ist im Vergleich zu Wettbewerbern – Lilium, Airbus, und andere – schon recht weit. Interesse an den Fluggeräten gibt es weltweit, vor allem in Millionenstädten. Allerdings ist der Konkurrenzdruck groß.

Zu den Volocopter-Gesellschaftern gehören Daimler, der chinesische Autobauer Geely, die Deutsche Bahn-Tochter DB Schenker, die Investmentgesellschaft Blackrock und der Chip-Gigant Intel. Laut „Capital“ zählt auch der Automobilzulieferer Continental dazu.

Zunächst ist ein „Spac“ ein „nacktes Unternehmen“

Doch warum geht ein Börsengang per „Spac“ schneller und unkomplizierter? Der Clou an dem Verfahren ist, dass ein anderes Unternehmen – eben ein „Spac“ – bereits an der Börse ist, allerdings nur mit dem sogenannten Unternehmensmantel. Darunter ist das Unternehmen quasi nackt.

Übernähme nun ein solches „Spac“ beispielsweise die Volocopter GmbH und fusioniert mit ihr, wäre Volocopter flugs an der Börse. In der Branche spricht man denn auch vom „Kaninchen-aus-dem-Hut“-Effekt.

„Capital“ verweist auf Experten, wonach Volocopter mindestens 700 Millionen Dollar brauche, um ein elektrisches Flugtaxi zu bauen – bislang hätten die Bruchsaler die Hälfte des Betrags von Investoren eingeholt. Per „Spac“ könnte rasch sehr viel Geld nachfließen. Auch der US-Konkurrent Joby Aviation gehe per „Spac“ an die Börse.

Wettbewerber Lilium hat jüngst mit der US-Mantelgesellschaft Quell eine Fusion vereinbart. Lilium rechnet aus der Ausgabe von Aktien und aus treuhänderisch verwalteten Barmitteln mit 830 Millionen Dollar. Damit soll der Start des kommerziellen Betriebs im Jahr 2024 finanziert werden.

„Spacs“ profitieren auch vom Showbiz-Effekt. Rapper Jay-Z und Tennislegende Serena Williams haben sich bereits an solchen beteiligt. Für die Investoren sind „Spacs“ aber spekulativ.

Und so funktioniert das Finanzkonstrukt: Investoren eines „Spac“ wissen bei einem Börsengang meist nur, aus welcher Branche ein später zu kaufendes Unternehmen stammen soll. Sie „kaufen sozusagen ,die Katze im Sack“, so „tagesschau.de“. Die „Spac“-Manager haben meist zwei Jahre Zeit, um ein passendes Unternehmen zu finden. Bis dahin wird das per Börsengang eingesammelte Geld auf einem Treuhandkonto geparkt.

Eine Wette auf die Zukunft

Letztlich müssen die „Spac“-Eigentümer der Übernahme zustimmen. Für die Investoren ist es eine Wette in die Zukunft, zumal die übernommenen Unternehmen meist Startups sind.

In Deutschland gab es 2008 ein erstes „Spac“, das in der Branche für Furore sorgte. Ex-Arcandor-Boss Thomas Middelhoff und Beraterlegende Roland Berger übernahmen auf diese Art den Gerätehersteller AEG Power Solutions, erinnert „Capital“. Später wurde das Unternehmen in 3W Power umbenannt, scheiterte aber.

nach oben Zurück zum Seitenanfang